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Zeitungsverkäufe in den 50 größten deutschen Städten: Frankfurt löst München als Zeitungsstadt Nr.1 ab

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In Frankfurt/Main werden umgerechnet auf die Einwohnerzahl die meisten Tageszeitungen verkauft. Die Banken-Metropole löste damit München als deutsche Zeitungsstadt Nummer 1 ab. Auf den weiteren Plätzen folgen demnach Bremen, Oldenburg und Düsseldorf. Besonders wenige Zeitungen werden laut der MEEDIA-Auswertung in Wuppertal, Potsdam und Mönchengladbach abgesetzt.

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Alle zwei Jahre veröffentlicht die IVW ihre Verbreitungsanalyse Tageszeitungen. Die VA enthält detaillierte Verkaufszahlen der Zeitungen für alle 11.092 deutschen Gemeinden, 107 kreisfreien Städte und 295 Landkreise. Ermittelt werden die Zahlen jeweils in einer Messwoche – im Fall der VA 2016 war das die Woche vom 9. bis 15. November 2015. Die Analyse zeigt damit ein sehr spannendes Bild von Zeitungs-Deutschland. MEEDIA nutzt die Rohdaten der VA traditionell für eine Reihe von Auswertungen – so auch in diesem Jahr.

Zum Start unserer Auswertungen haben wir die Tageszeitungs-Verkäufe in den 50 einwohnerstärksten Städten Deutschlands addiert, um aufzuzeigen, wo Print noch am besten funktioniert – und wo die Menschen kaum Lust auf Zeitungen haben.

In den vergangenen Jahren führte München diese Auswertung regelmäßig an – sogar mit recht klarem Vorsprung. Doch damit ist nun erstmal Schluss, Frankfurt/Main zog an München vorbei. Umgerechnet auf die 516.000 deutschen Einwohner werden in Frankfurt 29,8 Zeitungen pro 100 Einwohner verkauft. München kommt nur noch auf eine Zahl von 28,8. Wir haben die deutschen Einwohner in den Mittelpunkt unserer Betrachtungen gestellt, da hier die Chance auf einen Zeitungskauf deutlich höher ist als bei nicht-deutschen Einwohnern. In unseren Tabellen zeigen wir aber auch die Zahlen für die Gesamt-Einwohnerzahl.

Vor zwei Jahren lag München noch bei 38,9, Frankfurt/Main bei 35,4. Der Vergleich zeigt, dass die Verkaufszahlen in diesen beiden Jahren dramatisch gesunken sind. So sank die verkaufte Auflage aller Tageszeitungen in München von über 403.000 auf nur noch rund 308.000. Der Hauptgrund dafür ist der Auflagen-Einbruch der Abendzeitung. 2014 setzte das Blatt in der bayerischen Landeshauptstadt werktäglich noch 93.093 Exemplare ab, nun sind es nur noch 33.671. Ohne dieses Minus von rund 60.000 Zeitungen läge München noch an der Spitze der Tabelle.

Ein dickes Minus verzeichnet auch die F.A.Z. – und zwar in beiden Städten. In München verkaufte sie mit 8.971 Exemplaren 36% weniger als vor zwei Jahren, in Frankfurt mit 22.200 fast 33% weniger. Der Hauptgrund dafür dürfte sein, dass die Frankfurter Allgemeine in den zwei Jahren massiv Bordexemplare abgebaut hat. Verteilte sie im ersten Quartal 2014 laut IVW noch 47.556 Zeitungen pro Werktag an Flughäfen und in Flugzeugen, waren es im ersten Quartal 2016 nur noch 15.815. Da die Verbreitungsanalyse nicht zwischen Abos, Einzelverkäufen und Bordexemplaren unterscheidet, ging die Verkaufszahl der F.A.Z. vor allem in Städten mit großen Flughäfen dramatisch nach unten – so auch in Hamburg, Berlin und Düsseldorf.

Natürlich profitiert Frankfurt/Main auch enorm von den zahlreichen Banken und anderen Unternehmen. Sie dürften viele überregionale Tageszeitungen abonniert haben und damit die Verkaufszahl pro 100 Einwohner deutlich beeinflussen. Auch Landeshauptstädte mit ihren zahlreichen Ministerien, Behörden, etc. schneiden in der Statistik wegen dieser Abos eher überdurchschnittlich ab. Siehe z.B. Düsseldorf auf Platz 5, das aber auch weiterhin noch von seiner Lokalzeitungsvielfalt profitiert.

