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„Gewinnwarnung“ bei der Sächsischen Zeitung: G+J-Beteiligung büßt massiv Anzeigenumsatz ein

Bei der Gruner+Tochter sorgt man sich um den Gewinn: Geschäftsfüher Oliver Radkte (l.) und Carsten Dietmann fordern mehr Sparsamkeit

Die DDV Mediengruppe (Sächsische Zeitung, Morgenpost Sachsen) fürchtet im laufenden Geschäftsjahr um ihren Gewinn. Nach MEEDIA-Infos fordert das Unternehmen seine Mitarbeiter zu Sparsamkeit auf. Grund für das mögliche Verfehlen des geplanten Ergebnisses sollen unerwartete Einbrüche im Anzeigengeschäft sein. Gegenüber MEEDIA beschwichtigt Geschäftsführer Carsten Dietmann: Man werde nicht in rote Zahlen rutschen.

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Wenig erbauliche Nachrichten aus Sachsen: Das Geschäft der DDV Mediengruppe, an dem das Verlagshaus Gruner + Jahr (mit 60 Prozent) sowie die ddvg Medienholding (mit 40 Prozent) beteiligt sind, läuft derzeit nicht den Erwartungen entsprechend. In einer bereits am 28. Juni verfassten E-Mail an die Mitarbeiter, die MEEDIA vorliegt, spricht DDV-Chef Carsten Dietmann eine „Gewinnwarnung“ aus. Nachdem man wie erwartet in das Jahr gestartet sei, habe sich das Anzeigengeschäft in den Monaten Mai und Juni „fast wie auf Knopfdruck“ deutlich verschlechtert, so der Verlagsmanager. Insgesamt habe man bei den DDV-Flaggschiffen Sächsische Zeitung und der Morgenpost fast eine Million Euro weniger Anzeigenaufträge verbucht als noch im Vorjahr. Mit der Warnung, die aus börsennotierten Unternehmen bekannt ist, macht die Geschäftsführung deutlich, dass das angestrebte Geschäftsergebnis voraussichtlich nicht erreicht wird.

„Wenn wir unsere Ergebnisse dieses Jahr erreichen wollen, müssen wir in allen Bereichen entschieden gegensteuern“, schreibt Dietmann weiter. Die Geschäftsführung, in der auch G+J-Geschäftsführer Oliver Radkte sitzt, empfiehlt daher Sparmaßnahmen. So sollten die Führungskräfte zukünftig „unnötige Ausgaben“ vermeiden. Genannt werden in diesem Zusammenhang unter anderem Spesen, aber auch Fortbildungsmaßnahmen oder Honorare. Darüber hinaus sei abzuwägen, ob Neu- und Ersatzeinstellungen tatsächlich notwendig seien, zudem sollen unrentable Produkte genauer unter die Lupe genommen werden. Weiteres Einsparpotential solle auch von der Belegschaft identifiziert werden. „Hier gilt kein Denkverbot“, heißt es in der Mail weiter.

Dass es zu betriebsbedingten Kündigungen oder gar einem größeren Stellenabbau kommen wird, könne Dietmann auf Nachfrage von MEEDIA derzeit ausschließlichen. „Trotz des Begriffs der Gewinnwarnung gehen wir derzeit nicht davon aus, dass wir das laufende Geschäftsjahr mit einem negativen Ergebnis abschließen werden“, so der Manager. Vergangenes Jahr schloss das Unternehmen mit einem Ergebnis von rund 17,8 Millionen Euro ab. „Bei der Aufforderung zu mehr Sparsamkeit handelt es sich eher um eine Vorsichtsmaßnahme, bei der wir auch an das wirtschaftliche Verantwortungsbewusstsein unserer Mitarbeiter appellieren.“ Die „Vorsichtsmaßnahme“ komme zudem nach einem jahrelangen „Expansionskurs“, betont Dietmann. Entgegen des allgemeinen Trends habe man in den vergangenen Jahren Personal auf- statt abgebaut.

Gründe für die einbrechenden Umsätze seien schwer zu bestimmen, so Dietmann weiter. Zum einen seien Anzeigenrückgänge über alle Branchen hinweg erkennbar, darüber hinaus seien auch Einnahmen aus Sonderprodukten weggebrochen. Auf interne Kritik, nach der das Ergebnis auch durch Strafzahlungen an das Bundeskartellamt belastet werde, reagiert der Geschäftsführer mit Unverständnis. „Der hergestellte Zusammenhang mit den verhängten Strafen des Bundeskartellamtes wirkt auf uns sehr konstruiert. Die Bußgelder wurden noch im vergangenen Jahr beglichen.“ Deshalb seien sie auch in die Bilanz 2015 eingeflossen, so Dietmann.

Die Wettbewerbshüter gaben im vergangenen Dezember bekannt, dass die Gruner-Tochter gemeinsam mit den Konkurrenten Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG sowie der WM Beteiligungs- und Verwaltungs-GmbH & Co. KG aus Monschau verbotene Absprachen über die Einstellung von Anzeigenblättern getroffen hatte. Insgesamt verhängte das Kartellamt ein Bußgeld von 12,44 Millionen Euro, das die Unternehmen wie auch im Zusammenhang stehende natürliche Personen begleichen mussten.

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