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„Liebes Bildblog, ich hab grad Zeit…“ – B.Z.-Chef Huth und das Bildblog streiten über altes Nazi-Video der Jungen Union

B.Z.-Chef Peter Huth (r.) gibt Bildlog-Chef Mats Schönauer Journalismus-Tipps auf Facebook

Die Berliner Boulevardzeitung B.Z. berichtete am gestrigen Mittwoch auf der Titelseite über ein elf Jahre altes Video, das Jungpolitiker der CDU zeigt, wie sie eine Art Nazi-Party feiern. Das Ganze war 2008 schon einmal Thema in der Bild, neu ist nun, dass der B.Z. das Video vorliegt. Das Bildblog kritisiert die erneute Berichterstattung, worauf B.Z.-Chefredakteur mit einem ironischen Brief auf Facebook reagiert.

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Liebes @bildblog, lieber @Mats Schönauer (Chefredakteur des Bildblog, Anm.d.Red.). Ich hab grad Zeit und gebe gerne etwas von meinem reichen Wissensschatz über Journalismus an einen jungen, eifrigen, Kollegen weiter. Behandeln wir heute mal das Thema „Nachdrehe“ an einem aktuellen Beispiel.“ So beginnt Peter Huth seinen offenen Brief bei Facebook. Im Anschluss referiert er noch einmal die Ereignisse, die zu der B.Z.-Zeile „Die Nazi-Party der CDU Jungstars“ geführt hatten und betont, dass es sich um eine klassische „Nachdrehe“ gehandelt habe:

Wir veröffentlichten daraufhin in der BZ das komplette Transkript des Videos und titelten u.a. in durch jede Nerdbrille perfekt lesbarer Größe: „BZ liegt das Video vor, über das seit Jahren in der CDU gemunkelt wird“. Das Video selbst wurde bei BILDplus gezeigt – der Inhalt war damit zum ersten Mal öffentlich.

Die Reaktionen waren auch interessant. Anders als 2008 überschlug sich der Club der Kinderlandverschickten nun mit Selbstbezichtigungen, gar – Zerfleischungen. Selbst Frank Henkel konnte zu einem Statement bewegt werden! Die Opposition hat angekündigt, „kritisch“ nachzufragen!

Und sehen Sie, Herr Schönauer, das nennt man dann eine „Nachdrehe“ – einen, vielleicht sogar schon länger zurückliegenden Vorfall, weiter zu erhellen (richtig, das Video!) und die Reaktionen darauf abzubilden (genau: Das was gestern und heute in der B.Z. stand)!

Am Ende bietet Huth dem Bildblog-Macher Schönauer dann noch ein Praktikum in der B.Z.-Redaktion an, falls dieser „mehr über den spannenden Beruf des Journalisten“ lernen möchte. Unwahrscheinlich, dass Schönauer das Angebot annimmt.

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Schönauer selbst hat gestern beim Bildblog unter der Überschrift „Nazi-Skandal Reloaded“ die erneute Berichterstattung der B.Z. und in der Folge anderer Medien zu dem „Nazi-Video“ kritisiert:

Von mit Hakenkreuzen beschmierten Oberkörpern ist immerhin nichts mehr zu lesen, denn diesmal haben die Springer-Leute sich das Video sogar angeschaut, bevor sie darüber geschrieben haben, was im Grunde auch die einzige Neuigkeit ist.

Aber weil die beteiligten JU-Mitglieder inzwischen wieder in der Partei aktiv sind, haut die „B.Z.“ ihnen den Skandal einfach noch mal um die Ohren.

In der ersten Berichterstattung 2008 hatte die Bild noch fälschlicherweise geschrieben, die JU-Politiker seien in dem Video zu sehen, wie sie ihre Oberkörper mit Hakenkreuzen beschmieren. Das war aber nicht der Fall. Auch darüber hatte das Bildblog bereits berichtet. Die Kritik des Bildblog an der erneuten Berichterstattung rief schon vor dem Brief Huths eine Reaktion von Bild-Digital-Chefredakteur Julian Reichelt hervor:

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