Weit oben dabei sind auch einige Städte aus dem Nordwesten: Bremen auf Platz 3, Oldenburg auf 4 und Osnabrück auf 6. Die drei Städte verfügen über Lokalzeiten mit sehr treuer Leserschaft. In Oldenburg kaufen beispielsweise mehr als 21 von 100 deutschen Einwohnern die Nordwest-Zeitung, in Osnabrück und in Bremen kommen die Neue Osnabrücker Zeitung und der Weser-Kurier auf ähnlich starke Zahlen. Osnabrück ist sogar die einzige der 50 Städte, in der sich der Zeitungskonsum pro Einwohner gegenüber 2014 gesteigert hat. Das liegt zum einen an einem recht geringen Auflagen-Minus von 3,8%, zum anderen aber vor allem daran, dass die Einwohnerzahl durch den Mikrozensus nach unten korrigiert wurde. Kamen 2014 noch über 150.000 deutsche Einwohner in die Wertung, sind es nun laut neuester Statistik nur noch etwas mehr als 140.000. Ebenfalls sehr positiv entwickelten sich die Tageszeitungs-Käuferzahlen in Städten wie Nürnberg, Kassel, Freiburg und Aachen.

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Vergleicht man die Tageszeitungsverkäufe nicht mit den Einwohnerzahlen, sondern mit den Haushalts-Zahlen, so wird deutlich, was für ein Massenmedium die Blätter trotz Auflagenverlusten noch sind. In Frankfurt kommen auf 100 deutsche Haushalte beispielsweise noch 55 Tageszeitungen pro Werktag, in München fast 50 und in sieben weiteren Städten mehr als 40.

Tageszeitungskonsum in den 50 größten Städten Deutschlands
deutsche Einwohner verkaufte Zeitungen* deutsche Haushalte verkaufte Zeitungen* Einwohner gesamt verkaufte Zeitungen*
1 Frankfurt / Main 516.000 29,8 280.000 55,0 708.000 21,7
2 München 1.070.000 28,8 618.000 49,8 1.404.000 21,9
3 Bremen 476.000 24,8 265.000 44,6 549.000 21,5
4 Oldenburg 149.410 24,6 84.006 43,8 159.487 23,1
5 Düsseldorf 491.876 22,9 262.884 42,8 592.054 19,0
6 Osnabrück 140.590 22,3 84.994 36,9 155.513 20,2
7 Stuttgart 464.000 22,2 256.000 40,2 599.000 17,2
8 Bielefeld 288.763 21,6 150.932 41,3 326.339 19,1
9 Hannover 443.000 21,5 260.000 36,6 517.000 18,4
10 Mainz 180.903 21,3 89.325 43,2 213.230 18,1
11 Dresden 507.000 21,2 284.000 37,9 527.000 20,4
12 Münster 268.880 21,2 131.668 43,2 294.148 19,3
13 Magdeburg 217.057 20,7 122.999 36,6 227.420 19,8
14 Lübeck 204.666 20,6 119.395 35,4 218.840 19,3
15 Hamm 154.419 20,6 79.978 39,8 174.416 18,3
16 Chemnitz 232.000 20,6 130.000 36,8 243.000 19,7
17 Köln 849.000 20,5 460.000 37,8 1.031.000 16,9
18 Mülheim an der Ruhr 146.331 20,5 79.734 37,5 166.125 18,0
19 Wiesbaden 222.772 20,3 116.903 38,7 270.104 16,8
20 Dortmund 489.000 20,2 266.000 37,1 574.000 17,2
21 Solingen 134.521 20,1 68.632 39,4 155.849 17,3
22 Bonn 276.408 19,9 139.643 39,4 316.409 17,4
23 Rostock 193.000 19,6 119.000 31,8 202.000 18,7
24 Kiel 229.334 19,5 129.605 34,6 248.160 18,0
25 Mannheim 234.307 19,5 134.000 34,1 295.074 15,5
*verkaufte Zeitungen pro 100 Einwohner bzw. Haushalte (montags bis freitags)
Rohdaten-Quelle: IVW-VA Tageszeitungen 2016 / Berechnung und Tabelle: MEEDIA

