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Rückzieher vom Servus TV-Aus: Spekulationen um abgekartetes Spiel von Red Bull-Boss Mateschitz

Eine Posse, ein chaotisches Hickhack mit einem guten Ende für die Medienlandschaft oder gar ein schlauer Schachzug von Red Bull-Patron Mateschitz? Nach der Rücknahme der Kündigungen und des Entschlusses, den Sendebetrieb von Servus TV wie gehabt weiterlaufen zu lassen, beginnt nun die mediale Aufarbeitung. Dabei spekuliert der Standard mittlerweile sogar darüber, dass es sich um ein abgekartetes Spiel des Milliardärs handeln könnte.

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Am Dienstag sah der ganze Komplex noch nach einer klassischen buchhalterischen Entscheidung aus. In einer ersten Pressemitteilung wurde das Ende des Senders mit dem Umstand erklärt, dass er „wirtschaftlich untragbar“ sei. Seit dem Start 2009 habe man Jahr für Jahr einen fast dreistelligen Millionenbetrag hineingepumpt, doch eine positive Entwicklung sei auch nach sieben Jahren nicht abzusehen. Daher gebiete es die „Sorgfaltspflicht eines ordentlichen Geschäftsmannes“, einen Strich zu ziehen.

Hörte sich alles plausibel an. Doch dann kamen schnell erste Gerüchte auf, dass nicht der mangelnde wirtschaftliche Erfolg, sondern eine geplante Betriebsratsgründung Mateschitz zur Sendereinstellung getrieben hätte. Dass in dieser Hinsicht etwas im Busch war, bestätigte er selbst: Per anonymer Mail, betrieben von Gewerkschaft und AK, seien die Mitarbeiter dazu befragt worden. Das würde aber den Sender, der auf den Grundpfeilern der Unabhängigkeit und Unbeeinflussbarkeit ruhe, beschädigen, argumentierte er. „Dass diese Vorgehensweise bei der Entscheidung in der aktuellen Situation nicht gerade dienlich war, ist evident.“

Noch am Dienstag unterschrieben daraufhin über 200 Mitarbeiter einen Offenen Brief gegen einen Betriebsrat. „Die anonyme Umfrage über die mögliche Gründung eines Betriebsrates unterstützen wir – und das ist die überwältigende Mehrheit aller Mitarbeiter von ServusTV – ausdrücklich nicht“, hieß es darin. „Wir wollen und brauchen keinen Betriebsrat.“

Am Mittwoch traf der 71-jährige Mateschitz dann Gewerkschaft und Arbeiterkammer. Es sei ein „konstruktives Gespräch“ gewesen, ließ der Konzern danach in einer Aussendung wissen. Er verwies auf den Mitarbeiterwillen contra Betriebsrat, und „im Gespräch mit AK und ÖGB wurde diese Haltung der Belegschaft respektiert und damit bestehende Vorbehalte beseitigt“. Damit sei auch die „Fortsetzung der partei-politischen unabhängigen Linie“ von „allen Beteiligten begrüßt“ worden. Und dann folgten in der mit „Positive Wendung Servus TV“ betitelten Aussendung die erlösenden Worte: „Red Bull führt daher den Sender weiter, und die Kündigungen werden zurückgenommen.“

Mit dieser Pressemitteilung ist der Fall aber mitnichten erledigt. Denn jetzt beginnt die Debatte um die Hintergründe. Der Standard bringt gleich mögliche Varianten ins Spiel. So hätte ein abruptes Ende auch immense Kosten verursacht. Denn Servus TV hat, wie jede große Fernsehstation, eine Vielzahl an laufenden und teuren Lizenz-Verträgen. Die hätte man für viel Geld ausbezahlen müssen, ohne das denen noch – selbst geringe – Einnahmen aus dem Fernsehgeschäft gegenübergestanden hätten.

Als zweite Variante berichtet die Zeitung aus Wien, dass es Gerüchte gebe, dass es sich eigentlich um ein abgekartetes Spiel von Mateschitz handelt. Mit seinem Vorgehen hätte er erreicht, dass es bei seinem Sender niemals einen Betriebsrat gebe.

Mit Material von dpa

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