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“Wenig hilfreich” – ARD und ZDF weisen Kritik an Griechenland-Berichterstattung zurück

ARD-Chefredakteur Rainald Becker (r.) findet die Kritik von Kim Otto an der Griechenland-Berichterstattung “wenig hilfreich”
ARD-Chefredakteur Rainald Becker (r.) findet die Kritik von Kim Otto an der Griechenland-Berichterstattung "wenig hilfreich"

Die Otto Brenner Stiftung hat in einer Studie scharfe Kritik an der Berichterstattung von ARD und ZDF zur Griechenland-Krise geübt. Der Wissenschaftler Kim Otto bescheinigte den öffentlichen Sendern Qualitätsmängel, Einseitigkeit und Oberflächlichkeit." ARD und ZDF zeigen sich für eine Diskussion offen, weisen die konkrete Kritik aber zurück.

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„Das Erste hat über die griechische Finanzkrise sehr ausführlich, analytisch und journalistisch ausgewogen berichtet. Es kam über Monate eine Vielzahl unterschiedlicher, auch internationaler Finanz-Experten zu Wort. Auch über die Positionen aller relevanten Entscheidungsträger aus der Politik wurde umfänglich berichtet. Die Diskussion auf EU-Ebene wie auch im deutschen und griechischen Parlament wurde, wann immer journalistisch geboten, in ihren Schwerpunkten abgebildet”, sagt ARD-Chefredakteur Rainald Becker in einer Reaktion auf die Otto-Brenner-Studie.

Als problematisch an der Studie bezeichnet Becker ihre Methodik und Systematik, die zu einem “verzerrenden Urteil” führe. “Was ist Neutralität? Was analytische Qualität? Was Ausgewogenheit? Die Studie definiert diese Begriffe meist rein quantitativ und nicht nach journalistisch relevanten Maßstäben”, so Becker. Für diesen Kritikpunkt gibt der ARD-Chefredakteur auch ein Beispiel:

Bereits als Wertungen aufgefasst werden in der Studie Adjektive, Substantive oder Verben, die ‚andere Akteure beschreiben‘, wobei ‚die Ausrichtung der Wertung für die Frage nach der Neutralität unerheblich‘ ist. Ist der Anteil solcher Wörter in einem untersuchten Bericht ‚größer als null‘, so wurde laut der Studie ‚das Gebot der Neutralität verletzt‘. Die Analyse der Stiftung entlang solcher Definitionen ergibt dann, dass die ARD nicht neutral berichtet hätte. Das Zählen von Adjektiven ohne Kontext erlaubt aus journalistischer Sicht aber überhaupt keine Aussage über die Qualität eines Berichtes.

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Somit sei die Methodik der Studie ist “insgesamt leider pauschalierend, nicht sachgerecht und wenig hilfreich”. In den AUgen der ARD ist sie nicht geeignet, “die Berichterstattung des Ersten zur griechischen Finanzkrise angemessen zu beurteilen.”

Auch beim ZDF äußerte man sich gegenüber MEEDIA zu der Brenner-Studie. “Wir nehmen die Studie interessiert zur Kenntnis, zeigt sie doch auch, wie intensiv wir über die Schuldenkrise berichtet haben und wie viele verschiedene Stimmen dabei zu Wort kamen”, so ZDF-Sprecher Thomas Hagedorn. Aber auch kritisierte die Methodik der Studie, die man an vielen Stellen nicht nachvollziehen könne: “So werden Sendungen mit unterschiedlichen Aufgaben – Nachrichten und Sondersendungen – in einen Topf geworfen und Nachrichtenmagazine wie das ‘heute-journal’ trotz ihrer wichtigen Rolle ausgeklammert. Auch weitere relevante ZDF-Formate in dieser Frage, wie etwa die werktägliche Sendung ‘heute – in Europa’ oder das ‘auslandsjournal’, wurden nicht untersucht.”

Damit könne die Studie kein repräsentatives Bild der ZDF-Berichterstattung zur Schuldenkrise in Krisenland zeigen, so der ZDF-Sprecher. Hagedorn: weiter: “Es ist Aufgabe des ZDF als deutscher Sender für ein deutsches Publikum gerade auch die hiesige Debatte über die griechische Schuldenkrise zu spiegeln. Eine Unausgewogenheit lässt sich daraus nicht ableiten. Zudem wird z.B. an keiner Stelle berücksichtigt, inwieweit Äußerungen oder Positionen der griechischen Regierung an den jeweiligen Tagen verfügbar waren oder nicht. Alles in allem können wir die Schlussfolgerung der Otto-Brenner-Stiftung deshalb ohne nähere Erläuterungen nicht teilen, beteiligen uns aber sehr gern an der kritischen Diskussion.“

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Alle Kommentare

  1. Das ist ja wohl das weniger einschlägige Thema, wenn es um mangelhafte objektive Berichterstattung bei den Öffentlichen geht.
    Aber so erklärt sich auch der Vorstoß von den befreundeten Genossen.
    Man will sich etwas reinwaschen.

  2. Die Griechenlandberichterstattung war exzessiv regierungsdeckend. Man brauchte schon literweise Schaum vor dem Mund ob des “faulen Griechen”, um das nicht zu bemerken.