Den geringsten Tageszeitungskonsum unter den 50 größten deutschen Städten verzeichnet laut VA 2016 Wuppertal. Hier kommen auf 100 deutsche Einwohner nur 14,9 verkaufte Tageszeitungen pro Werktag. Auf Haushalte umgerechnet läge hingegen Potsdam hinten – hier wohnen weniger Menschen in einem Durchschnitts-Haushalt als in Wuppertal. In Wuppertal war es vor allem das dicke Minus der Westdeutschen Zeitung, dass die Stadt ans Ende der Tabelle brachte, in Potsdam ist es vor allem die Schwäche der Märkischen Allgemeinen, die nur 12.723 Exemplare an die 155.000 deutschen Einwohner verkauft. Mit Blick auf alle deutschen Landkreise und Städte ein sehr schwacher Wert für eine Heimatzeitung.

Auffällig am Ende der Tabelle ist die große Zahl von Städten aus NRW: Mit Leverkusen, Gelsenkirchen, Duisburg, Mönchengladbach und Wuppertal finden sich auf den letzten sechs Plätzen fünf NRW-Städte. Die schwächste der vier deutschen Millionenstädte ist ganz eindeutig Berlin: mit 17,2 Zeitungen findet sich die Hauptstadt nur auf Platz 40 – obwohl es in Berlin eine Lokalzeitungsvielfalt wie in keiner anderen Stadt gibt – mit Tagesspiegel, Berliner Zeitung, Berliner Morgenpost, B.Z. und Berliner Kurier. Hamburg kommt auf einen Wert von 19,2, Köln auf 20,5 und München wie erwähnt auf 28,8.

Aachen, das vor zwei Jahren noch am Ende der Tabelle lag, machte diesmal einen Sprung von Platz 50 auf 43. Auch hier lag das u.a. am Mikrozensus, der die Zahl der deutschen Einwohner in Aachen von 215.581 auf 211.088 herunter korrigierte. Doch auch das Minus bei den Verkaufszahlen der Zeitungen in Aachen ist mit 5,8% seit 2014 vergleichsweise gering.

Tageszeitungskonsum in den 50 größten Städten Deutschlands
deutsche Einwohner verkaufte Zeitungen* deutsche Haushalte verkaufte Zeitungen* Einwohner gesamt verkaufte Zeitungen*
26 Nürnberg 401.084 19,3 217.938 35,5 490.065 15,8
27 Hamburg 1.502.000 19,2 841.000 34,2 1.747.000 16,5
28 Saarbrücken 152.000 19,1 91.000 31,9 176.000 16,5
29 Augsburg 225.000 19,1 118.000 36,4 276.000 15,6
30 Braunschweig 241.190 19,0 137.989 33,2 258.563 17,7
31 Halle/Saale 216.943 18,8 122.001 33,4 227.580 17,9
32 Essen 499.124 18,8 284.116 33,0 561.946 16,7
33 Kassel 173.000 18,5 99.000 32,3 196.000 16,3
34 Freiburg im Breisgau 188.000 18,2 103.000 33,2 220.000 15,5
35 Hagen 159.173 18,2 85.040 34,0 184.428 15,7
36 Bochum 324.445 18,0 176.153 33,1 357.442 16,3
37 Herne 132.963 17,6 67.829 34,5 152.714 15,3
38 Krefeld 193.913 17,5 99.920 34,1 221.191 15,4
39 Karlsruhe 249.391 17,5 135.000 32,3 295.278 14,7
40 Leipzig 503.000 17,4 282.000 31,1 532.000 16,5
41 Berlin 2.945.000 17,2 1.696.000 29,8 3.423.000 14,8
42 Oberhausen 183.367 17,1 94.873 33,1 208.061 15,1
43 Aachen 211.088 16,9 117.699 30,3 245.236 14,6
44 Erfurt 195.355 16,6 107.000 30,4 203.972 15,9
45 Leverkusen 142.779 16,6 80.793 29,3 162.801 14,5
46 Gelsenkirchen 211.894 16,4 122.553 28,4 250.804 13,9
47 Duisburg 404.493 15,9 222.043 29,0 482.609 13,3
48 Mönchengladbach 225.630 15,9 116.068 30,9 255.342 14,1
49 Potsdam 155.000 15,7 86.000 28,3 163.000 14,9
50 Wuppertal 291.601 14,9 142.310 30,6 343.393 12,7
*verkaufte Zeitungen pro 100 Einwohner bzw. Haushalte (montags bis freitags)
Rohdaten-Quelle: IVW-VA Tageszeitungen 2016 / Berechnung und Tabelle: MEEDIA

In den kommenden Tagen werden wir zahlreiche weitere Auswertungen der IVW-VA 2016 veröffentlichen. Wenn Sie diese nicht verpassen wollen, merken Sie sich einfach diesen Link – dort werden alle Artikel zum Thema gesammelt – auch die aus dem Jahr 2014.

