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AfD-Sympathie zeugt von “geringem journalistischen Sachverstand”: DJV greift Landesverband Brandenburg an

DJV-Sprecher Hendrik Zörner attackiert den DJV Brandenburg
DJV-Sprecher Hendrik Zörner attackiert den DJV Brandenburg

Die Debatte um AfD-Politiker Alexander Gauland und das Boateng-Zitat aus der FAS sorgt bundesweit für Gesprächsstoff. Bereits in der vergangenen Woche wurde auch über die Arbeit der Sonntagszeitung diskutiert. Das tat auch der Landesverband Brandenburg des DJV, der sich auf die Seite Gaulands und der AfD schlug. Umgehend erklärte der Bundesverband seine Distanzierung und kritisierte den "Miniverband".

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Es ist für einen Berufsverband ein schon sehr merkwürdiges Stück, das Klaus D. Minhardt da im Namen des Deutschen Journalistenverbandes Brandenburg aufgesetzt hat. In seinem Blogeintrag “Der Shitstorm, der nach hingen losging” geht der Landesvorsitzende auf die Diskussionen um AfD-Politiker Alexander Gauland und das in der FAS wiedergegebene Boateng-Zitat ein, das derzeit bundesweit für Gesprächsstoff sorgt. Gauland soll der FAS gesagt haben, dass es Leute gäbe, die Boateng zwar als Fußballspieler bejubelten, ihn aber nicht gerne als Nachbarn haben würden. Das Zitat sorgte nicht nur inhaltlich für Diskussionen. Gestritten wurde auch darüber, ob dieser Satz in dem Hintergrundgespräch überhaupt gefallen sei.

Für Berufsverbände wie dem Deutschen Journalistenverband (DJV) ist die Positionierung in solchen Fällen quasi klar. Sofern den Medien kein Fehlverhalten vorgeworfen werden kann, gilt der DJV als Unterstützer. Dementsprechend reagierte auch der Bundesvorsitzende Frank Überall: “Ich habe keinen Grund, an der Aussage der beiden Journalisten der renommierten Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zu zweifeln, dass sie Gauland richtig zitiert haben“, so sein Kommentar.

Umso erstaunlicher wirkt die Reaktion des Landesverbandes um Minhardt, der den Medien Kampagnenjournalismus vorwirft. Das Zitat sei nämlich falsch ausgelegt worden. Es besage nicht, “dass Gauland etwas gegen den Nationalspieler hat, sondern stellt nur die Ressentiments in der Bevölkerung dar. Man muss schon sehr gewagt interpretieren, um das als Rassismus von Gauland zu sehen”, so Minhardt. Weiter kritisiert er die “Pseudoqualitätsmedien” Spiegel, Zeit und “unzählige weitere”, die journalistische Grundsätze “über Bord” werfen würden, sobald es um die AfD gehe. “Gleichzeitig zeigen sich die gleichen Medien völlig überrascht, dass sie immer öfters als Lügenpresse beschimpft werden.” Schließlich wirft Minhardt den FAS-Redakteuren selbst Ausländerhass vor: “Warum bringen die beiden Redakteure den Namen Boateng in ein Hintergrundgespräch ein? Geht es um dessen schwarze Hautfarbe? Handelt es sich nicht viel mehr um Rassismus der Journalisten? Jedenfalls instrumentalisieren die beiden Journalisten den Nationalspieler als völlig ungeeignetes Beispiel in einem Gespräch über Integrationsprobleme und Religionen.” Minhardts Text liest sich wie ein Kommentar eben jener Lügenpresseschreier, die ohne Argumentation und Belege die Berichterstattung infrage stellen.

Das ist nicht nur verwunderlich, sondern auch für den DJV an sich hochgradig gefährlich. Umgehend distanzierte sich der Bundesverband von den Äußerungen Minhardts in ebenso radikalerweise. “Dass ein Repräsentant des DJV Brandenburg sich öffentlich so äußert, als gehöre er zum AfD-Fanclub, zeugt von geringem journalistischem Sachverstand”, kommentierte DJV-Sprecher Hendrik Zörner. Minhardt spreche für “seinen Miniverband”, der innerhalb der Organisation “weder auffällt noch irgendeine Rolle spielt”. Nach Bundesverband-Angaben belaufe sich die Mitgliederzahl im DJV Berlin-Brandenburg auf unter 200.

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Die Reaktion macht die Animosität deutlich, die Bund- und Landesverband seit Jahren begleitet. Seit 2004 ist der DJV Brandenburg ein Dorn im Auge des Bundesverbandes. Im Landesverband hätten sich Leute eingeschlichen, deren journalistische Tätigkeit zweifelhaft sei, heißt es. Mitglieder hätten versucht, den Verband für eigene Zwecke zu missbrauchen. Darüber hinaus werden regelmäßig Details über die Stasi-Vergangenheit mancher Mitglieder bekannt. Zuletzt machte der Landesverband von sich Reden, als der Branchendienst kress über die Führung rätselte. So führe Minhardt den Verband aus dem Ausland, sein Stellvertreter Jörg Rittweger sei bereits seit 2013 tot.

Der intern entfachte Streit im Verband schaukelte sich so hoch, dass sich die Parteien sogar juristisch auseinandersetzten. Man wollte Brandenburg nicht mehr dabei haben, gründete stattdessen mit dem Journalistenverband Berlin-Brandenburg (JVBB) einen Gegenverband. Bislang blieb der Kampf gegen den unliebsamen Landesverband vergeblich. Der Beschluss, Brandenburg aus dem DJV auszuschließen, wurde von Gerichten gekippt. Vor einiger Zeit einigte man sich schließlich in einem Vergleich, dass Brandenburg bleiben darf. Für den DJV Bund eine herbe Niederlage.

(ms)

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