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“Das Grosso heißt jetzt Facebook”: Mathias Döpfners aufrüttelnde “Regierungserklärung” beim BDZV

Springer-CEO und BDZV-Chef Mathias Döpfner äußert sich am Donnerstag beim OMR Festival zum Thema ePrivacy
Springer-CEO und BDZV-Chef Mathias Döpfner äußert sich am Donnerstag beim OMR Festival zum Thema ePrivacy

Beim Zeitungskongress in Berlin hielt Springer-CEO Mathias Döpfner seine erste große Rede als neuer Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV): Der CEO von Axel Springer mahnte zum richtigen Umgang mit Tech-Konzernen, warnte vor politischen Eingriffen in den freien Markt und forderte eine Reform des EU-Urheberrechts. Gegenüber ARD und ZDF zeigte sich Döpfner kampflustig.

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Der neue BDZV-Präsident hat viel vor. Das machte Mathias Döpfner am Montagnachmittag beim Zeitungskongress im Berliner Congress Centrum vor allem durch seine Redezeit deutlich. Mit einer über einstündigen Rede sprengte der mächtige Springer-CEO die Redezeit von 30 Minuten gewaltig, klärte aber deutlich über seine Ziele auf: Verlage sollen ihr wirtschaftliches Fortbestehen aus eigener Kraft sicherstellen und neue Finanzierungsmodelle für unabhängigen Journalismus finden können. Dabei forderte der Manager in erster Linie die Politik auf, sich nicht durch Subventionen als finanziellen Retter der Medien beweisen zu wollen, sondern sich auf die eigentlichen Aufgaben zu konzentrieren. Diese umfassen nach Ansicht des neuen BDZV-Präsidenten drei Aspekte: „Das geistige Eigentum der Autoren und Verlage zu schützen. Den freien Handel und Wettbewerb durch faire Rahmenbedingungen zu ermöglichen und inhaltliche Eingriffe auf die Presse zu unterlassen.“

Zuvor widmete sich Döpfner allerdings einer anderen “existenziellen Herausforderung” für das unabhängige Verlagswesen: den Tech-Konzernen, die mittlerweile eine führende Rolle in der Distribution journalistischer Inhalte übernommen hätten. “Das Grosso heißt jetzt Facebook”, erklärte Döpfner. Durch Social Distribution – von Döpfner als Vertriebsweg der Zukunft” bezeichnet – seien zwar neue Vertriebswege geschaffen worden, diese sorgten aber auch dafür, dass journalistische Inhalte nicht mehr ihrem Ursprung zuzuordnen seien. So zitierte Döpfner Studien, nach denen nur 43 Prozent der Internetnutzer in der Lage seien, die Quelle ihrer bezogenen Informationen zu nennen. “Wir aber müssen mit aller Energie daran arbeiten, dass auch in Zukunft unsere Marken und nicht der digitale Vertriebspartner als Absender und Anlaufstelle des Vertrauens wahrgenommen werden.” Zwar würden Social-Media-Konzerne den Dialog mit Verlagen mittlerweile ernsthaft führen, allerdings bislang ohne befriedigende Ergebnisse.  US-Unternehmen sammelten nach wie vor den Großteil der Umsätze ein, so Döpfner weiter. Ein funktionierendes Geschäftsmodell zu entwickeln, definierte er als eine Kernaufgabe des BDZV. Voraussetzung allerdings sei, dass sich die Unternehmen ausschließlich auf Distribution konzentrierten. “Wenn diese quasi-monopolistischen Technologie-Plattformen auch inhaltliche Verantwortung übernehmen, sind die Folgen gravierend – für das Geschäft und für die Gesellschaft.”

