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“I’m a poet and I know it”: Warum Bob Dylan keine Freude über den Literatur-Nobelpreis zeigt

Selbst als Bob Dylan (r.) von US-Präsident Barack Obama mit der Freiheitsmedaille ausgezeichnet wurde, zeigte sich der Songwriter abgeklärt.
Selbst als Bob Dylan (r.) von US-Präsident Barack Obama mit der Freiheitsmedaille ausgezeichnet wurde, zeigte sich der Songwriter abgeklärt.

Als erster Songwriter wurde Bob Dylan mit der höchsten literarischen Auszeichnung bedacht. Nur: Über den Litaratur-Nobelpreis will sich die 75-Jährige Musik-Legende (noch) nicht freuen - zumindest nicht offiziell. Und das ist eigentlich kein Wunder. Denn der Umstand, mit hochkarätigen Trophäen bedacht zu werden, ist für Bob Dylan kaum noch etwas Besonderes.

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Er bekam bereits als erster Musiker den Pulitzer-Preis verliehen, hat einen Oscar, einen Golden Globe, zahlreiche Grammys, ist ein Mitglied der Französischen Ehrenlegion und bekam von US-Präsident Barack Obama die Freiheitsmedaille verliehen. Kurz: Bob Dylan hat bereits jede renommierte Trophäe eingesackt – nun auch den Literatur-Nobelpreis.

Bei einem derart berstenden Trophäenschrank würde jedermann im Dreieck tanzen. Nur Dylan scheint sich nicht zu freuen: Weder in den sozialen Netzwerken, noch auf seiner offiziellen Website sagt der legendäre Songwriter etwas zu seiner Auszeichnung  – angeblich sei Dylan zum Zeitpunkt der Verkünding nicht einmal erreichbar und somit unwissend über sein Glück gewesen. Doch selbst bei einem Konzert am selben Abend in Las Vegas, als es Glückwünsche aus dem Publikum regnete, verlor Dylan kein Wörtchen über die Trophäe.

Aber Dylan ist auch nicht jedermann. “I’m a poet and I know it”, sang der Singersongwriter bereits in “I Shall Be Free No. 10” (1964). Und als ein Popstar, der er nun einmal war und immer noch ist, hat er sich auch nie gesehen: “I think of myself more as a song-and-dance man”, hat Dylan 1965 bei einer legendären Pressekonferenz auf die Frage geantwortet, ob man ihn nun mehr als einen Poeten oder Songwriter sehen soll.

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So ließ Dylan bereits die Verleihung der Freiheitsmedaille im Jahr 2012 durch Barack Obama – Sie wissen schon: Die Medaille, die einem sagt: DU bist Amerika – geradezu kalt. Dylan zeigte keinerlei Reaktion und ergriff auch nicht das Wort, als der US-Präsident ihm die höchste zivile Auszeichnung der USA um den Hals hing. Der Songwriter legte nur die Falten in die Stirn.

Als Dylan 2001 den Golden Globe für seinen Song “Things Have Changed” (Best Original Song) erhalten hat, präsentierte sich der Sänger abgeklärt: Mit gelangweilter Mine dankte er seiner Band, Familie “und ich glaube das war’s”.

Doch ein Mal konnte die Öffentlichkeit auch in den Genuss eines emotionalen Vulkanausbruchs – für Dylans Verhältnisse – kommen: 2015 wendete er sich bei einer Charity-Gala an seine Kritiker, die ihm eine schnodderige Stimme und wenig Taktgefühl attestierten. Und erklärte zumindest im Ansatz, warum er sich bei Auszeichnungen eher wortkarg gibt: “Ich bin froh, dass meine Songs geehrt werden. Aber sie sind nicht einfach so hierher gekommen, wissen Sie. Es war eine lange Reise und erforderte viel Arbeit”, so Dylan. “Diese Songs von mir sind wie mysteriöse Geschichten von der Art, wie sie Shakespeare gesehen hat als er aufgewachsen ist.”

Oder kurz: Dylans Songs sind mehr als irgendwelche Trophäen.

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Alle Kommentare

  1. Der Soziologe Günter Amendt durfte (lang ist’s her) den Meister während eines Deutschland-Aufenthaltes begleiten. Er sprach danach von der „ungeheuren Last, die es bedeuten muss, Bob Dylan zu sein”. Das erklärt wohl manches.

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