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EU-Vorschläge zu Ausweitung der Primetime-Werbezeiten: RTL will “mit Augenmaß” entscheiden

Anke Schäferkordt war Co-CEO der RTL Group und leitet die Mediengruppe RTL Deutschland
Anke Schäferkordt war Co-CEO der RTL Group und leitet die Mediengruppe RTL Deutschland

In der TV-Werbung brechen goldene Zeiten für Vermarkter und Agenturen an. Die EU-Kommission will Sendern wie RTL oder Pro Sieben Sat.1 erlauben, längere Werbeblöcke zur Primetime zu zeigen. Doch der Vorschlag aus Brüssel stößt in der TV-Branche auch auf Vorbehalte: Die Sender könnten hierdurch ihre Zuschauer eher vergraulen und ihre Reichweite gefährden. Fazit: Man will mit "Augenmaß" agieren.

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Es ist sein Comeback im deutschen Fernsehen. Zur besten Sendezeit kehrt Show-Titan Thomas Gottschalk am kommenden Sonntag mit „Mensch Gottschalk – das bewegt Deutschland“ wieder auf die heimischen Bildschirme zurück. Für die Mediengruppe RTL ist die dreistündige Sendung ideal, um mit mehreren Werbeblöcken richtig die Kasse klingeln zu lassen. Künftig kann sich die TV-Gruppe aus Köln auf noch größere Vermarktungserlöse freuen, wenn die EU-Kommission mit ihrem Vorschlag durchkommen sollte, den Sendern noch mehr Werbeeinspieler zur besten Sendezeit ab 20.15 Uhr zu erlauben. Denn voraussichtlich ab 2018 soll es dann den Fernseh-Stationen möglich sein, Filme und Shows alle zwanzig Minuten zu unterbrechen. Auch die Werbeminuten sollen ausgeweitet und nicht mehr auf zwölf Minuten begrenzt werden.

Was für die Sender fast einem paradiesischen Zustand gleicht, könnte schnell ins Gegenteil umschlagen. Denn sollten RTL und Pro Sieben Sat 1 ihre Werbeblöcke zur besten Sendezeit ausdehnen, drohen ihnen die Zuschauerzahlen wegzubrechen. „Falls in der Primetime zu viel Werbung läuft, steigen die Zuschauer aus. Entweder verschieben sich dann die Zeitkurven der Primetime – oder Nutzer laufen vollends zu Netflix und Co. über. Vor allem jene, die Serien und Blockbuster lieben“, meint Joachim Weidemann, TV- und Internetspezialist bei der Unternehmensberatung Bartholomäus & Cie. gegenüber MEEDIA.

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Die Sendergruppe RTL begrüßt zwar grundsätzlich den Vorschlag der EU-Kommission wenig, will aber erst später entscheiden, wie sie damit umgehen wird. „Bis die Richtlinie tatsächlich novelliert und ins deutsche Recht umgesetzt ist und die Änderungen somit vermarktungsrelevant, wird noch einige Zeit vergehen. Mit Bestimmtheit sagen lässt sich aber schon jetzt, dass die Grundlage unserer Finanzierung auch in Zukunft die Aufmerksamkeit des Zuschauers sein wird – und es liegt uns sehr fern, diese zu gefährden“, erklärt eine RTL-Sprecherin auf MEEDIA-Anfrage. Der Sender freue sich sehr über eine größere Flexibilität, auch teure Produktionen besser refinanzieren zu können. Dennoch wolle die TV-Gruppe „bei der Platzierung der Werbung aber immer Augenmaß zeigen“, ergänzt die RTL-Sprecherin. Ähnlich sieht dies auch der RTL-Konkurrent Pro Sieben Sat 1: “Wir achten grundsätzlich darauf, unsere Werbeblöcke so zu planen, dass sie sich möglichst harmonisch in das Programm einfügen. Daran ändert sich auch in Zukunft nichts”, erklärt ein Unternehmenssprecher.

Berater Weidemann sieht die TV-Macher durch die Neuregulierung der AVMD-Richtlinie zudem einem größeren Konkurrenzdruck ausgesetzt. „Die Kommission stellt Video-Anrufdienste wie Netflix und Videoplattformen wie You Tube und Dailymotion zunehmend den traditionellen Fernsehsendern gleich. Dadurch erwächst gerade für die Fernsehsender der Wettbewerbsdruck, da bei digitalen Formaten die Messung der Reichweite von Werbung – trotz einer gewissen Grauzone – sehr transparent ist“, meint der Experte.

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Alle Kommentare

  1. Wenn man in NRW neben Eutelsat noch Astra2 auf 28 Ost dranschraubt kriegt man BBC-HD und eine ganze Menge FreeTV-Sender aus Großbritannien.

    Schön ist die Formatierung auf ganze Stunden bei den meisten Sendungen. Da gibts halt keine 20:00-20:15 Nachrichten.
    Wichtiger und mein Grund für das Posting ist aber: 40minütige TV-Serien sind meist 4 Teile und dazwischen Werbung. D.h. unter 15 Minuten im Durchschnitt pro Segment. Manche Teile sind länger, manche kürzer und meist beginnen/enden die Folgen zur ganzen Stunde und dazwischen ist auch Werbung.

