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Erneuter Stellenabbau bei Madsack-Blättern: Vor allem die Ostsee-Zeitung trifft es hart

Stefanie Hauer wird als Geschäftsführerin der Ostsee-Zeitung und der Lübecker Nachrichten abgelöst

Erst war es die Redaktion, jetzt sind die Verlagsbereiche an der Reihe. Geschäftsführerin Stefanie Hauer will offenbar bei der Ostsee-Zeitung und den Lübecker Nachrichten weiter massiv Einsparungen durchsetzen. Vor allem die Ostsee-Zeitung trifft es hart. Hier sollen knapp 50 Arbeitsplätze abgebaut oder verlagert werden.

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Die Ostsee-Zeitung ist einer die größten Zeitungen in Mecklenburg-Vorpommern. Rund 132.000 Exemplare verkauft der Verlag jeden Tag von dem Titel zwischen Rostock bis Bad Doberan, davon allein 115.000 Stück im Abo. Wie fast jede Regionalzeitung musste auch die Ostsee-Zeitung bei der verkauften Auflage in den vergangenen Jahren Federn lassen. Um rund 3,5 Prozent weniger verkaufte das Printhaus im 2. Quartal 2016 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum von dem ostdeutschen Blatt.

Jetzt drohen der zur Mediengruppe Madsack gehörenden Zeitung erneut harte Personaleinschnitte. So sollen hier rund 50 Stellen abgebaut oder in tariflich nicht gebundene Tochtergesellschaften ausgegliedert werden. Betroffen sind diverse Verlagsabteilungen, die Technik sowie die Anzeigenerfassung. Doch nicht nur die Mitarbeiter am Standort Rostock müssen bangen. Auch bei den Lübecker Nachrichten droht vielen Arbeitnehmern der Jobverlust. Denn an beiden Standorten sollen insgesamt 30 Stellen gestrichen sowie weitere 35 Arbeitsplätze in Madsack-Töchter ausgegliedert werden, wie MEEDIA bereits berichtete. Bereits wenige Monate zuvor hatte Madsack angekündigt, Stellen in den Redaktionen abzubauen und sich in der Folgezeit von einer Reihe von Redakteuren getrennt oder Vorruhestandsvereinbarungen getroffen.

Die Wut und Empörung der Mitarbeiter gegen die erneuten Sparpläne ist groß – vor allem in Rostock, da sich die Zeitung hier wirtschaftlich in keiner Schieflage befindet. Denn die Ostsee-Zeitung wirft – trotz des strukturschwachen Marktumfeldes – einen satten Profit ab. Laut der Gewerkschaft Verdi erwirtschaftete das Blatt 2014 einen Gewinn von rund 7,3 Millionen Euro. Auch die Jahre zuvor sei die Ertragslage gut gewesen, heißt es.

Dass der niedersächsische Madsack-Konzern unter Führung des Ex-Gruner + Jahr-Managers Thomas Düffert nun im Norden eine weitere Sparrunde einläutet, hat für die Gewerkschaft einen anderen Grund: „Unter diesen Umständen erstaunt es, warum es nun plötzlich keine Alternativen zu so tiefen Einschnitten geben soll.“

Geschäftsführerin Stefanie Hauer hatte heute um 10 Uhr die Mitarbeiter der Ostsee-Zeitung über die personelle Radikalkur informiert. Nun will die ehemalige Zeit-Managerin gegen 15 Uhr der Belegschaft in Lübeck ihr Spar-Konzept vorlegen. Die Gewerkschaft Verdi und der Betriebsrat haben bereits angekündigt, sich gegen die Pläne der Geschäftsführung zu wehren. An der Mediengruppe Madsack ist die SPD-Medienholding ddvg der größte Einzelgesellschafter. Stefanie Hauer, Geschäftsführerin der Lübecker Nachrichten und Ostsee-Zeitung, hat jetzt den Mitarbeitern ihr „Zukunftskonzept“ vorgestellt. Dies führt aber zu einem personellen Umbau. Hauer: „Einer Vielzahl von Mitarbeitern können wir anbieten, innerhalb unserer Verlagsunternehmen oder der Madsack Mediengruppe auf zukunftsfähige Arbeitsplätze zu wechseln. Leider haben wir nach dem jetzigen Stand unserer Überlegungen für 18 Mitarbeiter in Lübeck und 19 Mitarbeiter in Rostock noch keine Perspektive. Wir wollen dies, wie auch unsere Konzeptideen, in den nächsten Wochen intern mit den Betroffenen persönlich und den Arbeitnehmervertretungen besprechen und hoffen hier auf einen konstruktiven Dialog, um gemeinsam sozialverträgliche Lösungen erarbeiten zu können.“

Der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall forderte die Geschäftsleitung von Madsack auf, die Kahlschlagpläne sofort ad acta zu legen. Es sei perfide, so der DJV-Vorsitzende, dass Madsack den Kahlschlag plane, während der SPD-Schatzmeister, der über die Medienholding ddvg an dem Konzern beteiligt sei, ein Plädoyer für Investitionen in Qualitätsjournalismus halte. Der Gewerkschaftschef: „Dieser Zickzackkurs ist nicht nachvollziehbar.“

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