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„Staatlich organisierten Nachhilfeunterricht brauchen wir nicht“: DJV kritisiert Islam-Workshops des Bundesinnenministeriums

DJV-Chef Frank Überall

DJV-Chef Frank Überall hat einen Plan des Bundesinnenministeriums kritisiert. Das BMI möchte Anfang 2017 einen Workshop für Chefredakteure durchführen, in dem es darum gehe, „die gesellschaftliche Teilhabe muslimischer Mitbürger und deren mediale Reflexion zu verbessern“. Überall dazu: „Staatlich organisierten Nachhilfeunterricht brauchen wir nicht.“

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Anfang der Woche hatte das Bundesinnenministerium über seine Pläne informiert. In der Mitteilung, in der um ein Treffen des Ministers Thomas de Maizière mit Vertretern der muslimischen Verbände und Migrantenorganisationen geht, wird der „Medienworkshop mit Chefredakteuren und Herausgebern überregionaler und regionaler Medien über die mediale Wahrnehmung muslimischer Mitbürger“ angekündigt, der Anfang 2017 stattfinden solle.

In dem Workshop solle es um das gemeinsame Anliegen des BMI und der muslimischen Verbände gehen, „die gesellschaftliche Teilhabe muslimischer Mitbürger und deren mediale Reflexion zu verbessern. Die Teilnehmer sind sich einig darin, dass die muslimischen Verbände die Deutungshoheit über Islam und muslimisches Leben nicht Extremisten überlassen dürfen.“

Was sicher gut gemeint ist, klingt in der Tat ein wenig wie Nachhilfeunterricht, der ausgerechnet der obersten Führungsebene der Medien – Chefredakteuren und Herausgebern – gegeben werden soll. Die Mitteilung des BMI ist dann auch eine perfekte Vorlage für den DJV-Bundesvorsitzenden Frank Überall. Der erklärt am Freitag dazu: „Keine Berichterstattung ist so gut, dass sie nicht noch besser werden könnte. Aber staatlich organisierten Nachhilfeunterricht brauchen wir nicht.“ Und weiter: „Es ist die Aufgabe von uns Journalisten, umfassend und vielseitig über muslimische Mitbürger und den Islam zu berichten, wenn es geboten ist. Die Richtschnur gibt aber der Pressekodex des Deutschen Presserates vor und nicht der Bundesinnenminister.“ Überall empfiehlt eingeladenen Chefredakteuren dann auch, lieber auf die Teilnahme an den Medienworkshops zu verzichten.

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