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Redaktionsfusion und Stellenabbau beschlossene Sache: So baut DuMont Berliner Zeitung und Berliner Kurier um

Der Berliner Verlag drückt seine Kosten: Geschäftsführer Michael Braun (l.) und Jens Kauerauf bauen den Verlag um

Es kommt wie befürchtet: Die DuMont Mediengruppe führt die Redaktionen seiner Berliner Blätter zusammen und gründet dafür eine neue Redaktionsgesellschaft. Die Fusion von Berliner Zeitung und Berliner Kurier bedeutet einen massiven Stellenabbau: Am Ende werden rund ein Drittel weniger Jobs vorhanden sein. Mit der „Konsolidierung“ versucht DuMont, beide Blätter am Berliner Markt zu halten.

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Für die neue Redaktion, die ab Mitte kommenden Jahres ihre Arbeit als Dienstleister für Zeitung und Kurier aufnehmen soll, gründet DuMont die Berliner Newsroom GmbH. Derzeitige Mitarbeiter müssen sich dort bewerben. Damit umgeht DuMont, das neue Team über die Sozialauswahl zusammenzustellen, die bei betriebsbedingten Kündigungen vorgesehen ist – ein heikler Plan, dessen Umsetzbarkeit juristisch nicht unbedingt wasserdicht ist. Der neue Newsroom soll insgesamt 140 Stellen umfassen, von denen bereits 30 durch die Redaktionsgemeinschaft wie auch Online-Mitarbeiter gestellt werden. 110 müssen noch besetzt werden. Insgesamt wird die neue Einheit nach Unternehmensangaben mit rund 50 Stellen weniger auskommen müssen als Berliner Zeitung und Kurier derzeit zur Verfügung haben. „Es ist nicht auszuschließen, dass es am Ende des Aufbaus des neuen Newsrooms in den bestehenden Print-Redaktionen von Berliner Zeitung und Berliner Kurier zu Teilbetriebs- und Betriebsschließungen kommen wird“, heißt es in der offiziellen Pressemitteilung.

Der neuen Berliner Newsroom GmbH vorstehen werden Jochen Arntz, der eigentlich als Chefredakteur der Berliner Zeitung antreten sollte, Elmar Jehn, bislang Chefredakteur des Berliner Kurier, sowie DuMonts Digital-Chefredakteur Thilo Knott. Als Geschäftsführer der neuen Gesellschaft wird Jörg Mertens fungieren. DuMont holte den ehemaligen Holtzbrinck-Manager im Mai als beratenden Umzugsmanger.

Aus dem neuen Newsroom heraus soll gattungs- wie auch genreübergreifend gearbeitet werden. Print und Online, Zeitung und Kurier sollen gleichberechtigt produziert werden. Publizistisch ist das eine Gratwanderung. Eine weitere Änderung wird die Auflösung der Ressorts sein. Zukünftig soll es nur themenorientierte Teams geben. Das juristische Risiko des neuen Modells: Sollte der Transfer der redaktionellen Einheiten in die neue Gesellschaftsform vom Arbeitsgericht als Betriebsübergang gewertet werden, hätten formal alle bisherigen Mitarbeiter grundsätzlich Anspruch auf Weiterbeschäftigung; ein zäher Selektionsprozess wäre die Folge.

Mit den Maßnahmen versucht das DuMont Management rund um CEO Christoph Bauer den Berliner Verlag aufrechtzuerhalten. Das Unternehmen schreibt seit 2009 tiefrote Zahlen, selbst die Schließung der Berliner Zeitung war bereits eine Option. Ob das Cost Cutting sowie die radikale Synergie-Strategie wirklich nachhaltig sind, ist umstritten. Als die Geschäftsführung des Berliner Verlages am Donnerstag zuerst die Betriebsräte und dann die Belegschaft über die Pläne informierte, mussten die Berliner-Verlags-Chefs Michael Braun und Jens Kauerauf eingestehen, dass bisherige Sanierungsmaßnahmen keine Früchte getragen haben. Es bleibt fraglich, ob weitere Einschnitte der richtige Weg sind.

Der Betriebsrat der Berliner Zeitung kritisiert die Pläne scharf. Während das Management von einem „Neuanfang“ spreche, sehe man nur eine „knallharte Sanierung“, heißt es in einer Stellungnahme. „DuMonts Perspektive Wachstum ist ein Projekt Kahlschlag.“

CEO Bauer arbeitet über die gesamte Mediengruppe hinweg daran, Kosten zu drücken und das Unternehmen zu konsolidieren. Die Fusion von Kurier und Zeitung ist der Höhepunkt einer Woche, die von Stellenabbau geprägt ist. Seit Dienstag gab das Unternehmen täglich Restrukturierungsmaßnahmen bekannt. So werden unter anderem 16 Mitarbeiter aus der IT entlassen, der Berliner Standort geschlossen. Am Mittwoch informierte DuMont über den Verkauf eines Teils der Call-Center-Sparte, die bislang die Abonnement-Betreuung übernommen hat. Auch an anderen Standorten, wie in Köln und bei der Hamburger Morgenpost, werden für die kommenden Monate harte Einschnitte erwartet.

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