Partner von:
Anzeige

Forscher glaubt an Papageno-Effekt: Berichte über verhinderte Amokläufe beugen weiteren Taten vor

Mehr Berichte über verhinderte Amokläufe könnten zukünftige Bluttaten verhindern, glaubt die Universität Wien
Mehr Berichte über verhinderte Amokläufe könnten zukünftige Bluttaten verhindern, glaubt die Universität Wien

Die französische Zeitung Le Monde verzichtet auf den Abdruck von Attentäter-Fotos, um deren Handeln nicht zu glorifizieren. Regelmäßig nach Anschlägen wie in München oder auch bei Suiziden brechen Medien Ethik-Debatten los, ob überhaupt und wie über Tat und Täter berichtet werden soll. An der Universität Wien glaubt man nun: Berichterstattung könnte helfen, weiteren Amokläufen vorzubeugen.

Anzeige
Anzeige

Zumindest sei das möglich, wenn über verhinderte Amokläufe berichtet wird, meint der Wiener Sozialmediziner Thomas Niederkrotenthaler in der morgen erscheinenden Ausgabe der Wochenzeitung Die Zeit. Das Medizinische Institut der Universität Wien arbeite derzeit an Medienempfehlungen zur Berichterstattung über Amoktaten.

Auf dasselbe Institut ist bereits die Annahme zurückzuführen, dass Berichte über verhinderte Suizide die Anzahl der Selbstmordversuche senken könnten. Niederkrotentahler meint nun, dass dies auch bei potentiellen Amokläufern helfen könnte. Der Theorie zugrunde liegt der Gedanke, dass positive Ausstiegsgeschichten (also beispielsweise Geschichten über Menschen, die sich aus unterschiedlichen Gründen doch nicht das Leben nehmen, oder potentielle Attentäter, die sich noch anders entscheiden) präventiv wirken – dass dort also der so genannte Papageno-Effekt wirkt. Dieser geht auf die von Wolfgang Mozart geschriebene Oper “Die Zauberflöte” zurück, in der Freunde den Vogelfänger Papageno vom Suizid abhalten. Der Papgeno-Effekt setzt aber auch voraus, dass bei Berichterstattung über zurückliegende Vorfälle auch Verzicht auf detailreiche Beschreibungen der Tat oder genaue Umstände verzichtet wird, um Gewalt und ihren Tätern keine Bühne zu bieten.

Anzeige

Wie Niederkrotentahler meint, könnte bei der von ihm vorgeschlagenen Methode also der gegenteilige Werther-Effekt ausgeschlossen oder zumindest gemildert werden. Die Gefahr des Effekts wird bei Suizid-Berichterstattung immer wieder betont. Er geht auf den Goethe-Roman Die Leiden des jungen Werthers zurück. Als das Werk 1774 erschien, kam es zu einer Reihe von Imitationssuiziden.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Abschreckung wirkt.

    Deswegen ist auch wichtig, sie lebend zu fangen und alles genau herauszufinden. Beispielsweise wann und wo und was sie alles gemacht haben und wie man sie früher hätte aufdecken können. Hypnobefragung unterm Lügen-Detektor und detaillierte Psychogramme. Seine Verwandten unterstützen das sicher.

    Stattdessen macht man, was man wohl ständig in den US-Serien sieht und erschiesst sie. Würde man das mit dem Yeti, BigFoot, Nessie oder Säbelzahn-Tigern auch machen ?

  2. Es ist wahrscheinlich eher die Regierung, die ein Versagen in der Terrorabwehr und den Verlust der Kontrollfähigkeit kaschieren will.
    Die Menschen dürfte schon noch interessieren, wer und warum ihr Nachbar abgeschlachtet wurde.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Meedia

Meedia