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Tim Cook im Fast Company-Interview : “Apple soll es für immer geben”

Apple-Chef Tim Cook
Apple-Chef Tim Cook

Selbstbewusste Töne in herausfordernden Zeiten: Unmittelbar vor seinem fünften Jahrestag als Apple-Chef hat Tim Cook dem US-Wirtschaftsmagazin Fast Company Interview-Zugang gewährt. Die Auswahl des Mediums überrascht nicht: Reporter Rick Tetzeli hatte im vergangenen Jahr in seiner Biografie "Becoming Steve Jobs" sehr wohlwollend über Apples Entwicklung berichtet.

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Kurz vor dem fünften Jahrestag als Apple-Chef sprechen die Fakten gegen Tim Cook. Um zuletzt 23 Prozent brachen die Absätze des Kassenschlagers iPhone ein, der Nettogewinn gab gar um 27 Prozent nach – eine Geschäftserosion, die dem langjährigen Branchenprimus Apple noch zu Jahresbeginn keiner zugetraut hätte.

Auch wenn sich die Apple-Aktie zuletzt wieder auf Erholungskurs befindet, weil die Wall Street mit noch schwächeren Ergebnissen gerechnet hat, beäugen Analysten, Anleger und Branchenexperten die Arbeit von Steve Jobs’ Nachfolger kritischer als noch vor ein bis zwei Jahren, als dem Kultkonzern aus Cupertino mit dem iPhone 6 ein spektakulärer Siegeszug gelang.

Krisenjahr 2016: Es läuft nicht rund im Apple-Imperium

Es könnte der letzte große Upgrade-Zyklus gewesen sein, lautet der eine Dauer-Vorwurf. Apple hat immer noch keine neuen Produkte, die den Verkaufserfolg des iPhones auch nur ansatzweise wiederholen können, lautet der andere.

Dann sind da noch die Nebengeräusche, die immer öfter mittelmäßige Produktlaunches bemängeln: Die Apple Watch ist ihren Erwartungen als erstes neues Produkt der Tim Cook-Ära bislang nicht annähernd gerecht geworden. Apple Music hat selbst Hardcore-Fans verstört. Das neue Apple TV bleibt ein Nischenprodukt. Das Bezahlsystem Apple Pay erfährt nur eine sehr zähe Verbreitung.

Kurzum: Nach einem halben Jahrzehnt unter der Ägide von Tim Cook läuft es nicht so richtig rund im Apple-Imperium. Höchste Zeit also wieder, um den sorgsam behüteten Narrativ zu schärfen, höchste Zeit für ein Feelgood-Interview, bei dem Apples PR-Strategen natürlich nichts dem Zufall überlassen haben.

Tim Cook in Fast Company: “Ich kenne ja die ganze Wahrheit”

Rick Tetzeli von Fast Company hat Apples großes Sommerinterview bekommen, mit dem der Ton vor dem iPhone-Launch in einem Monat gesetzt werden soll.  Derselbe Tetzeli, der vor eineinhalb Jahren Steve Jobs’ Vermächtnis in seiner Biografie “Becoming Steve Jobs” mit exklusivem Zugang zu Apples Führungszirkel umerzählte, nachdem Walter Isaacson dem Apple-Gründer “einen enormen Schaden” zugefügt habe, wie Apple-Chef Tim Cook befand.

“Playing the Long Game inside Tim Cook’s Apple”, lautet der Titel der 10-Seiten-Story, zu deutsch etwa: “Die langfristige Strategie von Apple unter Tim Cook”. Die Haltung ist seit Jahren dieselbe: Was, wir sollen uns Sorgen machen? “Ich lese nicht die ganze Berichterstattung über Apple”, bügelt Cook das überwiegend negative Echo des Krisenjahres 2016 ab, “ich kenne ja die ganze Wahrheit.”

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“Wir haben nie gesagt, dass wir perfekt sind”

Die ganze Wahrheit lässt sich schnell im PR-Mantra der vergangenen Jahre ergründen. Es geht so: “Wir wollen nicht das Meiste produzieren, sondern das Beste / Wir wollen das Leben der Menschen bereichern / Wir wollen etwas hinterlassen / Apple soll noch in 1.000 Jahren da sein.”

In Fast Company steigert Cook den Anspruch zur Unsterblichkeit: “Ich möchte, dass Apple für immer existiert.” Gleichzeitig gesteht der Apple-Chef wenig überraschend ein: “Wir haben nie gesagt, dass wir perfekt sind.” “Wir haben gesagt, dass wir es anstreben, aber manchmal misslingt es uns”, erklärt der Apple-Chef mit Blick auf die bislang größte Blamage seiner Amtszeit, das Debakel des 2012 gelaunchten Kartendienstes Apple Maps.

Apple Maps-Fiasko als Wendepunkt

Apples Content- und Internet-Chef Eddy Cue, der die Leitung des Kartendienstes vom gefeuerten iOS-Chef Scott Forstall 2012 übernommen hat, sieht das Maps-Fiasko als Wendepunkt in Apples Entwicklung. “Wir haben uns dafür geschämt. Wir haben das Produkt in seiner Komplexität total unterschätzt. (…) Wir haben deswegen große Veränderungen in unserem gesamten Entwicklungsprozess gemacht”, so Cue.

