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Zwischen Social Media und Partei-TV: die mediale Parallelwelt der FPÖ als Vorbild für die AfD

FPÖ-Chefideologe Norbert Hofer hat gute Chancen auf Wahlerfolg
FPÖ-Chefideologe Norbert Hofer hat gute Chancen auf Wahlerfolg

Der fulminante Sieg der rechtspopulistischen FPÖ in der ersten Runde der österreichischen Bundespräsidentenwahl ist auch das Ergebnis einer ausgeklügelten Kommunikationsstrategie. Längst hat die ehemalige Haider-Partei ihre eigenen Medien aufgebaut, beobachtet Handelsblatt-Kolumnist Hans-Peter Siebenhaar. Die Partei sei "ein Beispiel, das die großen Parteien in Österreich das Fürchten lehrt".

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Von Hans-Peter Siebenhaar

In den Siebziger- und Achtzigerjahren des 20. Jahrhundert sprossen überall linke Stadtzeitungen und alternative Zeitschriften aus dem Boden. Sie waren sozusagen die mediale Sperrspitze der linken Gegenöffentlichkeit. In den Köpfen der Post-APO-Zeiten spukte schon damals die Idee der „Lügenpresse“ umher. Den etablierten Medien schlug daher Misstrauen und oftmals Ablehnung entgegen. Verschwörungstheorien um Konzerne und Geheimdienste zur Erklärung komplexer Zusammenhänge hatten Hochkonjunktur. Mit Hilfe dieser damals viel kritisierten Gegenöffentlichkeit hatte es später die neue Partei der Grünen in Zeiten der Anti-Atom- und Friedensbewegung leicht, Zugang zu ihren Unterstützern und Wählern zu finden. Die klassischen Medien, welche die Partei in ihrer Anfangszeit oftmals links liegen ließen, spielten damals nur eine Nebenrolle. Die linke Gegenöffentlichkeit und die damalige Anti-Partei bildeten eine erfolgreiche Symbiose, welche die Grünen letzten Endes bis in die Etagen der politischen Macht hievte.

Rund vier Jahrzehnte später wiederholt sich dieser Effekt von rechts – wenn auch in einer komplett anderen Medienwelt. Die rechtspopulistische Partei FPÖ und ihre fulminanter Sieg in der ersten Runde der österreichischen Bundespräsidentenwahl wären ohne ihre mediale Gegenwelt nicht vorstellbar.

Norbert Hofer, Chefideologe der ehemaligen Haider-Partei, hat bei der Stichwahl am 22. Mai gute Chance auf das höchste Amt in der Alpenrepublik. Lange wurde das „FPÖ TV“ oder der Kanal „Österreich zuerst“ von Medien-Profis belächelt. Doch seit dem Wahlerfolg des Chefideologen der islamfeindlichen Partei ist plötzlich anders.

Dabei kommen die Medienerfolge gar nicht überraschend. Die FPÖ hat über Jahre ihre alternativen Medienkanäle erfolgreich entwickelt. Die Partei, die auch Islamkritik und Europaskeptizismus setzt, hat eine mediale Parallelwelt geschaffen, in der sich ihre Anhänger in ihren Haltungen permanent bestärken können. Sie hat eine Community geschaffen. Auf Facebook hat am Montag beispielsweise Wahlgewinner Hofer seinen „Freunden“ mitgeteilt, dass er sich nach dem Wahltriumph einen Tag frei genommen hat. „Heute habe ich einen freien Tag und bin gerade vom Rudergerät gestiegen. Der Nachmittag gehört der Familie“, verrät der in zweiter Ehe verheiratete Dritte Nationalratspräsident aus dem Südburgenland seiner Community. Für das „blaue Wunder“ bei der Bundespräsidentschaftswahl – Blau ist die Farbe der FPÖ – hatte sich Hofer bei seinen Anhängern auf Facebook zuvor 11000 Gefällt-mir abgeholt.

