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Jede vierte Redaktionsstelle in Gefahr: DuMont plant offenbar massiven Stellenabbau bei Hamburger “Mopo”

Boulevardjournalismus aus Hamburg – der Politikteil der Morgenpost entsteht bald aber in Berlin
Boulevardjournalismus aus Hamburg – der Politikteil der Morgenpost entsteht bald aber in Berlin

Die DuMont Mediengruppe arbeitet derzeit konzernweit an der "Optimierung" von "Redaktionsprozessen" und plant offenbar bei der Hamburger Morgenpost einen weitreichenden Stellenabbau. Nach Angaben des Betriebsrates prüfen die lokale Geschäfts- und Konzernführung den Abbau von rund 25 Prozent der Mitarbeiter in Redaktion und Layout. Rund 2,3 Millionen Euro sollen demnach jährlich eingespart werden.

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Diese “Optimierung” wäre für die ohnehin unter hoher Belastung arbeitende Redaktion ein harter Rückschlag. Zwar sei über die Maßnahmen noch nicht entschieden, allerdings befinde sich Mopo-Geschäftsführerin Susan Molzow am heutigen Donnerstag in der Unternehmenszentrale in Köln, um mit den DuMont-Chefs über den Stellenabbau von rund 25 Prozent auf Redaktionsebene zu sprechen. Das schreibt der Betriebsrat in einer internen Mitteilung, die MEEDIA vorliegt. Nach Einschätzung der Arbeitnehmervertreter könnte die Einsparung des Personals vor allem die Layout-Abteilung der Boulevardzeitung treffen, allerdings sehe man auch Redakteursstellen gefährdet. Explizit genannt wird das Politik-Ressort. Dieses arbeitet nicht nur für die Mopo, sondern beliefert auch DuMonts Boulevardtitel Kölner Express und Berliner Kurier. Den Einschätzungen dürften eine von Geschäftsführung und Chefredaktion verfasste E-Mail an die Belegschaft zugrunde liegen. In dieser versuchen die Führungskräfte Gerüchte zu beschwichtigen, nach denen bei der Mopo ganze Ressorts geschlossen werden sollen. Dabei räumen die Verfasser ein, dass es Überlegungen gebe, im Layout sowie bei Synergie-Redaktionen (Politik) “Prozesse zu optimieren”. Die Überlegungen seien jedoch noch nicht abgeschlossen, heißt es.

In absoluten Zahlen spricht der Betriebsrat von 15 bis 17 gefährdeten Stellen. Sollten die Pläne umgesetzt werden, müsste die “Mopo” zukünftig also mit nur noch 47 bis 49 Stellen (inkl. Layouter) statt wie mit bisher 65 auskommen. Vergangenes Jahr stellte man die Redaktionsstruktur bereits auf  eine “agile Redaktion” um. Seither arbeiten die Redakteure gleichermaßen für Print- und Online-Ausgabe.

Auf Anfrage hält sich die DuMont Mediengruppe bedeckt, verweist ebenfalls darauf, dass noch keine Entscheidungen getroffen sind. “Es gibt keine konkreten Ergebnisse oder Beschlüsse über Maßnahmen bei der Mopo”, so eine Sprecherin. “Es gibt vielmehr gruppenweit mehrere Projekte, die sich mit der Weiterentwicklung der Medienmarken an den einzelnen Standorten beschäftigen.” Man habe die Mitarbeiter bereits im Frühjahr über das Projekt “agile Redaktion” (Zusammenlegung der Print- und Online-Redaktionen) informiert. “Hierbei stehen zwei Aspekte besonders im Fokus: die Erosion unseres alten Geschäftsmodells und die Transformation der Marke, um den Herausforderungen des digitalen Wandels konsequent begegnen zu können.” Das Projekt sei noch nicht abgeschlossen.