Die Rolle der sozialen Medien definierten dabei nicht nur sie selbst, sondern auch Verlage und Politik. Man dürfe die Tech-Konzerne nicht überhöhen. Geschehen sei dies beispielsweise in der Diskussion um die so genannte Hate Speech bei Facebook, in der man an die inhaltliche Verantwortung des US-Konzernes appellierte. “Wenn wir Facebook diese Rolle zumessen – oder wie oft geschehen sogar aktiv fordern! –, schaufeln wir den Verlagen ihr eigenes Grab.”  Und weiter: “Wer von Facebook die inhaltliche Verantwortung für jede Zeile verlangt, adelt das Unternehmen – übrigens gegen dessen Willen – zum Medienunternehmen. Und macht den Technologie-Konzern zum globalen Superverleger. Mit allen Folgen auch für das Geschäft mit Anzeigen und Abonnements.” Für Hasskommentare im Web sollte nicht Facebook zur Verantwortung gezogen werden, sondern der Urheber, erklärte Döpfner und blieb beim Grossisten-Beispiel: “Offenkundige Rechtsverstöße sind vom Verkehr auszuschließen. Sonstige Inhalte aber unterliegen keiner Kontrolle. Grossisten sind keine Schlussredaktionen. Facebook sollte es auch nicht sein.”

“Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit”

Döpfner erinnerte aber nicht nur an die Herausforderungen durch die Tech-Konzerne selbst, sondern auch durch jene, die die digitalen Angebote nutzten. So fänden Interessenvertreter aller Sparten via Social Media mittlerweile direkten Zugang zu ihren Empfängern. Sportler wie Mesut Özil hätten mittlerweile 55 Mal so viele Facebook-Fans wie die Süddeutsche Zeitung, der FC Bayern habe 27 Millionen mehr Fans als die New York Times. Notwendig bliebe Journalismus nur,  “wenn und solange unsere Leser das, was wir schreiben, lesen wollen”. Dabei erinnerte er an qualitative Maßstäbe, aber auch daran, sich den neuen Plattformen nicht zu verwehren. “Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit. Wir sind kein Naturgesetz.” Es gehe darum, die Idee des Zeitungsjournalismus – mit all ihren positiven Formen – vom Papier zu emanzipieren.

Gelingen könne dies aber nur, wenn ein “ebenso fairer wie moderner Regulierungsrahmen” geschaffen werde, so Döpfner weiter mit Blick auf die Medienpolitik. Dabei warnte er vor staatlichen Eingriffen in den Markt. erinnerte an eine Rede des Bundestagspräsident Norbert Lammert, in der die Medien als “systemrelevant” bezeichnete. Verbunden sei damit eine negative Assoziation, so Döpfner. Mit Systemrelevanz verbinde man das deutsche Bankenwesen, in das der Staat eingegriffen habe. “In dem Sinne wollen wir bitte nie systemrelevant sein.”

Ideen von staatlich finanzierten Stiftungen für Qualitätsjournalismus, wie sie vor einigen Jahren von Medien-Staatssekretär Jan Marc Eumann (SPD) für lokalen Journalismus eingebracht worden war, bezeichnete Döpfner als eine “Bankrotterklärung”. “Wir wollen nicht systemrelevant sein, sondern nur relevant für das System.” Dies gelinge nur, wenn man das System kritisiere, so die Mahnung. “Ein Dreieck aus Staatspresse, Staatsfernsehen und einem Internet-Monopolisten” hat mehr mit George Orwell und Nordkorea zu tun als mit einer lebendigen Demokratie.”

Weitere Kritik: Während die Politik mit solchen Rettungsideen spiele, werfe sie auf der anderen Seite mit Werbeverboten oder der Einführung des Mindestlohns wirtschaftlich “Knüppel zwischen die Beine”. Das sei “absurd” und “zynisch”. Döpfner forderte deshalb eine “neue Medienpolitik, ein tieferes politisches Bewusstsein für die digitalen Herausforderungen und einen modernen, auch international begründeten Regulierungsrahmen”.