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Mit ihrem bisweilen auch unkonventionellen Vorgehen sind die österreichischen Rechtspopulisten quasi das Vorbild für die Alternative für Deutschland (AfD). Der Wahlkampf-Rapsong „Steht auf, wenn ihr für HC seid“ – gemeint FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache – zur vergangenen Parlamentswahl 2013 hat es bislang auf knapp 1,2 Millionen Abrufe bei Youtube geschafft. Wann die erste AfD-Politikerin oder -Politiker zum Mikrofon greift, ist quasi nur noch eine Frage der Zeit.

Während das mediale Imperium von Volksparteien wie der SPD (Vorwärts) oder der CSU (Bayernkurier) über Jahrzehnte immer weiter geschrumpft ist, spielen andere nahezu perfekt auf der Klaviatur des digitalen Medienzeitalters. Die österreichische FPÖ ist dafür ein Beispiel, das die großen Volksparteien in Österreich bereits das Fürchten lehrt.

 

Dieser Artikel erschien zuerst bei Handelsblatt.com

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Alle Kommentare

  1. Zitat:
    Während das mediale Imperium von Volksparteien wie der SPD (Vorwärts) oder der CSU (Bayernkurier) über Jahrzehnte immer weiter geschrumpft ist, spielen andere nahezu perfekt auf der Klaviatur des digitalen Medienzeitalters.
    Zitat Ende

    Sehr geehrter Herr Siebenhaar,

    sicherlich handelt Ihr nächster Artikel genau von den Beteiligungen der Linkspopulistichen(!) SPD an den verschiedenen Medienunternehmen.
    Darauf bin ich wirklich gespannt, denn der Artikel endet dann nicht schon nach ein paar Zeilen.
    Die Auflistung aller SPD Beteiligungen hat immerhin 74 Din A4 Seiten!

    P.S.
    Eine Briefkastenfirma in Hongkong ist im übrigen auch mit dabei!

    Vielen Dank im übrigen für diese “neutralen Informationen” Ihrerseits!

  2. Wer oder was ist Meedia ????

    Wenn diese Seite nicht ab und zu bei Kopp Online verlinkt wäre,würde sie auch keiner kennen.
    Winterbauer und jetzt noch Siebenhaar, wer hat diesen Leuten nur so fürchterlich ins Hirn getreten???
    Ich frage mich immer nur: Welchen Herren dienen diese Schmierenschreiberlinge??

  3. Man kann den Sabber vom Maul tropfend ja fast hören.
    Gut so.
    Das Handelsblatt ist auch nicht mehr das was es war.
    Aber wer die heimische Wirtschaft stärken will ist natürlich ein deutscher Demokrat und kein österreichischer Populist.
    So kennt man die sog. “Qualitätsmedien”.
    Schizophren bis zur Selbstverleugnung.

  4. Ich fürchte mehr die Kasus-Verlotterung, Herr Siebenhaar:
    „…ein Beispiel, das den großen Volksparteien in Österreich bereits das Fürchten lehrt”

  5. „…ein Beispiel, das den großen Volksparteien in Österreich bereits das Fürchten lehrt“

    Werter Herr, es koennte Ihnen gut tun, in rechts- oder linkspopulistischer
    Weise erstmal wenigstens die deutsche Sprache zu erlernen – statt zum Niedergang jeglicher Art von Kultur beizutragen….

  6. Ah ja, da fällt mir was zur These “Lügenpresse” ein. Zumindest was das Veröffentlichen offenbar getürkter Umfrageergebnisse betrifft, haben die sich die Medien keine große Mühe gegeben, diese These zu widerlegen. Ich habe selber empirische Forschung betrieben und glaube ganz gewiss nicht, dass es sich bei den Abweichungen zum Wahlergebnis um hinzunehmende Toleranzen handelt. Aber dazu in den Medien… nichts!

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