“Mehre tausend Leute” würden nun am Kartendienst arbeiten, dem für  Apples Zukunft eine zentrale Bedeutung zukommt und künftig mit mehr künstlicher Intelligenz (AI) ausgestattet sein dürfte – vor allem in Hinblick auf das erwartete Apple-Auto, das möglicherweise eines Tages selbstfahrend sein könnte.

Apple könnte langfristig den Gesundheitsmarkt revolutionieren

Tim Cook gibt Tezeli unterdessen einen Ratschlag mit auf den Weg: Den Gesundheitsmarkt, den es als möglicherweise nächste oder übernächste Industrie zu revolutionieren gilt, nicht zu unterschätzen. Bei dem Tempo, mit dem Apple inzwischen neue Produktkategorien auf den Markt bringt (zwischen iPad und Apple Wach vergingen mehr als fünf Jahre), scheint das jedoch noch ein ferneres Zukunftsfeld zu sein, als das mutmaßliche iCar, das kaum vor 2021 erwartet wird.

Zurück in die Gegenwart holt Eddy Cue Apple-Fans mit dem aufschlussreichsten Satz der langen Reportage: “Eine Sache, die man lernt, wenn man lang genug in der Techbranche arbeitet, lautet: Du bist immer nur so gut wie Dein letztes Produkt.” Ob Apple mit dem mutmaßlich wenig innovativen neuen iPhone und der Apple Watch 2  nun aber neue Begeisterungsstürme entfachen kann, wurde zuletzt immer öfter bezweifelt…

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Alle Kommentare

  1. ” Rick Tetzeli von Fast Company hat Apples großes Sommerinterview bekommen “.
    Wird 2016 das Jahr der AbwahlKandidaten-Sommer-Interviews ? Armut wählt Protest. Die Sommer-Interview-Partner von diesem Jahr sind in zwei Jahren vielleicht vergessen und kriegen leider große Pensionen :-(((
    “Was wurde aus …” am Ende vom Spiegel(?) kennt man ja…

    Die IWatch2 ist vermutlich ausgereift. Vielleicht wird sie deshalb dann scharenweise gekauft. Das 3gs-iphone kam vor dem Ipad-1, wurde aber auch iOS-6 hochgepusht während das stärkere Ipad-1 auf ich glaube iOS-4 zurückgelassen wurde. Man berichtet ja auch von der Premiere und nicht von der Test-Vorstellung eines Theater-Stückes. Ausgereift=Besser.
    Hier schrieb mal jemand ein Zitat von ich glaube NZZ das Apple der größte Uhren-Produzent (Umsatz vermute ich mal, Stückzahl wohl nicht so sehr) wäre. Das könnte man mal überprüfen. Jim Cramer bei CNBC ist mit seiner iWatch zufrieden. Randbedienung wäre nett. Dicke fettige Wurstfinger stören eher. Auch Armbänder mit Akku (Wichtig wie Wasser in der Wüste) und auch E-Ink (Wer hat angerufen oder wie viele Anrufe von Familie/Kollegen/Chef/…) usw. wären sinnig.

    Die anderen Produkte sind schwach. Verlötete RAM-Chips – in dicken Geräten – sollte man verbieten. Aufrüstbarkeit sollten gute Finanzminister als Grundrecht für steuerlich absetzbare dicke Geräte einführen. Das man diese ganz flachen M$-Surface, iphone, air-book, intel ultra-book, ipad nicht oder nicht gut aufrüsten kann ist klar. Wohl jedoch alle anderen Geräte also z.b. auch das ipad-pro oder iMac oder Mini-Mac oder MacBook-Pro. Bei jedem Auto sind die Kofferraum-Liter bekannt. Bei Apple passen vermutlich nur zwei Norm-Einkaufs-Boxen rein oder halt zwei Kisten Cola… “Na super” für nen SUV oder Kombi (MacBook, MiniMac, iMac,…) auch wenns hingegen für einen Sportwagen (AirBook, iPad, iPhone) natürlich vermutlich ganz gut wäre. Kombis werden nicht grundlos verkauft. VW-Busse laufen in USA wohl (laut CNBC) für $100.000 weil sie innen groß sind und man an der Straße darin wohnen kann.

    ipad-pro könnte Wintel überall ersetzen. Diese Chance wird verpasst.
    ARM wurde nicht aufgekauft. Vielleicht wird es von Softbank dann (zugunsten Wintel 🙁 ) stagnieren gelassen wie fast alle Tech-Übernahmen nach der Übernahme kaum noch weiter-entwickelt wurden und andere Firmen die Disruption fortsetzen mussten: icq durch Skype, Skype durch Whatsapp. Ebay, Paypal, Android-Google durch Cyanomodgen…, MySQL durch MariaDB,… usw.

