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Reingezappt: Wolfgang Bosbach – TV-Karriere zwischen Klartext-Talk und Villa Geissini

CDU- und Fernsehstar: Wolfgang Bosbach
CDU- und Fernsehstar: Wolfgang Bosbach

Es ist nicht ganz leicht zu sagen, ob Wolfgang Bosbach in erster Linie CDU-Politiker ist oder TV-Star. Vielleicht ist er ja, wie sich Robert Geiss ausdrückt, CDU-Star. Bosbach hat als Gewissens-Politiker eine steile TV-Karriere gemacht und ist nun in der Reality-Show „Die Geissens“ gelandet. Die Transformation zur Medienfigur ist vollendet.

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In der aktuellen Staffel der RTL II Trash-Reality „Die Geissens – Eine schrecklich glamouröse Familie“ durfte Wolfgang Bosbach zusammen mit seiner Tochter gleich in zwei Folgen an der Seite des Proll-Rappers Kay One mitspielen. Die Geissens und die Bosbachs hatten sich bei einer Promi-Ausgabe der Günther Jauch Quiz-Show „Wer wird Millionär?“ beim RTL kennen- und schätzen gelernt. Eine Familien-Freundschaft, wie sie nur im Medienbiz möglich ist. Und so verbrachten die Bosbachs einen schönen Urlaub in der Hotel-Anlage der Geissens in St. Tropez, die Villa Protzini heißt. Oder so ähnlich.

Erstaunlich, aber wenig überraschend: Auch in diesem Biotop ist Wolfgang Bosbach komplett kompatibel. Kay One und er kennen sich zwar nicht, aber Bosbach und Tochter verziehen keine Miene, als Kay One der aufgekratzten Carmen Geiss die von ihm nur für sie zusammengestoppelte Stampf-Disconummer vorspielt. Als Lohn winkt eine Gratis-Mahlzeit mit Lobster-Spaghettini vom neuen Mietkoch der Geissens.

Welchen anderen Spitzenpolitiker – und um einen solchen handelt es sich bei Wolfgang Bosbach – kann man sich in einer solchen TV-Sendung vorstellen? Spontan fällt mir da niemand ein. Vielleicht noch den frühen Cem Özdemir, der sich vom windigen PR-Menschen Moritz Hunzinger mal Geld geliehen hat. Aber der heutige Özdemir ist viel seriöser geworden und ein Geissini läge mit einem Grünen vermutlich nicht so auf einer Wellenlänge wie mit dem „CDU-Star“ (R.Geiss) Bosbach.

Bosbach hat eine beispiellose TV-Talkshow-Karriere hinter sich. 2014 und 2015 war er jeweils der Politiker mit den meisten Talkshow-Auftritten im deutschen Fernsehen. TV-Interviews und Engagements in Unterhaltungsshows wie „Wer wird Millionär?“, „Zimmer frei“ oder „heute show“ nicht mitgezählt. Bosbach schaffte sogar das Kunststück, in die „heute show“ eingeladen und nicht veralbert zu werden. Oliver Welke war ganz und gar begeistert von der Gewissen-Haftigkeit des Bosbach. Damals ging es noch im die Griechenlandkrise und Bosbachs wackere Weigerung, für ein neuerliches Rettungspaket zu stimmen.

Die Griechenlandkrise und die Flüchtlingskrise sind die beiden Groß-Themen mit denen sich Bosbach wieder und wieder im TV als personifiziertes Gewissen präsentieren konnte. Sein Mittel der Wahl ist dabei das fortwährende Ringen mit dem Gewissen und öffentliche Räsonieren mit Rücktritt, wie er es erfolgreich seit mindestens 2011 praktiziert. Für die nächste Wahl hat Bosbach nun definitiv angekündigt, nicht mehr für den Bundestag zur Verfügung zu stehen – die Gesundheit.

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Aber Bosbach braucht das politische Amt auch gar nicht mehr. Er hat sich längst aus den Niederungen der Tagespolitik erhoben. Er ist zu einer Art überparteilichem „Klartextsprecher“ mutiert und man reibt sich oft verwundert die Augen, dass er noch immer in derselben Partei ist, wie Angela Merkel (CDU). „Die Sympathie für die griechische Bevölkerung teile ich. Wir müssen aber auch mal Sympathie haben für unsere eigene Bevölkerung“, sprach Bosbach 2015 bei Günther Jauch und der Applaus ist ihm für solche dem Volke vom Maul abgeschauten Schlichtheiten sicher.

Beim ZDF-Katholiken Peter Hahne sagte er im Jahr darauf zum Thema Flüchtlingskrise u.a.: „Es war nie die Politik meiner Partei, durch Zuwanderung von außen die Gesellschaft in Deutschland zu verändern. Das war immer die Politik der Grünen.“ Man sieht das Kopfnicken vor den TV-Schirmen vor sich. Da schwingt zwischen den Zeilen die rechte Quatschidee vom „Bevölkerungsaustausch“ mit. Bosbach würde solche Ideologien nie vertreten. Aber sein gut gelaunter rheinischer Klartext ist nicht nur mit Roberto Geissini kompatibel, sondern auch mit der AfD. Seine TV-Auftritte werden auch gerne bei fragwürdigen YouTube-Accounts wie „Freie Propaganda“ oder „Bananenrepublik“ großer Beliebtheit verbreitet.

Bosbach ist beliebt wie eigentlich nur noch Günther Jauch. Könnten die Deutschen sich einen Kanzler backen, käme wohl ein Bosbach aus dem Ofen. Dabei wird er nicht müde zu betonen, wie schwer das ist, seinem Gewissen zu folgen oder, um es in Bosbachisch zu sagen: „als Kuh quer im Stall zu stehen.“ Dass es dagegen auch nicht ganz einfach sein dürfte, echte Entscheidungen zu treffen und bei Flüchtlings- und Eurokrisen tatsächlich in der Verantwortung zu stehen, darüber verliert er kaum ein Wort. Ähnlich wie bei einem Gregor Gysi kann man den Eindruck gewinnen, dass ein Bosbach genau da ist, wo er hingehört: im Fernsehen.

In der Rubrik Reingezappt nähern wir uns in loser Folge ganz und gar subjektiv und persönlich TV-Phänomen.

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Alle Kommentare

  1. Liest man diesen Text, möchte man denken: Wolfgang Bosbach hätte man gewünscht, dass er heiter und trocken, humorvoll und gradeaus geblieben wäre und den niederen Instinkten einer öffentlichkeitsgeilen Medienclique widerstanden hätte.

  2. Vielleicht positioniert man Präsidenten-Kandidaten und testet Sie in der Volks-Rezeption auch durch solche Maßnahmen.

    Aber mal schön zu sehen wie Politiker leben und wie wir leben und nicht mal brauchbares DSL bekommen trotz Förder-Zillionen…
    Da sieht man wo das Geld gut investiert ist… Oder auch am Flughafen…
    http://www.golem.de/news/speckguertel-kaum-schnelles-internet-im-umland-deutscher-grossstaedte-1610-123897.html
    google: site:www.golem.de mecklenburg

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