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Ebeling und die Unister-Frage: ProSiebenSat.1 erwägt Übernahme – aber nicht um jeden Preis

ProSiebenSat.1-Konzernchef Thomas Ebeling, Unister-Insolvenz: strategisches Investment?
ProSiebenSat.1-Konzernchef Thomas Ebeling, Unister-Insolvenz: strategisches Investment?

Via Telefonkonferenz erklärte ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebling am Morgen die Bilanz für das zweite Quartal 2016 bzw. für das erste Halbjahr 2016. Bereits die erste Journalistenfrage zielte jedoch nicht auf das kräftige Konzernwachstum oder die traditionellen Werbe-Problemchen der Münchner in Sportjahren, sondern auf einen möglichen Kauf der Unister-Gruppe oder zumindest deren Reisesparte.

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Die Antwort des Vorstandsvorsitzenden war vorsichtig, doch alles andere als ablehnend. Es sei seine „Pflicht“, sich Unister genau anzusehen. Man „diskutiere“ die Möglichkeiten, die Vor- und Nachteile einer Übernahme. Dann folgte das obligatorische Aber, dass solche Aussagen immer beinhalten: Aber, man sei selbst im Reisesektor so gut aufgestellt, dass man nicht gezwungen sei, den insolventen Konkurrenten aus Leipzig zu übernehmen.

Übersetzt heißt das wohl: ProSiebenSat.1 liebäugelt mit einer Unister-Übernahme – aber der Preis muss stimmen.

Tatsächlich dürften die Münchner bereits heute sehr gut wissen, worauf sie sich bei Unister einlassen würden. Immerhin wird ihnen bereits seit Jahren ein Interesse an dem Mutter-Konzern von Reiseportal wie Fluege.de und Ab-in-den-Urlaub.de nachgesagt. Andererseits gelang es den P7S1-Reiseangeboten (weg.de, tropo.de) bislang noch nicht, aus der Insolvenz des Rivalen Kapital zu schlagen. Wenn es einen Effekt geben sollte, dass sich die bisherigen Unister-Kunden nach alternativen Online-Reisebüros umsehen, dürfte dieser aber auch erst im aktuellen Quartal zu sehen sein.

So oder so wird die Braut derweil für einen Verkauf aufgehübscht: Wohl nicht ohne Hintergedanken veröffentlichte der Insolvenzverwalter von Unister, Lucas F. Flöther, am Vorabend der ProSiebenSat.1-Bilanz eine Pressemitteilung, laut der sich das Geschäft der insolventen Reiseportale der Unister-Gruppe wieder erhole. „Die Buchungszahlen, die sich bereits Ende vergangener Woche stabilisiert hatten, steigen wieder an“, heißt es darin. „Die Trendwende bei den Buchungszahlen ist ein wichtiges Signal – vor allem auch in Richtung potenzieller Investoren“, sagte Flöther. Auch Google-Anzeigen würden wieder geschaltet.

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Als ein solcher hat Ebeling nun auch während der Präsentation der Bilanz-Zahlen ein klaren Signal gesendet.

Doch selbst ohne die Übernahme von Unsister dürften die München ihre nächsten strategischen Ziele erreichen. Ebeling und sein Team haben sich feste vorgenommen, bis Ende 2018 50 Prozent der Konzernumsätze außerhalb des TV-Geschäftes zu erzielen. Bereits zum Ende des zweiten Quartals lag dieser Wert bei 44 Prozent, nach 37 Prozent im Vorjahr.

Tatsächlich bietet der Digital-Bereich noch die besten Wachstumschancen. Denn die neuen Zahlen zeigen auch, dass in der TV-Werbung keine Mega-Zuwächse mehr zu erwarten sind. Wenn es den Münchnern in diesem Bereich gelingt, am Ende des Jahres ein Plus von zwei bis drei Prozent zu erwirtschafte, wäre der Boss schon zufrieden. Immerhin leidet seine Sendergruppe traditionell am stärkten unter großen Sportjahren. Ob Olympia oder die Fußball-Europameisterschaft: Diese Events finden überwiegend auf Konkurrenzsendern statt.

So gesehen ist es auch verständlich, wenn Ebeling in der Telefonkonferenz noch einmal sagte, dass im Bereich des Werbegeschäftes vieles in diesem Jahr auf das vierte Quartal ankomme. Doch die bisherigen Buchungen bestätigen die Prognosen. Gegen ein wenig mehr an Wachstumsdynamik, den eine Unister-Übernahme mit sich bringen könnte, hätten die Münchner aber sicherlich trotzdem nichts einzuwenden.

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