    Apple könnte auch mit Handy-Displays die Videobrillen etablieren und alle Monitore überflüssig machen. Die deutsche Presse hat 2006 (Sommermärchen, Fußball-WM, bezahlbare Flach-TVs) nicht vorhergesehen, das vielleicht 2-3 Jahre später gar keine Röhren-Monitore/Röhren-Fernseher mehr verkauft werden würden. Es wurde die frisch gebaute neue größte Europäische Röhren-TV-Fabrik ich glaube in Ungarn bejubelt. Der Durchmarsch der Flachmonitore/TVs haben das Investment vermutlich unprofitabel gemacht. Und neue Techniken wie 4k usw. kommen ja immer schneller !
    Dasselbe könnte trivial mit Videobrillen passieren welche dann die Monitore und großen Fernseher überflüssig machen. Von Sony gibts 4k-Handies. Die anderen 600-800 Euro-Handies haben wohl 2.5k. Alle Geräte im Wohnzimmer brauchen dann maximal 12 Volt (SAT-Receiver) oder sogar nur noch 5Volt USB und 3.6-Volt weil Akku.
    Ein ipod-Touch ist evtl. ein iPhone ohne MobilFunk-Chip. D.h. für 100-150 Euro Aufpreis gegenüber einem reinen Monitor/Videobrille bekäme man einen Videomonitor-“Smart-Monitor”-Brille von Apple wo man morgen noch Updates bekommt statt wie bei Android geringe Nutzbarkeiten von 6-12 Monaten einkalkulieren zu müssen.
    Da macht es gar keinen Sinn, die Konkurrenz zu kaufen oder die ungeliebte Schwiegermutter kriegt die Android-Videobrille und man selber kauft dann die von Apple.
    Mit simplen Aufwand und gern gezahltem Mehrpreis hätte man die Weltherrschaft aller Monitore(also Videobrillen) und kann das auch dauerhaft halten und alle Monitor-Fabriken aufkaufen, weil die vermeintlichen Android-Mehr-Features (10 Gigapixel usw.) angesichts der längeren Apple-Nutzbarkeit zurückstecken sobald man die nächste Android-Version nicht drauf updaten kann. Das ist als ob man keine Ersatzteile für ein Auto kriegt und horten muss wie damals Trabbi-Teile in der DDR.
    Da kann Apple locker besser sein für 100 Euros mehr und damit hat man den Fuß im Wohnzimmer.

    Leider jedoch benutzen die Boni-Manager ihre Produkte gar nicht selber, was man sofort merkt und somit den Nutzen Apples langsam kleiner werden lässt, was man an MacOS-Geräten halt deutlich merkt. Wenn man sowieso ein neues Phone alle 12-24 Monate kriegt, nimmt man halt Apple. Kein Promi oder Politiker/Boni-Manager-Geliebte wird gezwungen, Apple zu kaufen. Wieso machen das dann also praktisch alle ?

    Ihr macht hier doch immer scharenweise Photo-Klick-Strecken von diesen Promi/Medien-Events. Macht mal eine Strichliste mit der Phone-Art/Hersteller und erkennt die Realität (ich vermute 95% iOS/Apple und vielleicht nur Z-Promis mit Insolvenz-Verfahren haben Android). Man muss nur die Augen öffnen um die – offensichtliche – Wahrheit zu sehen.

    Die Markt-Sättigung betrifft die anderen Hersteller vermutlich sogar härter. Schaut mal bei Amazon Handies BESTSELLER welche vielen Handy-Sorten in Preisen von 100(A1 A2 A3 J1 2 J3 oder wie die sich nennen)-799(S7) Samsung in den Top20 hat.
    Die Mobilkonzerne weigern sich ja, z.b.
    6 Monate Verlängerung für eine IWatch
    18 Monate für ein iPad-Pro und wie üblich
    12 Monate Verlängerung für ein aktuelles Top-iPhone
    anzubieten weil sie wohl niemals von den 12-Monats-Verträgen runtergehen werden damit die Bilanzen nicht kleiner werden und die Bonis schrumpfen müsten und folglich immer ein $799-Handy haben müssen obwohl Apple vielleicht auch für $699 zufriedener wäre aber die Verträge $799-Handies und irgendwelche Features von Apple und Samsung erzwingen. Nur diese Laufzeit-Verträge bewirken das vermutlich während man bei allen anderen Endkunden-Produkten gerne billiger wird sobald man kann wie man an den Discounter-Aktions-Waren (Fitness-Tracker für 40 Euro, 10 Zoll Tabletts für 99 Euro) sieht.
    Sky/Premiere ist ja schlau und bietet schon kleinere modulare Pakete an. Das können die Mobilfunk-Anbieter halt wohl nicht.

    Von NVidia und Apple-Fire-TV-Box2 haben wohl beide 4k und sind ähnlich teuer die das Apple-4-TV mit nur FullHD. 2.5k-HDMI-Monitore kommen immer mehr in die Gänge und 4k-Fernseher sind auch bezahlbar. Das Apple4TV zeigt vielleicht am deutlichsten Apples ungünstige Kunden-Orientierung an.

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