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Springer-CEO Döpfner zum Streit mit Erdogan: “Ich stehe zu jedem Wort und jedem Komma, das ich geschrieben habe”

“Die Menschen wollen das einfach nicht mehr lesen”: Mathias Döpfner, seit 2002 Vorstandschef von Axel Springer, kritisiert eine “unheilige Nähe” von Journalisten zur Politik
"Die Menschen wollen das einfach nicht mehr lesen": Mathias Döpfner, seit 2002 Vorstandschef von Axel Springer, kritisiert eine "unheilige Nähe" von Journalisten zur Politik

Bei der Vorstellung der Quartalszahlen äußerte sich Axel Springer Vorstandschef Mathias Döpfner auch zum Rechtsstreit mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan. Er bereue nichts und stehe zu jedem Wort, das er geschrieben hat, so Döpfner. Der Springer CEO hatte sich das umstrittene Schmähgedicht des ZDF-Moderators Jan Böhmermann zu eigen gemacht. Die Springer-Zahlen fürs 1. Quartal waren einmal mehr sehr gut. Der operative Gewinn (EBITDA) kletterte um 5,2 Prozent auf 125,9 Mio. Euro. Der Umsatz war durch Entkonsolidierungseffekte geprägt und stagnierte daher mit 0,4  Prozent Wachstum bei 783,4 Mio. Euro.

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„Selbstverständlich bereue ich nichts, um mit Edith Piaf zu sprechen. Ich stehe zu jedem Wort und jedem Komma, das ich in meinem Brief an Herrn Böhmermann geschrieben habe. Das ist eine Selbstverständlichkeit für einen Journalisten und Medienschaffenden”, sagte Springer-Chef Döpfner bei der Vorstellung der aktuellen Konzernzahlen. Der türkische Staatspräsident Erdogan geht juristisch gegen Döpfner vor, weil dieser sich den Inhalt des umstrittenen Schmähgedcihts von Jan Böhmermann in einem offenen Brief für die Springer-Zeitung Die Welt zu eigen gemacht hat. Eine Einstweilige Verfügung, die Erdogans Anwalt Ralf Höcker erwirken wollte, wurde indes vom Landgericht Köln abgelehnt. Döpfner: „Ich freue mich über die erstinstanzliche Entscheidung und beobachte das weiter mit staatsbürgerlicher Neugier.“

Was die Zahlen betrifft konnten Döpfner und Finanzvorstand Julian Deutz nur Gutes berichten. Weil das digitale Geschäft zunehmend international ist, erwirtschaftet Springer mittlerweile fast die Hälfte seines Umsatzes im Ausland (48 Prozent). Zu den erwähnten Entkonsolidierungseffekten gehörten vor allem, dass die Schweizer Aktivitäten von Springer in die Ringier Axel Springer Schweiz AG eingebracht wurde und nun in der eigenen Bilanz fehlen. Außerdem schlugen der Verkauf von der TV-Produktionsfirma Talpa Germany und Smart AdServer in Frankreich zu Buche. Bereinigt um Konsolidierungs- und Währungseffekte verzeichnete Axel Springer einen Umsatzanstieg von 4,6 Prozent.

Der Gewinnanstieg liegt vor allem am gut laufenden Geschäft mit Online-Rubrikenanzeigen. Die Rubrikenangebote steigerten den Umsatz im ersten Quartal um 20,9 Prozent auf 212,9 Mio. Euro. Das EBITDA des Segments stieg um 18,4 Prozent auf 83,2 Mio. Euro. “Die Rubrikenanzeigen bleiben der Wachstumsmotor bei Axel Springer”, sagte Finanzvorstand Deutz. Dazu gehören u.a. die Job-Plattform Stepstone und sie Immobilienportale  Seloger in Frankreich und Immowelt.

