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„Unglaubliches Führungsversagen“: Apple fährt Auto-Projekt drastisch zurück

Seit Jahren wird über Apples iCar-Pläne spekuliert. Im Bild Apple -CEO Tim Cook Foto: dpa

Die Schlingerfahrt scheint an Dynamik zu gewinnen: Nach Berichten von Bloomberg kommt Apple bei seinen Autoplänen so wenig voran, dass inzwischen völlig unklar erscheint, ob der iKonzern ein eigenes Auto herstellen oder sich lediglich auf eine Softwareplattform für selbstfahrende Autos beschränken werde – bis Ende 2017 falle die Entscheidung. Der Finanzinformationsdienst berichtet von bei Apple ungewohntem Managementversagen und internen Ränkekämpfen.

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Die Hiobsbotschaften werden lauter: Knapp zwei Jahre,  nachdem Apples hochfliegende Autopläne als „Project Titan“ enthüllt wurden, mehren sich die Zweifel, ob jemals ein iCar aus Cupertino Marktreife erlangen wird.

Vor rund einem Monat überraschte die New York Times mit der Schlagzeile: „Apple überdenkt seine Pläne beim selbstfahrenden Auto“. Apple habe sogar „Dutzenden Mitarbeitern“ in dem Bereich gekündigt: „Die Job-Kürzungen sind das neuste Anzeichen von Problemen bei Apples Projekt“, schreibt die New York Times.

„Apple hat seine Auto-Ambitionen drastisch zurückgefahren“

Aus „Dutzenden Mitarbeitern“ sind einen Monat später nun „Hunderte“ Kündigungen oder Versetzungen geworden, wie Bloomberg heute berichtete. „Apple hat seine Auto-Ambitionen drastisch zurückgefahren“, berichtet der Finanzinformationsdienst.

Es sei nicht mehr klar, ob der wertvollste Konzern der Welt noch selbst ein Auto entwickeln wolle oder sich auf die Entwicklung einer Software-Plattform für selbstfahrende Autos beschränke. Intern wurde als Deadline für die Software-Entwicklung und finale Richtung des „Project Titan“ Ende 2017 ausgegeben,  heißt es bei Bloomberg. Überdacht werde die Entwicklung eines iCars offenbar wegen der zu geringen Aussicht auf vergleichbare Gewinnmargen wie bei Apples anderen Produkten.

„Es gab ein unglaubliches Führungsversagen“

Vorausgegangen waren offenbar regelrechte Chaos-Monate, von denen man in der Form seit der Rückkehr von Steve Jobs Mitte der 90er-Jahre nicht mehr gehört hat. „Es gab ein unglaubliches Führungsversagen“, erklärte eine mit dem Vorgang vertraute Quelle, die gegenüber Bloomberg nicht genannt werden wollte.

Der Streit über die zukünftige Richtung des Project Titan habe zu massiven internen Konflikten geführt, die Anfang des Jahres in der überraschenden Demission vom Chef der „Titan“-Unit, Steve Zadesky, gipfelten. Zadeskys Ausscheiden, das angeblich „aus persönlichen Gründen“ erfolgte, wurde als  herber Rückschlag gedeutet, zumal Tim Cook mit Zadesky einen Veteranen verlor, der seit knapp 17 Jahren im Dienst des wertvollsten Konzerns der Welt steht.

Nach Monaten des Vakuums hatte Apple-Haudegen Bob Mansfield, der sich vor drei Jahren aus Apples engstem Führungszirkel zurückgezogen hatte und eigentlich den Ruhestand genießen wollte, im Frühjahr die Führung des Auto-Projekts übernommen. Wie Bloomberg berichtet, habe Mansfield die Entwicklung eines Elektroautos, das Tesla herausfordern könnte, für Erste verworfen und will sich demnach zunächst auf die Software-Entwicklung für autonomes Fahren konzentrieren.

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