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Alle Kommentare

  1. Interessant finde ich, wenn man mal folgendes sieht:

    In Dresden, der Pegida-Hauptstadt Deutschlands, kaufen und lesen (auch prozentual) deutlich mehr Menschen eine Tageszeitung als in der Grünen-Metropole Freiburg im Breisgau:

    Dresden, Platz 11: 507.000 verkaufte Zeitungen 21,2 Prozent

    Freiburg im Breisgau , Platz 34: 188.000 verkaufte Zeitungen 18,2 Prozent

    Was sagt mir das?

    In Dresden sind die Leute im Schnitt schlauer.

    Sie lesen zwar mehr Zeitung, glauben aber (im Gegensatz zu den Freiburgern) in der politischen Berichterstattung kaum etwas von dem, was da drin steht. 🙂

    1. Das sagt es Ihnen. Wohnen Sie womöglich dort und versuchen einfach, sich selbst zu rühmen?

      Eine andere Interpretation: Die im Tal der Ahnungslosen jahrzehntelang geübten Dresdner sind so begriffsstutzig, dass sie viel mehr Zeitungen benötigen als andere und es trotzdem nicht kapieren.

      Was nehmen wir denn jetzt?

      1. Wir nehmen selbstredend meine Interpretation, wenn Sie mich schon fragen und mir damit also die Wahl überlassen. 🙂 (Smily: lachend)

        Im Übrigen wohne ich weder in Dresden (was aber auch nicht schlimm wäre), sehe Pegida durchaus auch kritisch, noch war der plakative Satz mit dem schlauer ernst gemeint, sondern der war schon (und zwar mit Absicht) als Würze gedacht. 😉 (Smily: blinzelnd)

        Das ganze war mehr ironisch gemeint.

  2. Da die Auflage der alten Abendzeitung laut Verleger Balle künstlich aufgeblasen war, stellt sich die Frage, wie valide die Daten überhaupt sind und waren.
    War München etwa nur Hauptstadt der Zeitungsauflagen, weil hier die meisten stummen Verkäufer herumstanden (AZ, tz, BILD, FAZ, Welt, Merkur), die ohne Zahlkontrolle zum Diebstahl förmlich einluden?
    Und liegt der Rückgang jetzt auch darin begründet, daß etwa AZ und BILD die Zahl der Verkaufsautomaten deutlich reduziert haben?

    1. Das wird definitiv ein Mitgrund sein. Ob es ausschließlich daran liegt, wird man nicht herausfinden können, da man in der Vergangenheit ja schwer untersuchen konnte, ob jemand, der eine Zeitung aus einem stummen Verkäufer “gekauft” hat, das auch dann getan hätte, wenn es die stummen Verkäufer nicht gegeben hätte.

  3. Das ist ja alles schön bunt, aber könnte man vielleicht mal was über die Zahlenbasis erfahren? Welche Kopf-/Lokal-/Regionalausgaben wurden in die Titel mit einbezogen? Schon bei einer ersten Gegenrecherche kam das vorne und hinten nicht hin: Zieht man beim Weser-Kurier aus der Gesamtauflage alle Regionalausgaben außerhalb Bremens ab, bleibt eine Restauflage von 101.000 – laut dieses Berichts müsste die Auflage aber 118.000 betragen. Es ist schon Folklore, dass bei Auflagestatistiken alles durcheinandergerät, die Kombis, Subausgaben etc. Aber bei diesem Statistik-Limbo muss Meedia ja nicht auch noch mitmachen.

    1. Ich dachte, es wäre deutlich geworden, dass die Verbreitungsanalyse die Auflagen ALLER Zeitungen in ALLEN Gemeinden/Kreisen/Städten erfasst. Für Bremen bedeutet das z.B. 92.000 Weser-Kurier, 17.300 Bild, 2.200 Süddeutsche, 1.900 FAZ, usw. – insgesamt eben etwas mehr als 118.000 Stück.

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