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Facebook Live-Manager Will Cathcart: “Wir sehen Zahlungen an Verlage als eine Art Seed-Investment”

Will Cathcart ist Vice President of Product Management bei Facebook
Will Cathcart ist Vice President of Product Management bei Facebook

Facebook zählt im Vertrieb von Inhalten zu einem der wichtigsten Partner von Redaktionen, stellt sie mit Distributed-Content-Angeboten gleichzeitig aber vor große Herausforderungen. Im Interview mit MEEDIA spricht Will Cathcart, Vice President of Product Management, über mögliche Finanzierungsmodelle und erklärt, dass das Social Network derzeit eine Art Anschubfinanzierung leistet.

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Wenn ich meinen Newsfeed öffne, sehe ich überwiegend Postings von Nachrichtensites. Was meine Kontakte machen, geht meistens unter. Ist das Informieren über das Weltgeschehen für Facebook heute wichtiger, als mir zu zeigen, was meine Freunde bewegt?
Wir wollen den Menschen eigentlich zeigen, was sie wirklich sehen wollen. Also versuchen wir, den Newsfeed aufgrund des Nutzungsverhalten zu personalisieren. Wir analysiseren, wie die Interaktionen zwischen Nutzern und Postings verlaufen. Wir versuchen so zu verstehen, was unsere Nutzer interessiert. Bleibe ich also bei einem Posting meiner Ehefrau hängen und kommentiere es vielleicht, scheint mich meine Frau oder das, was sie bewegt. besonders zu interessieren. Wenn ich überwiegend Artikel von MEEDIA like, kommentiere oder lese, scheine ich mich dafür besonders zu interessieren und bekomme diese Inhalte entsprechend öfter in den Feed gespült.

Meine Freunde interessieren mich aber eigentlich mehr als Nachrichten, die ich ohnehin lese. Wie kann ich den Newsfeed kontrollieren?
Dafür bieten wir verschiedene Optionen, in den USA beispielsweise den “see first”-Feed, in den die Nutzer ihre Favoriten einsortieren können. Die Liste funktioniert dann unabhängig davon, was Facebook glaubt, über den Nutzer und seine Interessen zu wissen.

Sind Newsseiten ein wichtigeres Element für Facebook geworden, als es in den vergangenen Jahren der Fall war?
Als Facebook an den Start ging, gab es keine Pläne für ein Produkt rund um Nachrichten. Wir haben mit der Zeit aber festgestellt, dass die Nutzer ein Verlangen nach Informationen haben, weshalb wir Angebote für sie entwickelt haben. Facebook hat sich in den vergangenen Jahren extrem gewandelt. Wenn Sie sich erinnern, konnte man zu Beginn nicht einmal Fotos teilen.

Durch das Interesse der Nutzer sind Publisher zu einem strategisch wichtigen Partner für Facebook geworden. Die wiederum haben ein großes Bedürfnis nach der Monetarisierung ihrer Inhalte – aktuell speziell im Bewegtbild. Wie unterstützt Facebook seine Partner in den Medienhäusern?
Wir fokussieren derzeit unser Livestream-Angebot Facebook Live, das wir um einige Features für Publisher ergänzt haben. Weitere sollen möglichst bald folgen, weil wir ein rasantes Nutzerwachstum feststellen und das User-Erlebnis ausbauen wollen – selbstverständlich auch unter den Publishern im klassischen Sinne. Wir wissen, dass wir noch keine Monetarisierungsmöglichkeiten bieten, diese aber zwingend erforderlich sind. Wir hoffen, im Laufe des Jahres Angebote vorstellen zu können.

Wie könnten die aussehen?
Über konkrete Produkte können wir noch nicht sprechen. Es lassen sich durchaus Überlegungen anstellen, erfolgreiche Modelle zu adaptieren. Wir denken beispielsweise an Werbeunterbrechungen, wie man es aus dem Fernsehen kennt. Dieser Weg wäre ziemlich simpel. Wir haben aber noch keine Erfahrungen damit gemacht, ob die Akzeptanz der Nutzer auf dem Smartphone genauso groß ist wie auf den TV-Bildschirmen.

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Eine andere Möglichkeit ist, dass Facebook Publisher für ihre Aktivitäten im Netzwerk bezahlt. In den USA ist das der Fall. Wie schaut es in Deutschland aus?
Zum Start von Facebook Live haben wir ein entsprechendes Programm gestartet, weil wir keine Monetarisierungsmöglichkeiten vorzuweisen hatten. Der Gedanke dahinter ist, die Publisher zu unterstützen, weil sie ebenfalls Geld in die Hand nehmen müssen.

Wie viel Geld geben Sie in Deutschland dafür aus?
Ich möchte hier nicht darüber sprechen, welche Summe wir an welches Medienhaus gezahlt haben. Und wir planen diese Anschubfinanzierung in den USA wie auch in Deutschland nur für kurze Zeit. Wir wollen nicht, dass dieses Thema zu sehr im Vordergrund steht. Langfristig sind wir daran interessiert, wirkliche Umsatzmöglichkeiten zu schaffen. Wir sehen das als Übergangslösung an. Es ist richtig: Wir sind an Verlage, auch an einige in Deutschland, herangetreten und haben ihnen eine gewisse Summe gezahlt, um deren Anstrengungen zu unterstützen. Wir tun das auch heute noch und verstehen es als eine Art Seed-Investment.

Wie steht Facebook zu Branded Content und Product Placement?
Das sind eindeutig Möglichkeiten, über die man sprechen kann. Wir haben unsere Richtlinien für Branded Content bereits überarbeitet und dies grundsätzlich erlaubt. Bei Facebook Instant Articles wird dies sehr gut angenommen. Das kann auch für Live funktionieren.

Ich persönlich würde mich von Product Placement extrem gestört fühlen. Kann dies im Interesse von Facebook sein?
Wir sind daran interessiert, dass Sie und andere Nutzer tolle Erfahrungen mit Facebook machen. Das ist zum Beispiel ein Grund, wieso wir Branded Content eine Zeit lang nicht erlaubt haben. Das heißt nicht, dass wir das alles grundsätzlich für schlecht halten, sondern abwägen müssen. So erlauben wir in unseren Richtlinien beispielsweise weiterhin keine Pre-Roll-Ads, weil Nutzer sich davon gestört fühlen.

Facebook macht diese enormen Schritte in Zeiten, in denen Medienhäuser extreme Anstrengungen unternehmen, um Paid-Content-Modelle zu etablieren. Inwiefern kann Facebook hier kompatibel sein?
Wir haben noch nicht demonstriert, dass es gemeinsam funktioniert. Für Publisher ist es aber sinnvoll, unseren Weg zu unterstützen, weil wir um weitere Monetarisierungsmöglichkeiten bemüht sind. Auf der anderen Seite freuen wir uns, dass wir Publisher dabei unterstützen, neue Zielgruppen und Leser zu erreichen, mit denen sie sich vernetzen können. Wenn die Beziehung zwischen Newssite und Nutzer groß genug ist, ist er auch bereit, ein Paid-Content-Abo abzuschließen. Wie die Medienhäuser sind aber auch wir noch in einem Anfangsstadium und müssen vieles ausprobieren.

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