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Freiwilliger Jobverzicht von 111 Kollegen reicht nicht: Spiegel plant erste Kündigungen bereits im Juni

Spiegel-Geschäftsführer Thomas Hass muss einen weiteren Rückschlag im Bemühen um Print-Innovationen vermelden

Weiter Unruhe beim Spiegel: Das Verlagshaus will jetzt daran gehen, Teile des Rechnungswesens, Vertriebs, der Vermarktung sowie Werbung an externe Unternehmen und Dienstleister auszulagern. Dazu plant Spiegel-Geschäftsführer Thomas Hass entsprechende Ausschreibungen. Zudem sind trotz Vorruhestandsregelung die ersten Kündigungen bereits im Juni geplant. Dennoch versucht Hass, dies noch abzuwenden.

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Es wird ernst beim Spiegel-Verlag, die seit Monaten angekündigte Umstrukturierung hat Tempo aufgenommen. Obwohl viele Mitarbeiter das Vorruhestands-Modell angenommen haben, kommt Spiegel-Geschäftsführer Thomas Hass nicht um Kündigungen umhin. „Die ersten Kündigungen sind bislang für den Juni geplant. Derzeit beraten wir aber noch mit dem Betriebsrat, inwieweit sich zur Erleichterung der Sozialplanverhandlungen Kündigungen noch im Juni vermeiden lassen“, erklärt eine Verlagssprecherin gegenüber MEEDIA.

Die Kündigungen sind notwendig, obwohl viele Mitarbeiter die Modelle für den erweiterten Vorruhestand „sehr gut angenommen“ hätten, erklärt der Spiegel. „Innerhalb der Zeichnungsfrist, die am 31. März endete, haben 111 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein entsprechendes Angebot unterschrieben. Knapp 80 der künftigen Vorruheständler wären in ihren Bereichen von Agenda-Maßnahmen betroffen gewesen“, so eine Verlagssprecherin. Darüber hinaus würden durch den Vorruhestand und durch Fluktuation auch Stellen außerhalb der Restrukturierungs-Maßnahmen frei, die nachbesetzt werden sollen. Dabei handele es sich voraussichtlich um rund 25 Vollzeitstellen. „Es ist für uns selbstverständlich, dass wir diese Stellen so sozialverträglich wie möglich besetzen, also möglichst mit Kollegen, die ihrerseits von Kündigung bedroht sind“, erklärt die Unternehmenssprecherin.

Doch der bisher von Thomas Hass erreichte Stellenabbau ist nur ein Teil des geplanten Sparpakets unter dem Namen Agenda 2018, mit er die Kosten jährlich um 15 Millionen Euro drücken will. So erwägt Hass auch, Teile des Rechnungswesens, Vertriebs, der Vermarktung sowie der Werbung an externe Dienstleister auszulagern. Damit würden Arbeitsplätze aus dem Spiegel-Reich abwandern. Welche der genannten Bereiche hiervon wie stark betroffen sind, ist aber noch unklar. Die Belegschaft ist deshalb weiter verunsichert, wer seine berufliche Zukunft bei einem anderen Arbeitgeber findet. Sicher sei lediglich, dass durch die Auslagerungen nicht mehr als die bereits 149 Stellen wegfallen sollen, die der Verlag genannt hat. „Die von den Outsourcing-Maßnahmen betroffenen Arbeitsplätze gehören zu den 149 Vollzeitstellen, die im Rahmen der Spiegel-Agenda wegfallen“, erklärt eine Firmensprecherin. Und weiter: „Zu anderen – so zu den möglichen Outsourcing-Maßnahmen im Rechnungswesen, im Vertrieb, in der Vermarktung, in der Werbung – erstellen wir gerade die Leistungsbeschreibungen für die Aufgabenfelder, die wir auslagern wollen, oder sind wir bereits in der Ausschreibungsphase“, heißt es. Konkretere Aussagen könne der Verlag derzeit nicht treffen. „Entscheidungen über neue externe Dienstleister sind noch nicht gefallen“, heißt es aus dem Unternehmen.

Die Spiegel-Führung soll bereits seit längerem Gespräche mit dem Spiegel-Minderheitsgesellschafter Gruner + Jahr sowie dem Münchener Medienkonzern Burda führen, Teile des Back Offices in der Spiegel-Vermarktung zu übernehmen. Über den Stand der Gespräche ist bislang wenig an die Öffentlichkeit gedrungen.

Für den Spiegel-Verlag könnten die Auslagerungen allerdings teuer werden. Denn fraglich ist, ob das Traditionshaus an der Ericusspitze gegenüber den externen Dienstleistern Garantien abgeben muss, damit die übernommenen Mitarbeiter bei dem neuen Arbeitgeber langfristig angestellt bleiben – und möglicherweise auch zu den gleicheren Gehaltskonditionen.

Unterdessen verlassen bei dem zum Spiegel-Verlag gehörenden Wirtschaftsmagazin Manager Magazin zwei hochkarätige Journalisten das Blatt. So kehrt Klaus Werle dem Magazin den Rücken und wechselt nach MEEDIA-Informationen zur Kommunikationsagentur C3, dem Zusammenschluss aus KircherBurkhardt und Burda Creative. Werle, der seit April 2004 für das manager magazin arbeitet, schreibt unter anderem über Karriere-Themen. Auch die ehemalige FTD-Journalistin Astrid Maier geht. Sie schrieb hier vor allem über IT- und Telekommunikationsthemen. Ein Spiegel-Sprecher bestätigt, dass Werle und Maier das Unternehmen verlassen. Das manager magazin steht derzeit unter Spardruck. Chefredakteur Steffen Klusmann muss vor allem beim Online-Auftritt sparen. So sollen hier drei Mitarbeitern ein Abfindungsangebot unterbreitet werden, damit sie das Unternehmen freiwillig verlassen.

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