Für die Unternehmensgruppe Hamburger Morgenpost sind das alles andere als erfreuliche Nachrichten. Erst 2014 trennte sich die DuMont-Tochter von rund zehn Mitarbeitern auf Redaktions- und Verlagsebene. Der nun ins Gespräch gebrachte Stellenabbau soll dem Vernehmen nach Einsparungen von jährlich rund 2,3 Millionen Euro bringen. Allerdings sind hier Kosten für mögliche Abfindungen noch nicht eingerechnet. Die Hamburger Verlagseinheit wird in den Unternehmensstrukturen mit den Berliner Medien zusammengefasst. Dabei sind die Hamburger die einzigen, die derzeit noch Überschüsse erzielen – wenn auch nur aufgrund der Beteiligung an Radio Hamburg. Dem Vernehmen nach lag der Gewinn 2015 im höheren sechsstelligen Bereich. Die Auflagensituation gilt jedoch vor allem in diesem Jahr als schwierig, bei der letzten IVW-Ausweisung musste das Boulevardblatt einen Verlust von rund zwölf Prozent der verkauften Auflage vermelden. Die gesamte Unternehmensgruppe Medienholding BV schrieb 2015 einen Verlust von rund 3,4 Millionen Euro.

Hamburger Morgenpost

Wachstum nur noch durch Zukäufe möglich

Mit den Einsparungen – im Unternehmenssprech oft “Restrukturierungsmaßnahmen” oder “Optimierungsprozesse” genannt – am Standort Hamburg könnten weitere Maßnahmen an anderen Standorten einher gehen. Das Unternehmen, das unter CEO Christoph Bauer massiv an seiner “digitalen Transformation” arbeitet, macht daraus kein großes Geheimnis mehr. Der Manager weckt hinsichtlich der Personalpolitik keine falschen Hoffnungen. Bereits Anfang des Jahres erklärte er der Berliner Belegschaft, dass die Zukunft möglicherweise “nicht ohne Schmerzen” zu bewältigen sei. Im Interview mit kress-pro-Chefredakteur Markus Wiegand sprach Bauer jüngst davon, dass man dieses wie auch nächstes Jahr weiter “Kosten anpassen” müsse, um die operativen Ergebnisse “deutlich zu verbessern”. Auch deshalb arbeiten in Berlin (Berliner Kurier, Berliner Zeitung) sowie in Köln (Express, Kölner Stadt-Anzeiger) Führungskräfte in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung Ebner Stolz (bei der DuMont-Vorstandsmitglied Christian Otto Lindemann Partner ist) an der Überprüfung von Redaktionsstrukturen. Dabei sollen auch Synergien zwischen den örtlichen Boulevard- und Abo-Zeitungstiteln ausgelotet werden. In Berlin steht der Umzug des Berliner Verlages in ein neues, kleineres Gebäude an, was der Belegschaft Raum für Spekulationen über weiteren Stellenabbau lässt. In Köln trennte man sich beim Express zuletzt von einigen Mitarbeitern im Layout.

Das Problem der DuMont Mediengruppe ist die Liquidität für Akquisitionen. DuMont kann nur noch durch Zukäufe wachsen, tat sich in Vergangenheit aber schwer, passende Möglichkeiten zu finden sowie das dafür nötige Kapital aufzubringen. Im September vermeldete das Unternehmen per Pressemitteilung, eine neue Kreditlinie in “niedriger dreistelliger” Millionenhöhe erhalten zu haben. Damit reagierte das Unternehmen auch auf einen Bericht des manager magazins vom vergangenem Mai, der ein desaströses Bild zeichnete, von CEO Bauer anschließend als “Unsinn” bezeichnet wurde. Um weiteres Geld locker zu machen, werde weiteren Medienberichten zufolge der Verkauf von Anteilen an der israelischen Zeitung Haaretz geprüft.

Wie es aus Unternehmenskreisen heißt, plane die Geschäftsführung, ihre Ergebnisse und Schlussfolgerungen für die Zukunft des gesamten Unternehmens ab Ende Oktober zu kommunizieren. Dem Vernehmen nach wird der Berliner Verlag den Anfang machen. Mit den nun veröffentlichten Plänen grätscht der Betriebsrat in Hamburg dazwischen.

Anmerkung der Redaktion:

Die Stellungnahme der DuMont Mediengruppe wurde nachträglich (um 15.45 Uhr) eingefügt.

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