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Richard Gutjahrs Snapchat-Comeback und seine Erfahrungen mit Verschwörungstheoretikern nach dem Terror

Richard Gutjahr als Reporter bei dem Anschlag von Nizza

Richard Gutjahr ist zurück auf Snapchat. Der Journalist und Social Media-Experte hatte sich nach dem Terroranschlag von Nizza und dem Amoklauf von München, bei denen er jeweils vor Ort war, eine Social-Media-Pause auferlegt. Jetzt spricht er in der SZ und im Medium Magazin über seine Erfahrungen u.a. auch mit Verschwörungstheoretikern.

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Gutjahr war zufällig vor Ort in Nizza, als der Lkw am 14 Juli in die Menschenmenge raste, die den französischen Nationalfeiertag feierte. Gutjahr lebte mit seiner Frau und seiner Tochter in Nizza. Seine Frau ist Israelin und die Familie wollte, wie er nun im Medium Magazin erzählt, sich dort eigentlich vom Terror im Nahen Osten erholen.

Er filmte den Lkw während er Fahrt aufnahm, die Bilder stellt er anschließend der ARD und anderen Medien kostenlos zur Verfügung.

Eine Woche später war Gutjahr erneut zufällig vor Ort als Schreckliches geschah. Diesmal in München, wo er für den Bayerischen Rundfunk arbeitet. Während des Amoklaufs befand er sich in der Nähe des Olympia Einkaufszentrums und twitterte Fotos vom Polizeieinsatz, die er später löschte. Wie er nun im Interview sagt, sei es zu dem Zeitpunkt, da er die Bilder verbreitete noch nicht klar gewesen, dass der Einsatz noch läuft und die Polizei habe erst später darum gebeten, keine Bilder zu verbreiten.

Später gestand er via Twitter ein, Fehler gemacht zu haben und er entfernte seine Tweets zu dem Amoklauf. Für einige Zeitgenossen waren diese beiden Vorfälle zuviel des Zufalls. Schnell wurde im Netz ausgegraben, dass Gutjahrs Frau Israelin ist und während ihrer Militärzeit beim Geheimdienst tätig war. Daraus wurde konstruiert Gutjahr selbst sei Agent des Mossad oder aber er werde mindestens von seiner Frau „geführt“. Die Anschläge seien vom israelischen Geheimdienst orchestriert worden usw. Der übliche Unfug, der sich auf einschlägigen Seiten im Netz und vor allem auch bei YouTube findet. Mit den üblichen Standbildern und Zeitstempeln und nachträglich eingefügten Pfeilen und kringeln, die beweisen sollen,  dass da jemand etwas vorher gewusst haben muss und alles nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann.

Gutjahr fühlte sich von den Verdächtigungen und Anfeindungen massiv bedrängt, so dass er sich – ungewöhnlich für den sonst omnipräsenten Journalisten – zurückzog. Weil er massive Drohungen erhielt, versuchte er mit Hilfe von Anzeigen dagegen vorzugehen. Bei der Polizei fühlte er sich ernst genommen, bei YouTube nicht so sehr. „Ich glaube nicht, dass man da nicht noch mehr machen könnte“, sagte er der SZ. Bei Urheberrechtsverletzungen von Musiklabels reagiere YouTube sehr viel entschiedener als wenn es um üble Nachrede und Verleumdung geht.

Nun hat Gutjahr sein Schweigen gebrochen und ist auch wieder bei Snapchat aktiv geworden. Er veröffentlicht Archivaufnahmen aus Nizza von den Feierlichkeiten vor dem Terroranschlag. Auf schwarzen Untergrund heißt es: „Dann kam der Lkw.“ Es gibt noch einmal eine kurze Zusammenfassung der beiden Ereignisse aus seiner Sicht, ohne dass er das berühmte Lkw-Video noch einmal zeigt und schließlich seine Einschätzung, dass es sich um einen „Scheiß-Sommer“ gehandelt habe. Was folgt sind Eindrücke von einer Dienstreisen zum Hauptstadtstudio der ARD nach Berlin.

Die Botschaft soll wohl lauten: Gutjahr ist zurück in der Normalität, zurück im Alltag, Gutjahr macht weiter. Was bleibt einem auch sonst übrig?

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