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Mit Matussek und Steinhöfel als Talk-Duo: Springers Bilanz plant Video-Format im Web

Talken definitiv nicht auf bilanz.de: Autor Matthias Matussek (re.) und Anwalt Joachim Steinhöfel
Talken definitiv nicht auf bilanz.de: Autor Matthias Matussek (re.) und Anwalt Joachim Steinhöfel

Talk-Runden mit zwei "bunten Hunden" aus der Medienszene, Koch-Shows mit Größen aus Industrie und Hochfinanz – der Online-Ableger des Wirtschaftsmagazins Bilanz plant diverse Bewegtbild-Formate. Zudem will bilanz.de mehr hochkarätige Kolumnisten aus Wissenschaft, Lifestyle und Ökonomie gewinnen. Damit soll das Meinungs- und Debattenportal rasch bekannter werden, um so die Vermarktung anzukurbeln.

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Es soll das neue Traum-Talk-Team im Netz werden: Ex-Spiegel Online-Videoblogger Matthias Matussek und Joachim Steinhöfel sollen ein eigenes Video-Format auf bilanz.de bekommen. Entsprechende Überlegungen bestätigen Bilanz-Chefredakteur Klaus Boldt und Herausgeber Arno Balzer gegenüber MEEDIA. „Wir stellen uns vor, dass bilanz.de das legendäre Spiegel-Blog von und mit Matthias Matussek wiederbelebt. Er soll regelmäßig mit dem Medienprofi, Sänger und Rechtsanwalt Joachim Steinhöfel über aktuelle Dinge dieser Welt reden“, erklärt Boldt.

Damit würde Matussek sein journalistisches Betätigungsfeld ausweiten. Jüngst hatte sich der Journalist mit dem konservativen Herausgeber und Chefredakteur Roger Köppel verständigt, als regelmäßiger Autor für die Weltwoche in der Schweiz zu schreiben. Bis vergangenes Jahr war der streitbare Schreiber für die Tageszeitung Die Welt tätig. Doch dann kam es nach einem Facebook-Eintrag zum Eklat. Matussek überwarf sich mit der Welt-Spitze und verlor seinen Autorenvertrag. Der damalige Welt-Chefredakteur hatte ein Facebook-Posting seines Autoren als “durchgeknallt” bezeichnet, Matussek hatte später angeblich verbal zurückgekeilt.

Wenige Wochen später einigte sich der ehemalige Spiegel-Schreiber mit Springer auf eine einvernehmliche Vertragsauflösung. Im Gegenzug könne er, wie es hieß, künftig als freier Journalist für Titel des Berliner Verlagshauses tätig werden. Früher als erwartet ist es nun offenbar so weit. Bilanz-Chef Boldt kann sich sogar vorstellen, den Video-Talk mit Matussek sogar gemeinsam mit Welt/N24 zu produzieren. Dort hat inzwischen Stefan Aust als Herausgeber und Chefredakteur das Sagen – und damit jemand, der Matussek aus langjähriger Zusammenarbeit kennt und zu nehmen weiß. Treppenwitz der Geschichte: Der Anwalt, der für den Autoren den Aufhebungsvertrag mit Springer verhandelte, heißt … ja, richtig: Joachim Steinhöfel, im Hamburger Stadtteil Winterhude übrigens auch Nachbar von Matussek. Noch ist der Talk mit hohem Polarisierungs-Potenzial allerdings im Projektstadium.

Weit konkreter sind Pläne mit Fred Baader, Mitbegründer der Werbeagentur Baader Lang Behnken, eine eigene Kochshow auf bilanz.de zu starten. Baader, der bereits regelmäßig auf der Online-Plattform die Kolumne „Baaders Beste“ schreibt, soll mit Promis aus der deutschen Industrie- und Hochfinanz Gerichte vor laufender Kamera kochen. „Baaders Gäste“ soll daher das neue Netz-Format lauten. Derzeit suchen Boldt und Balzer Sponsoren, um das Vorhaben zu finanzieren. Sie sind zuversichtlich, rasch geeignete Werbepartner aufzutreiben. Denn Baader ist in der Werbe- und Medienbranche eine Legende. So stammt aus seiner Feder der bekannte Slogan „Otto… find ich gut“, dem der Hamburger Versandausriese Otto einen Teil seines Erfolgs verdankt.

