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Schrägschönes Live-Comeback von „Circus HalliGalli“: der konstruierte Knalleffekt

Zurück aus der Sommerpause – und mächtig on fire: Klaas Heufer-Umlauf (l.) und Joko Winterscheidt melden sich mit "Circus HalliGalli" zurück.

Die beiden hatten Bock! Besser lässt sich die Rückkehr von Joko & Klaas aus der Sommerpause wohl nicht auf den Punkt bringen: Schrägschöne Gags, treffsicher präsentiert von den selten so ungenierten HalliGalli-Hallodris und ein ganz besonderer Werbeblock haben das Live-Comeback von „Circus Halligalli“ bei ProSieben zu einer Show-Sause gemacht. Nur dieses „Live“ wollte nicht so recht zünden.

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Elf Wochen. Die Fernsehwelt musste eigentlich recht lange ohne „Circus HalliGalli“ auskommen. Umso mehr scheint nach der Sommerpause in der Manege des Wahnsinns alles auf links gedreht: Ein aufpolierter Einspieler im futuristischen „Great Gatsby“-Look, ein bärtiger Klaas Heufer-Umlauf mit ebenso mondäner Mähne und Joko Winterscheidt, dessen (vor-)freudiges Smileyface nun eine neue Brille schmückt. Oder kurz gesagt: „Die Wissensoffensive ist abgeblasen, meine Damen und Herren!“

Denn dem provisorische Ersatzprogramm zwischen „Galileo“-Konserven und anderen – sagen wir – Kultur-Magazinen wurde beim Live-Comeback von „Circus HalliGalli“ wahrlich eine querköpfige Unterhaltungs-Show entgegengesetzt. Warum live? Kann sich das Duo Infernale von ProSieben auch nicht erklären. Jedenfalls hängt über Joko und seinem Stammplatz ein „Zwei-Tonnen-Gewicht“, das als Spannungselement so ein bisschen die Dynamik nach vorne bringen soll. „Vielleicht geht die neue Brille kaputt“, schmunzelt Klaas in seinen Bart. Ein kleiner, wenn auch unnötiger Gag – der sich irgendwo zwischen konstruiert und saukomisch bewegt. Und damit das „Circus HalliGalli“-Comeback bestens zusammenfasst.

Aber erst einmal zu den wirklich wichtigen Dingen: Joko hat seine Sommerpause auf Ibiza verbracht. Große Feierei? Nee, natürlich nicht – bis Klaas das Gegenteil mit einem Einspieler „entlarvt“. Zu sehen: Ein paar Kleinkinder in einer Mini-Strandbar, herrlich verstrahlt und etwas wackelig auf den kurzen Beinen. Und Klein-Joko – stilecht mit Nerdbrille und Flanell – bewegt sich so schwungvoll in der Kulisse, als hätte er doch einen im Tee. Wahnsinn scheint immer noch der schönste Sinn zu sein. Wie im „dicken Kinotrailer“, den Joko & Klaas in einem anderen Einspieler für ihr großes Comeback ins blaue Gedacht haben – mit Darstellern wie Jason Segel („der Typ aus ‚How I Met Your Mother'“), Andreas Bourani („der, mit dem man nicht rechnet“) und Steffi („die Tante von Silbermond“) – um am Ende des Einspielers mit zahllosen Gaststars festzustellen: ist irgendwie doch mega-scheiße.

Trotz des Komik-Kickstarts: Eine Live-Sendung hätte das „Circus HalliGalli“-Comeback nicht sein müssen. Wie ein Foto, das Joko „einfach mal so“ von Klaas gemacht hat (weil: wie verlottert sieht der denn aus?), schmerzlich vor Augen geführt hat. Urplötzlich tauscht Joko das Smartphone mit einer Tafel aus – die Klaas so zeigen soll, wie er sich selbst, wie ihn die Zuschauer und wie ihn der Rest der Welt wirklich sieht. Vielleicht ganz lustig, wenn man die „Tonight Show“ mit Jimmy Fallon nicht kennt. Lange Rede, gar kein Sinn: Das Foto von Klaas landet auf Facebook – bei 50.000 Likes soll der Bart ab. Ganz davon abgesehen, dass Second Screen besser geht – so füllen normalerweise Youtuber ihre Sendungen.

Gegen Ende der Sendung, kurz bevor die Beginner ihr musikalisches Comeback feiern, ruft Klaas noch einmal seine Mama an – noch einmal als demonstrativer Beweis, dass es sich wirklich um eine Live-Show handelt. Die hat aber gerade „so einen Film im Zweiten“ geguckt und zappt nur mal kurz beim Sohnemann rein. Keine Frage: Sie hat einiges verpasst – das zeigen nicht nur die grandiosen Quoten. Und doch hat sie den richtigen Riecher bewiesen: Live muss man sich „Circus HalliGalli“ nicht ansehen.

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