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Die unterschiedliche Rolle von RTL und G+J in der Bertelsmann-Bilanz

Bertelsmann-CEO Thomas Rabe
Bertelsmann-CEO Thomas Rabe

Bertelsmann präsentiert sich im Jahr 2016 in außerordentlich guter Verfassung. CEO Thomas Rabe hat den Konzern soweit möglich strategisch zukunftssicher aufgestellt. Der Lohn ist ein neuerlicher Rekordgewinn im ersten Halbjahr 2016. Aus deutscher Sicht spannend ist natürlich, wie sich RTL und Gruner + Jahr künftig entwickeln.

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Die beiden Unternehmenssparten spielen eine durchaus unterschiedliche Rolle im Bertelsmann-Konzern. Die RTL Group – und hier vor allem die Mediengruppe RTL Deutschland – ist nach wie vor Umsatz- und Gewinnbringer Nummer eins für die Gütersloher. Man muss sich das bei der aktuellen Halbjahres-Bilanz noch einmal vor Augen führen: Von 1,111 Mrd. Euro operativem Gewinn steuert die RTL Group alleine mit 676 Mio. Euro über die Hälfte bei. Dabei ist die RTL Group nur eine von acht Geschäftssäulen.

RTL ist ohne Zweifel exzellent gemanagt und investiert auch in zukunftsträchtiges Digital-Geschäft. Allerdings sorgt das angestammte Geschäft mit der TV-Werbung nach wie vor für den Löwenanteil der Umsätze und Gewinne. TV-Werbung wurde bisher von der Digitalisierung noch nicht ansatzweise so gerupft, wie Print-Werbung. Hier liegt natürlich immer eine gewisse Angst, dass dies noch kommen kann, vor allem wenn digitale Riesen wie Facebook teure Image-Kampagnen auf sich ziehen. Bislang ist das TV-Werbegeschäft aber noch kerngesund und im Gegensatz zu manchem Print-Verlag, ist die TV-Branche frühzeitig dabei, sich zukunftsfit zu machen.

Bei Gruner + Jahr hat man die Digitalisierung lange verschlafen und müht sich nun seit Jahren, verlorene Zeit aufzuholen. Ob die Einkäufe von eher kleinen E-Shops und anderen Beteiligungen irgendwann große Umsätze liefern, wer kann das sagen? Größere Hoffnungen dürften auf dem boomenden Geschäft mit Content Marketing ruhen. Hier hat die Mutter Bertelsmann G+J kräftig unter die Arme gegriffen, indem die Medienfabrik Gütersloh bei den G+J Corporate Editors eingebracht wurde, woraus mit Territory die größte Content Marketing Agentur des Landes gebildet wurde. Nun liegt es an den Gruner-Leuten, etwas daraus zu machen. Das Kerngeschäft mit Print-Werbung ist deutlich schwieriger als das mit TV-Werbung und dürfte perspektivisch weiter leicht rückläufig sein. Auch die Auflagen schmelzen weiter ab, eine Medienmarke wie der stern glänzt heute nicht mehr so hell wie früher. Das liegt auch daran, dass gerade beim stern eine echte Digital-Offensive gleich mehrfach verpasst wurde. Aber G+J passt als Zeitschriftenhaus zum Gesamtportfolio von Bertelsmann. Der Konzern kann auch mit einem geschrumpften G+J gut leben, so lange die Margen stimmen. Verkaufsspekulationen, wie sie vor einigen Jahren immer mal wieder kursierten, haben heute keine Grundlage mehr.

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Was in der Bertelsmann-Bilanz noch erstaunt, ist der fitte Zustand von Arvato. Die Servicesparte präsentiert sich kerngesund und als wesentlicher Umsatz- und Gewinnbringer. Thomas Rabe wird froh seine, eine solche Säule im Portfolio haben, die keinen digitalen Verwerfungen ausgesetzt ist. Die Delle bei Penguin Random House in der Halbjahresbilanz dürfte nur vorübergehend sein. Das Geschäft des weltgrößten Buchverlags wird vor allem in Dollar und Pfund abgewickelt und ist daher starken Wechselkurseinflüssen ausgesetzt. Außerdem ist das Buchgeschäft extrem vom Erfolg einzelner Titel abhängig und den kann man sich nicht backen. In der Vor-Bilanz war noch der Verkaufserfolg der Sadomaso-Schmonzetten-Fortsetzung „Grey“ mit drin. Aber auch das Buchgeschäft ist von digitalen Verwerfungen weitgehend unbeeindruckt und zieht stabil seine Kreise. Renommierte Autoren im Haus zu haben, ist außerdem gut für Renommee und Ego.

Ähnliches gilt für die Musiksparte BMG, wo man sich auch gerne mit neu an Bord geholten Künstlern schmückt, aktuell Pink Floyd Mitgründer Roger Waters. Und das Musik-Business hat seine digitale Disruption, anders als TV und Print, weitgehend hinter sich. Das beruhigt die Nerven. Die andere große Wachstumshoffnung ist das Bildungsgeschäft, ein besonderes Baby von CEO Thomas Rabe. Hier wird noch viel investiert und man müht sich. Die Früchte sind offensichtlich noch nicht reif, um zu ernten. Der von -3 auf -13 Mio. Euro gestiegene Verlust lässt sich natürlich mit Der Aufbau- und Investitionsphase erklären. Irgendwann muss die Bildungssparte aber zeigen, dass sie Gewinne abwirft und nicht als ewiger Hoffnungsträger endet. Strategisch ergibt die Investition absolut Sinn, denn das Bildungsgeschäft ist nicht wie klassische Medien von schwankenden Werbemärkten abhängig. Und so wie Bertelsmann es betreibt, nämlich in erster Linie digital als E-Learning, sogar sehr gut skalierbar.

Die große Frage für Bertelsmann ist, ob und wann die digitale Disruption die TV-Werbung erreicht und ob die Wachstumsfelder bis dahin stark genug sind, dies aufzufangen. Gut aufgestellt ist der Konzern hierfür.

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