    Wie passt das zu den anderen Berichten ?
    VIVA Polen ist evtl auch werbefrei. Wie sehen dort die Unterbrecher-Werbungen aus ?
    “Filme und Shows” ist vermutlich etwas zu schnell übersetzt. “Das Programm” passt vermutlich besser oder was wären Ausnahmen laut EU-Vorgabe wo mehr oder weniger Werbung häufiger oder seltener geschaltet werden darf ? Was ist mit Dauer-Werbe-Sendungen ?

    Was ich mir schon vor vielen Jahren dachte, spricht RTL aber jetzt aus: Wenn man mehr Werbeflächen hat, werden diese wohl billiger. Denn die Werbebudgets der Konzerne bleiben gleich groß, aber dafür zeigt man mehr Werbeminuten. Andererseits können kleinere Kunden vielleicht eher Werbung schalten. Daher (Bäckereien, Brillengeschäfte, Autohäuser,…) gibts ja auch die Lokal-Radios und (überraschend viele) Lokal-TV-Sender auch auf Satellit.
    Wer mal RTL CH oder RTL AU für Schweiz bzw. Österreich einschaltet erkennt, das viele Werbespots mit Landes-Dialekt eingesprochen wurden. Auch gibts viele Werbung für dortige Mobilfunk-Provider usw.
    Aber da es kein RTL-Norddeutschland oder pro Bundesland gibt, macht es dann für z.b. Kabel-TV-Werbung Sinn, Bundeswerbung zu schalten wenn die nur in manchen Bundesländern aktiv sind ? Oder kann man per DVB-T2 demnächst lokale Werbespots schalten ? Das wäre ein Äquivalent zu den Lokal-Radios weil eine DVB-T2-Antenne vielleicht etwa ein Landkreis-Gebiet abdeckt.
    Mehr Erdöl-Angebot durch US-Fracking hat die Ölpreise ja vermutlich auch verfallen lassen und manche Erdöl-Staaten haben große Probleme.
    Mehr Werbeminuten sind vielleicht nicht wirklich hilfreich und das endet dann so bald vielleicht die Benziner wenn die bezahlbaren E-Autos endlich verfügbar sind und Benziner so beliebt sind wie Trabbis nach dem Mauerfall oder damals als Tasten-Handies oder Plattenspieler nicht mehr angesagt waren.

    Ich würde die Sender und Zuschauer ja jeweils pro Land abstimmen lassen und pro Land dann z.b. alle 3 Monate etwas mehr oder weniger oder anders Minuten erlauben und dann mal sehen und vielleicht monatlich abstimmen was ratz fatz programmiert wäre. Manches sind ja jahrzehntelang angewöhnte Dinge und vielleicht eher pro Mitgliedsland separat zu regeln.
    Zentral regeln hingegen könnte man das Werbung nicht lauter werden darf als der Ton in der Sendung oder das die KonversionsKette/Sprachen oder bei DokuSoaps aber auch DSDS oder Supermodel Monat/Jahr der Aufnahme dranstehen sollte. “Produziert in HD” ist ziemlich nichtsagend und USA 30fps-Sendungen sollten hier auch in 30fps ausgestrahlt werden und bei Wiederholungen auf RTL+ oder Kabel1-Classic oder im Sommer die vielen vielen Wiederholungen wüsste man schon gern von wann das ist und zwar auch vorher im EPG oder TV-Programm. Bei TV-Serien ist das ja ganz normal. Bei Lebensmitteln steht ja auch drauf was drin ist.
    Auch sollten Astra und Eutel erklären nach Presse-Anfragen, das die Lokalsender ohne Aufpreis EPGs einspielen dürfen. Oft läuft ja Dauerwerbung und man weiss dann nicht wann was läuft und kann ohne EPG den Lokalsender auch nur schlecht programmieren. Durchzappen auf dem heimischen Sat-Receiver zeigt das schnell und die Kontaktadresse der Sender dürfte ein Redakteur schnell finden.

    Unschön ist, das die Sender einer Familie oft tun als ob sie Konkurrenz sind und man daher nicht mitbekommt was 1-2 Plätze weiter auf dem Kanal läuft und wo man vielleicht lieber hinzappen würde. “Sendungs-Hinweise” sollten also nicht als Werbung gelten wenn man alle anderen Sender der Familie auch auflistet. Demnächst ist PAL ja vorbei und FullHD normal. Da ist dann also Platz genug dafür auf dem Bildschirm.

    In Verbindung mit T2 müsste man den Leuten beibringen, wie Timeshift funktioniert und wie schön man sich das Leben mit einem Supermarkt-10…16-Euro-USB-Stick am Fernseher oder T2-Receiver machen kann und auch die guten Sachen von nachts aufgenommen bekommt und immer was brauchbares zu gucken hat.

    Piraten, IHKs, Verbraucherschutz und Volkshochschulen könnten sowas realisieren und dem Volk die T2-Technik beliebt weil brauchbar bringen… Leider wird diese schöne Gelegenheit vermutlich ungenutzt verstreichen und Fernsehen viele leider weiter vermeidbar nerven 🙁

  2. Ich denk das Vergraulen funktioniert allein schon mit “Gottschalk” und “drei Stunden”, da braucht’s gar keine Werbung mehr.

    @ Timeshift für alle: siehe mein Post zu “Anstalt zur Primetime”. Es sollte doch heutzutage sowas von egal sein, wann eine Sendung ausgestrahlt wird und wieviel Werbung sie hat. Wird einfach alles weggespult…

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