Die beiden Bewegtbild-Formate sind aber nur ein Teil, um die Vermarktung der Debatten-Plattform anzukurbeln. Finanziert wird das nach dem Vorbild des US-Wirtschaftsmagazins Forbes ausgerichtete Portal vor allem über Bannerwerbung. Nun soll demnächst Native Advertising hinzukommen. Als Vorlage dient auch hier Forbes, das bereits ähnliche Werbeformate erfolgreich verkauft. Forbes nennt diese Vermarktungsvariante „Brand Voice“, bei bilanz.de soll sie „Brand Story“ heißen. Dahinter stehen von Unternehmen verfasste Kolumnen, die aber klar als solche gekennzeichnet sind. „Zunächst werden wir bei Native Advertising interessierten Unternehmen Textformate anbieten, mittelfristig soll auch Bewegbild-Content möglich sein“, betont die Online-Chefin Melanie Loos. Um Kunden für die Werbeformate zu finden, hat der Berliner Springer-Verlag seit Mai die Vermarktungsspitze mit Barbara Capel-Cure prominent besetzt. Sie war vor vielen Jahren bereits für das Wirtschaftsmagazin Capital bei Gruner + Jahr tätig und kennt sich daher in der Unternehmens- und Finanzbranche bestens aus. Das Anzeigengeschäft ziehe daher seit einigen Monaten deutlich an, versichern die Bilanz-Macher.

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Keine Absicht hegen Boldt, Balzer und Loos, sich bei bilanz.de in den Wettbewerb um Knickzahlen zu begeben. „Wir positionieren uns nicht primär als das Online-Portal, das sich über die maximale Reichweite vermarktet, sondern qualitative Kriterien in den Vordergrund stellt“, unterstreicht Bilanz-Herausgeber Balzer. So verstehe sich bilanz.de als „Meinungs- und Debattenforum, das hochwertige Inhalte liefert.“ Sein Kollege Boldt ergänzt: „Wir bieten mit unserem Kontributorenmodell ein im Vergleich zum Wettbewerb digital einzigartiges Angebot, das überdies eng mit welt.de kooperiert, einem der erfolgreichsten Nachrichtenportale überhaupt. Wir wollen mit Bilanz-Online nicht einfach Klicks hinterherjagen. Für uns stehen qualitative Kriterien wie Verweildauer, Abbruchraten, Engagement der Nutzer und natürlich ihre Zufriedenheit im Mittelpunkt. Diese Kriterien werden immer wichtiger für das Werbegeschäft”, sagt der ehemalige Journalist des zum Spiegel gehörenden Manager Magazins.

Derzeit sei das Portal nicht IVW-gemeldet. Dennoch will die Online-Chefin mehr Reichweite aufbauen, um die Webseite für Autoren als Plattform attraktiver zu machen. „Unser Ziel ist es, bis zum Jahresende die Zahl der Visits von derzeit 300.000 auf 500.000 zu steigern“, nennt Loos ihre ehrgeizigen Vorstellungen. Dazu hat die Web-Chefin 90 hochkarätige Kolumnisten verpflichtet. Ihre Zielmarke seien 200 Top-Autoren.

Unter der jetzigen Autorenriege finden sich bereits diverse namhafte Größen wie der US-Nobelpreisträger Paul Krugman und der französische Ökonom Thomas Piketty, der durch sein Buch „Das Kapital im Einundzwanzigsten Jahrhundert“ international bekannt wurde. Darin beschreibt er, dass Kapitalismus das Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich fördert. Auch namhafte Autoren aus dem deutschsprachigen Raum sind für das Portal tätig – darunter der Journalismus-Papst Wolf Schneider – sowie diverse namhafte frühere Chefredakteure wie Ex-Capital-Chef Ralf-Dieter Brunowsky oder Ex-Handelsblatt-Chef Bernd Ziesemer. Aber auch Frank-Jürgen Weise, Chef des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, ist mit von der Partie.

Viele Autoren nutzen die Debatten-Plattform vor allem zur Selbstdarstellung. Denn viel Geld können sie für ihre Beiträge nicht erwarten. „Das Honorarsystem sieht vor, täglich die fünf erfolgreichsten Artikel mit 30 Euro zu vergüten“, heißt es einer Mail an die Kolumnisten, die MEEDIA vorliegt. Doch Loos und Boldt versprechen, das die Autoren mehr verdienen können – wenn die Reichweite steigt und mehr Werbegelder reinkommen.

Wirtschaftlich steht die Online-Redaktion schon jetzt gut dar, da sie schlank aufgestellt ist. Neben der Online-Chefin bilden zwei Teilzeit-Kräfte das Digital-Team. „Das Portal arbeitet seit seinem Start im November 2015 profitabel“, sagt Balzer mit stolzer Stimme – vielleicht betont er dies auch deshalb, weil sein alter Arbeitgeber, das Manager Magazin, derzeit wirtschaftlich schwer mit seinem Online-Portal kämpft. Hier sollen aktuell mehrere Stellen dem Rotstift zum Opfer fallen.

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