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Zeitungsmarkt Hamburg: Mopo bricht ein, auch Bild, Welt und F.A.Z. dick im Minus, Abendblatt klar vorn

Das Hamburger Abendblatt bleibt die unangefochtene Zeitung Nummer 1 in Hamburg. Mit 108.090 werktäglich verkauften Exemplaren führt das Funke-Blatt klar vor der Bild, die die Hamburger Morgenpost weiter abhängt. Die Mopo liegt 23,8% unter den Zahlen aus 2014. Zulegen konnten in der Norddeutschen Metropole u.a. das Handelsblatt und die Kieler Nachrichten.

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Auf den ersten Blick hat sich das Hamburger Abendblatt sehr ordentlich entwickelt: Mit einem Minus von 3,2% schnitt es im Stadtgebiet von Hamburg deutlich überdurchschnittlich ab. Doch die Sache hat einen kleinen Haken. Seit einiger Zeit wird die Zeitung bei der IVW nämlich nur noch gemeinsam mit der Bergedorfer Zeitung ausgewiesen. Das war 2014 noch nicht so. Berechnet man die Bergedorfer Zeitung in die damaligen Zahlen ein, so ergäbe sich nun ein Minus von 9% – das ist dann nicht mehr ganz so schön, aber immer noch okay.

Nach dem Zeitungsmarkt Berlin blicken wir in einer weiteren Auswertung der IVW-Verbreitungsanalyse Tageszeitungen nun also auf Hamburg. Zur Erinnerung: Die VA erscheint alle zwei Jahre und enthält detaillierte Verkaufszahlen der Tageszeitungen für alle 11.092 deutschen Gemeinden, 107 kreisfreien Städte und 295 Landkreise. Ermittelt werden die Zahlen jeweils in einer Messwoche – im Fall der VA 2016 war das die Woche vom 9. bis 15. November 2015. Nicht dabei als einziges relevantes Blatt: die taz, die nicht an der VA teilnimmt.

Wie schon in Berlin kennen die Auflagenverluste auch in Hamburg weiterhin keine Bremse. Setzten Tageszeitungen in Hamburg laut VA 2010 noch fast 430.000 Exemplare pro Werktag ab, waren es 2012 nur noch 397.000, 2014 noch 342.000 und nun weniger als 288.000. Im Vergleich zu 2014 entspricht das einem Minus von 15,9%, im Vergleich zu 2010 sogar einem von 33%.

Das andere große Lokalblatt, die Hamburger Morgenpost, beklagt seit 2014 sogar ein Minus von 23,8%, verlor also deutlich überdurchschnittlich Käufer. Der Blick auf die Gesamt-Zahlen der Mopo – also nicht nur wie in dieser Analyse auf das Stadtgebiet Hamburg bezogen – zeigt, dass sie in beiden wichtigen Auflagenkategorien, also Abos und Einzelverkauf, gleich stark verlor. Der Rückstand auf die Bild, die sich mit dem Rückgang von 14,1% in etwa auf Hamburger Normalniveau entwickelte, vergrößerte sich damit wieder.

Die beiden anderen großen Verlierer heißen wie schon in Berlin Welt und F.A.Z. Auch die Gründe dürften ähnlich gelagert sein wie in der Bundeshauptstadt: Die F.A.Z. hat Ende 2014, Anfang 2015 seine in Flugzeugen und auf Flughäfen verteilten Zeitungen insgesamt von rund 42.000 auf nur noch 16.000 herunter gefahren. Ein Teil davon dürfte auch Hamburg betroffen haben. Bei der Welt ist ein solcher Sondereffekt hingegen nicht zu beobachten. Bundesweit ging es hier in den zwei Jahren ausschließlich in den beiden wichtigen IVW-Kategorien Abonnements und Einzelverkauf bergab – so dementsprechend wohl auch in Hamburg.

Immerhin acht der 20 meistverkauften Tageszeitungen gewannen in Hamburg aber Käufer hinzu – wenn auch vor allem Blätter, die maximal dreistellige Verkaufszahlen erreichen. Ausnahme ist das Handelsblatt, das auch in Hamburg deutlich mehr ePaper verkauft als noch vor zwei Jahren – 1.326 statt 409 – und damit seinen Gesamtverkauf trotz rückläufigem Geschäft mit der Papier-Zeitung wieder auf über 6.000 steigern konnte. Die anderen Gewinner sind vor allem Regionalzeitungen: die Kieler Nachrichten, die Sächsische Zeitung, Buxtehuder Tageblatt und Altländer Tageblatt, HAZ/NP aus Hannover, der Express und die Schweriner Volkszeitung. Zum Teil dürften Pendler hier für einen Zuwachs gesorgt haben. Immerhin 52 neue Käufer gewann das Neue Deutschland in Hamburg dazu, hat damit nun 222 Freunde an der Elbe. Warum die Ostsee-Zeitung in Hamburg von 368 auf 54 gefallen sein soll, können wir derzeit übrigens nicht erklären. Vielleicht gab es hier vor zwei Jahren auch einen Fehler oder Sondereffekt, denn 2010 und 2012 lag das Blatt in Hamburg auch nur bei 52 und 35 Verkäufen – und nicht bei über 300.

Die 20 meistverkauften Tageszeitungen in Hamburg
verkaufte Auflage vs. 2014
Platz Titel 2016 absolut in %
1 Hamburger Abendblatt 108.090 -3.591 -3,2
2 Bild 79.617 -13.041 -14,1
3 Hamburger Morgenpost 48.651 -15.202 -23,8
4 Die Welt / Welt kompakt 22.328 -11.327 -33,7
5 Süddeutsche Zeitung 10.757 -818 -7,1
6 Frankfurter Allgemeine Zeitung 8.126 -3.193 -28,2
7 Handelsblatt 6.161 406 7,1
8 RheinMainMedia Gesamt 1.157 -177 -13,3
9 Kieler Nachrichten 556 15 2,8
10 Der Tagesspiegel 454 -204 -31,0
11 Sächsische Zeitung 356 20 6,0
12 Berliner Zeitung 246 -40 -14,0
13 Buxtehuder Tageblatt / Altländer Tageblatt 224 11 5,2
14 Neues Deutschland 222 52 30,6
15 Berliner Kurier 204 -13 -6,0
16 HAZ/NP Hannover 144 10 7,5
17 Express 61 4 7,0
18 Ostsee-Zeitung 54 -314 -85,3
19 Stuttgarter Zeitung / Stuttgarter Nachrichten 46 -33 -41,8
20 Schweiner Volkszeitung 44 1 2,3
Quelle: IVW-VA Tageszeitungen 2016 / Tabelle: MEEDIA

Sämtliche Artikel zur IVW-Verbreitungsanalyse Tageszeitungen finden Sie jederzeit an dieser Stelle.

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