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Titanic-Chef Wolff zum Erdogan-Penis-Cover: „Ich sehe auf dem Titelbild keine Beleidigung, sondern nur Mitgefühl“

Titanic-Chefredakteur Tim Wolff, aktuelles Cover

In der Kunst des wohlkalkulierten Titelskandals macht der Titanic so schnell keiner was vor. Das war bei den juristischen Auseinandersetzungen mit Papst Benedikt XVI. so und gilt auch für die aktuelle Titelseite. Das Erdogan-Penis-Putsch-Cover ist wie gemacht für einen ordentlichen Aufschrei und Skandal. Im MEEDIA-Interview erklärt Titanic Chefredakteur Tim Wolff wie man sich auf ein mögliches Nachspiel vorbereitet hat: „Wir haben wichtige Brücken in Frankfurt gesperrt und die Redaktion der Titanic besetzt“.

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Was soll uns das Cover sagen?
Es soll uns sagen, dass Recep Tayyip Erdogan (so etwas wie der türkische Bundespräsident) im Stress (eine Art Überbelastung psychischer wie physischer Natur) sich befindet, weil zu allem anderen nun auch noch sein Penis (primäres männliches Geschlechtsmerkmal in der Leibesmitte) putscht (sog. Gülen-Bewegung in der Hose).

Warum eine Bratwurst als Penis?
Ein Döner wäre rassistisch gewesen.

Titanic-Erdogan-Cover

Ist das nicht etwas billig provokant?
Ja, 4,50 Euro ist schon ein unverschämt niedriger Preis für unser hervorragendes Faktenmagazin.

Das wirkt alles so, als ob sie in bester Papst-Cover-Tradition mal wieder um richtigen Ärger betteln würden. Haben Sie sich schon juristisch vorbereitet?
Juristisch nicht. Aber wir haben wichtige Brücken in Frankfurt gesperrt und die Redaktion der Titanic besetzt.

Es heißt ja immer: Satire darf alles und wenn es Satire ist, dann kann man juristisch sehr schwer dagegen vorgehen. Warum ist diese Titelseite Satire und keine Schmähkritik oder eine Beleidigung des türkischen Präsidenten?
Ich sehe auf dem Titelbild keine Beleidigung, sondern nur Mitgefühl mit einem Mann, der seine engsten Vertrauten in den Griff zu bekommen versucht.

Glauben Sie, dass Jan Böhmermann die Titelseite gefällt?
Vermutlich ja – gegebenfalls also ihn verklagen.

Gegen das Papst-Cover „ Halleluja im Vatikan – Die undichte Stelle ist gefunden!“ – aus dem Jahr 2012 – hatte der Heilige Stuhl erst einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung gestellt, ihn später aber zurückgezogen. Zudem gingen beim Presserat fast 200 Beschwerden ein, deren Ergebnis eine öffentliche Rüge gegen das Satiremagazin war. Nach Einschätzung der Medienwächter war der Titel „Entwürdigend und ehrverletzend“. Interessant wird es nun sein zu beobachten, ob der Erdogan-Aufmacher ähnlich hohe Wellen schlägt. Eine Folge der juristischen Auseinandersetzung der Kirche mit der Redaktion war nämlich auch jede Menge kostenlose Werbung für das Magazin und viel Negativ-PR für den Heiligen Stuhl.

Titanic Benedikt

Bereits im Fall Böhmermann zeigt Erdogan jedoch, dass ihn solche Image-Überlegen nicht von juristischen Schritten abhalten.

Die Titanic kokettiert jedenfalls schon mit möglichem Ärger und schreibt bei Twitter und Facebook zur Ankündigung der neuen Ausgabe: „Jetzt noch schnell abonnieren, bevor Kanzlerin Tayyip Merkel TITANIC verbietet.“

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