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Politik soll “der alltäglichen Enteignung von Verlagen” ein Ende setzen

Für die Zukunft und das unabhängigen Fortbestehen gehe es auch darum, dass sich journalistische Unternehmen selbst finanzieren können. Zwar könnten Verlage auch Auktionen für Gartenmöbel veranstalten oder Hundefutter verkaufen. “Das wäre allerdings Subvention. Und das geht nicht lange gut.” Deshalb forderte der BDZV-Präsident in seiner Rede, ein Urheberrecht für digitale Inhalte zu schaffen, wie auch die Film- oder Musikindustrie über eines verfügten, und ohne das sie bereits seit Jahren nicht mehr existieren könnten. Derzeit gäbe es die “Dummen, die anspruchsvolle Inhalte für teuer Geld erstellen” und auf der anderen Seite die “Schlauen die Inhalte von anderen kopieren und kostenlos anbieten, um sie durch Werbung zu vermarkten”, so Döpfner. Es sei die Pflicht des Staates,  “der alltäglichen Enteignung von Verlagen ein Ende zu setzen”.

Der Appell richtete sich unter anderem an den ebenfalls beim Kongress anwesenden EU-Digitalkommissar Günther Oettinger, der sich ebenfalls für ein Leistungsschutzrecht gegenüber Konzernen wie Google stark macht. “Unsere Unterstützung ist Ihnen sicher”, so Döpfner.

Döpfner erwägt weitere juristische Schritte gegen öffentlich-rechtliche Sender

Abgerechnet wurde in der mehr als einstündigen Rede Döpfners (angedacht waren vom Veranstalter wie erwähnt lediglich 30 Minuten) auch mit der Konkurrenz aus dem System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Freilich schätze man das duale System und den Qualitätsjournalismus der öffentlich finanzierten Sender. Allerdings warnte Döpfner angesichts des Wettbewerbs im Digitalen davor, den Bogen nicht zu überspannen. Die Nachrichtenversorgung durch öffentlich-rechtliche Sender sei “absolut ausreichend”. Die digitalen Herausforderungen, die auch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk betreffen”, seien kein Anlass “quasi durch die Hintertür öffentlich-rechtliche Zeitungsverlage einzuführen”. Tatsächlich schaffen die ARD-Anstalten digital eine immer größere Konkurrenz. So stören sich die Verleger nicht mehr nur an dem Nachrichtenangebot von Tagesschau.de, das ihrer Ansicht nicht mehr viel mit Fernsehen zu tun habe. Döpfner und seiner Lobby gehen auch neue digitale Angebote gegen den Strich, wie beispielsweise die Jugend-Offensive von ARD und ZDF oder ein öffentlich-rechtlicher Nachrichtensender, der 24 Stunden liefert. Diese Ideen dürften besonders den BDZV-Präsidenten selbst ärgern, in dessen Portfolio bei Axel Springer auch der Nachrichtensender N24 gelistet ist. Zwar hätten die Verantwortlichen der öffentlich-rechtlichen Anstalten gelobt, die presseähnlichkeit zurückzufahren, erklärte Döpfner. Allerdings machte er deutlich, dass man weitere juristische Schritte gehen wolle, wenn auf die Worte keine Taten folgten.

 

Die gesamte Rede von BDZV-Präsident Mathias Döpfner gibt es hier.

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Alle Kommentare

  1. Eine klare Sprache, und die Pressestellen brauchen zur Kommunikation ihrer oft komplexen Themen gut ausgebildete Journalisten und Medien, die nicht nur unterhalten, sondern Erkenntnisse vermitteln wollen!

  2. Noch vor wenigen Monaten jubelte Springer Zuckerberg zu:

    Axel Springer Award an Facebook-Gründer Mark Zuckerberg verliehen

    Peter Thiel, Martin Schulz und Bill Gates gratulieren dem Preisträger / Axel Springer zaubert Dachgarten der Facebook-Zentrale in Berliner Verlagshaus / Verleihung bietet Ausflug in die Welt der Virtual Reality / Ein Roboter kann den Menschen doch nicht ganz ersetzen

    So ähnlich war es Jahre zuvor, als die Verleger aufgefordert wurden, Steve Jobs anzubeten…

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