Partner von:
Anzeige

Terror in Istanbul und Nizza, Amoklauf in München: Presserat rügt BamS und Bild.de

presserat_01.jpg

Sitzungen im Zeichen des Terrors: In den Beratungen des Presserates nahm diesmal die Berichterstattung über den Amoklauf in München und die Terroranschläge von Würzburg, Istanbul und Nizza eine zentrale Rolle ein. Insgesamt sprachen die Medienwächter drei Rügen aus. Zwei gegen Bild.de und eine gegen die Bild am Sonntag.

Anzeige
Anzeige

Insgesamt lagen den Berlinern fünf Beschwerden über die Berichterstattung zum Amoklauf von München vor. Gegen die Bild am Sonntag und Bild.de sprach der Presserat dabei jeweils eine Rüge aus. Sowohl die Zeitung, wie auch das Online-Portal hatten Fotos der Opfer gezeigt. Der Ausschuss kritisierte, dass beide Veröffentlichungen Fotos zeigten, die ohne Einwilligung der Hinterbliebenen veröffentlicht worden sein sollen. „Nicht alles, was in sozialen Netzwerken verfügbar ist, darf auch ohne Einschränkung veröffentlicht werden. Die eigene Darstellung, z. B. in einem Facebook-Profil, bedeutet nicht zwingend eine Medienöffentlichkeit“, sagte die Vorsitzende des Ausschusses 2, Katrin Saft.

Als zulässig bewertete der Ausschuss dagegen die Darstellung des Täters mit Name und Foto. Nach einer solchen Tat, sei das öffentliche Interesse am Täter höher zu bewerten als der Schutz der Persönlichkeit. Deshalb sagen die Medienwächter ganz klar: Die Darstellung war presseethisch akzeptabel.

Auch mit der Berichterstattung über die anderen Terroranschläge der vergangenen Monate, mussten sich die Berliner befassen. Die meisten Beschwerden gab es zu den identifizierenden Angaben zum Täter einer Messerattacke in einem Regionalzug in Würzburg. Die Darstellung mit Name und Foto hielt der Ausschuss aufgrund des großen öffentlichen Interesses an der Tat und den damit verbundenen politischen Zusammenhängen für zulässig.

Nichts auszusetzen hatten die Berliner an den Fotos und Videos, die zu der LKW-Attacke auf der Promenade von Nizza veröffentlicht wurden.

Anzeige

Ebenfalls zulässig hielt der Presserat Fotos aus dem Flughafengebäude in Istanbul, welche die „dramatische Gesamtszenerie“ nach dem dortigen Terroranschlag zeigten. „Diese Bilder dokumentieren die schreckliche Realität dessen, was sich ereignet hat, überschreiten jedoch nicht die Grenze zur Sensationsberichterstattung“, urteilte der Ausschuss. Missbilligt wurde jedoch die Online-Ausgabe einer Zeitung, weil sie zwei Aufnahmen zeigte, auf denen verletzte Kinder identifizierbar und in Nahaufnahme zu sehen waren. Diese Fotos missachten den Opferschutz. Bei Missbilligungen nennen die Berliner jedoch nicht die Namen des Mediums. So ist nicht bekannt, um welche Online-Ausgabe einer Zeitung es sich handelt.

Eine weitere öffentliche Rüge sprach der Presserat gegen Bild.de aus, weil das Boulevard-Portal ein Video einer Messer-Attacke in einem Dortmunder Kaufhaus veröffentlicht hatte. Der Beitrag soll den Handymitschnitt eines Passanten gezeigt haben, auf dem das Opfer zu sehen war, wie es mit einem Messer im Rücken blutend auf dem Boden lag. „Diese Passage wurde sogar mehrfach wiederholt. Im Hintergrund sind die Schreie einer Frau zu hören. Die Berichterstattung hält der Beschwerdeausschuss für eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt’“, erklärt der Beschwerdeausschuss.

Insgesamt sprach der Presserat drei öffentliche Rügen und 12 Missbilligungen aus.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Artikelzitat:
    »Als zulässig bewertete der Ausschuss (Anmerkung: Beschwerdeausschuss – Presserat) dagegen die Darstellung des Täters mit Name und Foto.«

    Eindrucksvoll betätigt sich der Presserat erneut als “zahnloser Tiger”, der den medialen Glaubwürdigkeitsverlust beschleunigt.

    Die Sicht- und Handlungsweisen zeigen, dass diese Selbstverpflichtung zur Kritik eines Lobbyverbandes nichts taugt und weiter ins Abseits führt.
    Es fehlt ein Bundespressegesetz, das die Regularien erfasst, der Selbstgefälligkeit Einhalt gebietet.

    Der Kodex, Ziffer 12, Richtlinie 12, keine Herkunftsbezeichnung zu nennen wurde dagegen aufrechterhalten: Aus Fehlern wird nicht gelernt.

  2. Das blutüberströmte Kind im Krankenwagen in Syrien, der an die Küste angespülte tote Junge, die omnipräsenten Kinderaugen in den Flüchtlingslagern dieser Welt… sicherlich alle mit der Einwilligung der toten Erziehungsberechtigten veröffentlicht.
    Opferschutz aber nur dann, wenn die politische Marschrichtung stimmt.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Meedia

Meedia