Schwergängiger läuft es mit dem Geldverdienen wie üblich im Journalismus, der bei Springer unter “Bezahlangebote” geführt wird. Der Umsatz ging in den ersten drei Monaten um 5,5 Prozent auf 340,8 Mio. Euro zurück. Rechnet man das weggefallene Schweiz-Geschäft heraus, beläuft sich der Umsatzrückgang aber nur auf 1,1 Prozent. Das EBITDA der Bezahlangebote ging um 14,7 Prozent auf 37,1 Mio. zurück. Als Grund führt Springer hier Investitionen in den Business Insider und Upday an. Der Business Insider, der Newsaggregator Upday in Kooperation mit Samsung sowie das US-Geschäft der Bonial-Gruppe sind gleichzeitig die Hoffnungsträger in Sachen Wachstum in diesem Segment. Upday konnte nach wenigen Wochen bereits über eine Million Unique User verzeichnen, sagte Döpfner. Bild und Die Welt verzeichneten zudem aktuell 394.000 zahlende Digital-Abos. Ohne die Investitionen wäre das operative Ergebnis leicht angestiegen, teilt der Medienkonzern mit. Die nationalen Angebote um Bild- und Welt-Gruppe haben ihr operatives Ergebnis um 10,3 Prozent auf 38,3 Mio. Euro verbessert. Die nationalen Vertriebserlöse sanken dabei allerdings um 3,5 Prozent, die nationalen Werbeerlöse stagnierten bei +0,2 Prozent.

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Weil die journalistischen Unternehmungen im Internet monetär noch nicht so rund laufen, die internationalen Bezahlangebote verzeichnen einen leichten – investitionsbedingten – Verlust von 1,1 Mio. Euro, verwies Vorstandschef  Mathias Döpfner lieber auf hohe Reichweiten statt auf Renditen: “Mit unseren digitalen Angeboten erreichen wir mittlerweile weltweit 200 Millionen Nutzer. Drei Viertel unserer Nutzer entfallen auf unsere journalistischen Marken. Diese starke Reichweite wollen wir weiter ausbauen.” Am morgigen Donnerstag startet eine polnische Version des Business Insider, später im Jahr ist eine nordische Version für die skandinavischen Länder in Kooperation mit dem schwedischen Verlagshaus Bonnier angekündigt. In den USA soll der Business Insider außerdem bald um das General Interest-Angebot Insider erweitert werden. Die neue Marke, die sich um Lifestyle-Themen kümmert wurde bereits im Zuge eines Soft-Launches in den sozialen Netzwerken eingeführt. 

Unterm Strich blieben im Gesamtkonzern im ersten Quartal bereinigt mit 65,3 Mio. Euro 13,3 Prozent mehr hängen als im Vergleichsquartal des Vorjahres. Mit Sondereffekten, wie den angesprochenen Verkäufen, lag der Konzernüberschuss sogar bei 209,4 Mio. Euro.

Noch mehr Geld: Nach Abschluss des Quartals hat die Funke-Mediengruppe am 29. April vorzeitig die komplette Rückzahlung des Verkäuferdarlehens für den Erwerb der Regionalzeitungen sowie der Programm- und Frauenzeitschriften aus dem Jahr 2014 in Höhe von rund 260,3 Mio. Euro inklusive Zinsen an Axel Springer geleistet.

(swi)

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Alle Kommentare

  1. “Ich stehe zu jedem Wort und jedem Komma, das ich geschrieben habe.”

    Tja, damit geht’s ihm doch schon mal besser, als vielen Journalisten:

    Die müssen nämlich sogar zu jenen Kommata stehen, welche sie *nicht* geschrieben haben – und das viel öfter. 🙂

    Ok, zu Thema:

    Döpfner ist für mich persönlich nicht gerade der größte Sympathieträger, was aber eher seiner Firma und Position in ebendieser geschuldet ist.

    Ansonsten halte ich ihn aber in diesem Punkt (Böhmermann) für glaubwürdig und ehrlich.

    Döpfner steht damit wirklich wie ein Leuchtturm in der Landschaft der Medien-CEOs und das aber nur deshalb, weil (kaum) andere Leuchttürme in diesem Bereich da sind.

    Ja, so trennt sich also selbst bei dueser Klientel die Spreu vom Weizen.

    Selbst Böhmermanns Arbeitgeber, das ZDF, welches ihm ja immerhin den Anwalt bezahlt, hat es andererseits aber doch sorgsam vermieden, sich so eindeutig (und glaubhaft) zu äußern wie Döpfner.

    Wenn man die Erklärung des ZDF liest und dann Döpfners, dann sieht man doch sehr deutliche Unterschiede.

    Döpfner zeigt nicht nur Stand Vermögen, sondern auch Charakter. Das gefällt mir. 🙂

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