    Daß die Otto-Brenner-Stiftung a) erst jetzt und b) nicht auch über – äh – akutelle Themen die Neutralität der ÖR prüft, zeigt wiederum Befangenheit auch dieser Stiftung.

    Daß die Bonzen des ÖR ihr Recht auf Verteidigung (Notlügen) wahrnehmen, ist ebenso menschlich wie erbärmlich. Ich gebrauche das Wortpärchen gewohnheitsmäßig synonym.

    Ich schnappte aus einem Interview mit Prof. Albrecht Goeschel das schöne ironische Wort von der “Wahrheitspresse” auf. Exzellent!

  3. Prof. Otto’s Studie ist schiere Erbsenzählerei, denn die Tendenz von Berichten kann man nicht wissenschaftlich mit dem Abzählen von Schlagwörtern, Sendesekunden und ähnlicher Statistik-Zauberei bewerten. Außerdem kann man ja nicht die Einflüsse der politischen Gesamtsituation, das mediale Konkurrenz-Umfeld und erst recht nicht auch das idiotische Gebahren von Ex-Finanzminister Varoufakis in Zahlen erfassen.

    Es sei denn, der Otto-Brenner- und Panorama-Mitarbeiter Kim Otto hält den Finanz-Jongleur Varoufakis & Genossen für einen gleichwertigen, neutralen Player – und stellt sich und alle anderen politischen Akteure beim “wissenschaftlichen Auszählen” auf eine gleiche Unfehlbarkeits-Stufe.

    Dummerweise wird Ottos Wortklauberei auch noch von Rechtsradikalen für deren “Lügenpresse”-Kampagne mißbraucht. Lieber Kim Otto: So viel Quatsch haben “Otto-Brenner-Stiftung ” und “Panorama” nicht verdient. Außerdem: Seine armen Studenten!

  4. Die durch wahre Fluten von Protestnoten geharnischter Leser ebenso wie durch eine unglaubliche Menge medienwissenschaftlicher Fachbücher, die seit der unsäglichen und erschreckend kriegstreiberischen Anti-Russland-Berichterstattung wahre Bestsellerauflagen erlangt haben, selbst eine trocken empirisch arbeitende Dissertation wie Uwe Krügers “Meinungsmacht” (2014), bewiesene Neigung des ÖR zu einem hegemonialer Macht sich anbiederndem Kampagnenjournalismus kann wohl nur von Leuten abgestritten werden, die unter einem gefährlichen Zustand von Realitätsverweigerung leben.

    Im Falle Griechenlands bot vor allem ARD-Krause, der sich anmahnte, in einem Anfall von Hybris Griechenland rhetorisch aus dem Euro zu schmeißen, ein Beispiel für journalistische Hybris. Dieser steht ein beispielloser qualitativer Niedergang entgegen.

    Um eines klar zu machen: Bei weiter aufrechterhaltener Ignoranz des Unmuts einer Mehrheit der Bevölkerung droht sowohl einer von Hochmut verblendeten Presse wie auch der mit ihr im Kumpelton verschränkten Politikerklientel der völlige Verfall unserer Gesellschaft. Das, was Sie betreiben, ist nicht mehr tragbar. Und die Beweise sind so erdrückend, dass irgendwann auch niemand mehr weiter argumentieren wird, wenn dem ÖF der Stecker gezogen wird.

    Sie, werte Damen und Herren, erbringen eine öffentliche Leistung. Sie haben kein Recht, nach Ihrem privaten Gusto auf Kosten der sie zahlenden Bevölkerung, Agenda-Setting zu betreiben. Ihre ‘Meinungen’ zu zentralen Fragen interessieren niemand: Sie haben die Faktenlagen ohne Tendenz aufzubereiten, aufgrund derer sich die Bürger ihre eigenen Urteile bilden. Ihre Augabe ist: Recherche, Recherche, Recherche und die Kleidung ihrer Ergebnisse in sachliche, aber verständlich komponierte Texte. Sie werden von uns für die Vermittlung von Sachinformation bezahlt und nicht dafür, die Hohepriester hegemonialer Machtinstanzen zu spielen.

    Und wenn Sie sich daran nicht halten, was die Rundfunkverträge Ihnen vorschreiben, dann stampfen wir durch Verweigerung Ihrer Bezahlung Ihre Spielwiese halt ein.

    Und lassen Sie die nächste paternalistische Veranstaltung unter dem Etikett der “Glaubenskrise” einfach sein: Gescheite Menschen wollen nicht “glauben” (außerhalb eines Gottesdienstes), sondern sauber informiert werden. Ob wir es aber werden oder Sie sich weiter größenwahnsinnig aufspielen, ist ganz einfach handwerklich zu überprüfen.

    Und noch einmal: Über die Qualität der staatlichen Erziehungsanstalten entscheiden am Ende Schüler und Eltern, über die Qualität des Gesundheitsservice die Patienten. Ihr Souverän ist das Fernsehpublikum. Sie haben deren Wissensbedürfnisse zu dienen. Nicht umgekehrt.

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