Partner von:
Anzeige

Ein schrulliger FAZ-Kopf, ein einfallsloser Spiegel und zwei Ex-Bunte-Chefinnen beim Einkaufen

Er nun wieder
Er nun wieder

Die Rubrik „Dollase vs. Mensa“ bei FAZ.net bereitet nicht nur kulinarisch Interessierten reines Vergnügen. Das Paid Content-Projekt des Spiegel wirft noch ein paar Fragen auf und sehen Sie mal, was Ex-Bunte-Chefin Patricia Riekel nach ihrem Ausstand als erstes eingekauft hat. Im MEEDIA-Wochenrückblick.

Anzeige
Anzeige

Trotz allem Spar-Gedöns – es gibt sie noch, die schrulligen Köpfe bei der FAZ, die in guten Momenten dafür sorgen, dass diese Zeitung Reste von jener intellektuellen und humorvollen Sperrigkeit ausstrahlt, die sie früher im Überfluss hatte. Der Gastro-Kritiker Jürgen Dollase ist einer von diesen Köpfen. Wer immer auch die Idee hatte, Dollase für eine Video-Reihe deutsche Uni-Mensen testen zu lassen, man muss gratulieren. Die bisherigen zwei Videos „Dollase vs. Mensa“, die bei FAZ.net zu sehen sind, sind journalistisch exzellent zubereitet. Schnitt, Musik-Untermalung, Dramaturgie. Alles stimmt. Dollase selbst mit seinen wehenden Haaren im Haus oder um Bulli, wie er auf den Gerichten herumkaut und wortreich mäkelt aber auch lobt („Der Lachs wurde hingerichtet“) – das ist reines Schau-Vergnügen. Bewegtbild-Content dieser Konsistenz ist äußerst bekömmlich, schlägt nicht auf den Magen, macht aber lange nicht satt. Bitte um Nachschlag!

Bildschirmfoto 2016-07-01 um 15.47.58

Vielleicht haben Sie es mitbekommen: Der Spiegel hat diese Woche sein lange angekündigtes Paid Content-Projekt mit Namen Spiegel Plus gestartet. Für schmale 39 Cent kann man sich da jetzt Premium-Artikel kaufen. Zum Beispiel was über den Poptrend Afrobeats oder einen Ratgeber Darmsanierung. So weit, so gut. Über die nutzungstechnischen Ungereimtheiten des Angebots habe ich mich an dieser Stelle schon mal ausgelassen. Nur noch zwei Anmerkungen: 1. Können die Leute beim Spiegel sich nicht mal selbst einen Namen ausdenken? Zuerst nehmen sie für ihren morgendlichen Newsletter den Namen „Morning Briefing“, der von Gabor Steingart seit Jahren genutzt wird. Und jetzt nennen Sie ihr Bezahl-Angebot analog zu Bild Plus einfach Spiegel Plus. Wie viele Brainstorming-Sitzungen waren dafür wohl nötig? 2. Wieso basht Spiegel-Geschäftsführer Thomas Hass im Gespräch mit Horizont eigentlich den Kooperationspartner Blendle? Bei Blendle kann man unabhängig von Spiegel Plus auch einzelne Spiegel-Stories kaufen. Und zwar zu ganz anderen, nämlich deutlich teureren Preisen (in der Regel 75 Cent pro Artikel, 1,99 Euro pro Titelstory). Gegenüber Horizont redet Hass das Blendle-Modell eher schlecht. Er sagt: “Der Hype um diese Plattformen in der Medienszene ist deutlich größer als ihre Bedeutung fürs Vertriebsgeschäft der Verlage.“ Soll wohl heißen: Es kommt nicht recht was bei rum bei Blendle. Darum habe man sich mit einer Münchner Unternehmensberatung namens Vocatus hingesetzt und „eigene“ Preis-Markforschung betrieben. Ja und dabei kam dann raus, dass Spiegel-Artikel 39 Cent wert sein sollen. Welche Bedeutung das fürs Vertriebsgeschäft wohl haben wird? Die Verlage legen übrigens selbst fest, wieviel Geld sie bei Blendle nehmen. Dass bei Blendle und bei Spiegel Plus dieselben Spiegel-Artikel unterschiedlich kosten, liegt also zunächst einmal am Spiegel. Was meint eigentlich Ex-Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust zu den Paid Content-Ambitionen des Spiegel? Er sagte diese Woche im Interview der Zeit:

Wir werden sehen, ob das neue Bezahlmodell beim Spiegel funktioniert, ich hoffe das für die Kollegen.

Den unausgesprochenen Zusatz „… glaube es aber nicht“ muss man sich selbst hinzudenken.

Während Aust in der Zeit spricht, hat Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo für seinen Freund Stefan Aust in dessen Welt auch einen Artikel zu Austs 70. Geburtstag geschrieben. Darin enthüllt di Lorenzo u.a., dass es in Austs Gegenwart „nur bedingt“ möglich ist, Witze über die Körpergröße zu machen. Wer hätte das gedacht?

Bei der Zeit sind sie normalerweise very up to date. Nur bei der Werbung wird dann auch mal so ein bisserl geschlampert. Es wäre jedenfalls eine gute Idee, das Cover, mit dem Abonnenten geworben werden sollen, mal zu aktualisieren. Der Roger Willemsen empfiehlt in diesem Leben ganz sicher nix mehr.

Anzeige

Diese Woche Dienstag endete in München eine Ära. Die Ära Patricia Riekel bei Bunte nämlich. Samt Bunte-Chor („Patricia, du bist der Hit“, gesungen zusammen mit der echten Vicky Leandros auf die Melodie von „Theo, wir fahr’n nach Lodz!“) und abendlichem Empfang in den Stadt-Gemächern des Verlegers. Nun ist La Riekel „nur“ noch Herausgeberin bei Bunte, kann aber die Finger noch immer nicht von ihrem alten Blatt lassen. So dokumentierte die Ex-Bunte-Chefredakteurin Beate Wedekind fotografisch, wie Ex-Bunte-Chefredakteurin Patricia Riekel in Hamburg eine Bunte kauft. Hat was.

Ein wunderbuntes Wochenende!

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Meedia

Meedia