Partner von:
Anzeige

Angriff mit F.A.Z-Woche: Verlagschef Lindner startet Magazin-Offensive

Verlagschef Thomas Lindner, neues Magazin Frankfurter Allgemeine Woche
Verlagschef Thomas Lindner, neues Magazin Frankfurter Allgemeine Woche

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Haupt-Umsatzträger des F.A.Z-Verlags, verliert laut jüngster IVW-Meldung drastisch an Auflage und damit auch an Erlösen. Jetzt steuert das Zeitungshaus mit dem Magazin-Neuling F.A.Z-Woche dagegen und will mit dem neuen Produkt gleichzeitig eine jüngere Leserschaft ansprechen. Im Interview mit MEEDIA erklärt Thomas Lindner, warum der Neuling nicht in der Nähe von Stern oder Spiegel gerückt werden soll: "Die Woche wird anders, kompakter, dichter."

Anzeige
Anzeige

Herr Lindner, ob Bento beim Spiegel oder Orange beim Handelsblatt – viele Verlagshäuser haben Jugendliche als Zielgruppe entdeckt und entsprechende Digitalangebote auf den Markt gebracht. Jetzt starten Sie die Frankfurter Allgemeine Woche, ein gedrucktes Produkt für jüngere Leser. Warum setzen Sie hier auf Print- statt auf ein digitales Produkt?
Die meisten Verlage verdienen ihr Geld nach wie vor mit Printjournalismus, kaum jemand mit digitalem. Gedruckte Medien sind Produkte, die sich am schnellsten und sichersten rentieren, wenn sie erfolgreich sind. Ihre Leistung für Nutzer wie Werbekunden ist bekannt und verlässlich. Man muss sich nur die Abschlüsse einzelner Verlagshäuser anschauen: Selbst bei aktuellen Vorbild aller journalistischen Verlage, der New York Times, liegt der Digitalanteil am Umsatz erst bei ca. 25 Prozent. Ähnliches gilt auch für die F.A.Z.-Gruppe, wir erzielen immer noch 85 Prozent unserer Erlöse mit dem klassischen Printgeschäft.

Die Idee jedoch, wir wollten mit Bento oder Orange konkurrieren, ist falsch. Die Frankfurter Allgemeine Woche wird keine Teenie-F.A.Z. Wir glauben nicht an die Verjüngungskuren erwachsener Medienmarken, schon gar nicht für die F.A.Z.

Wo sehen Sie denn die Lücke für die F.A.Z Woche auf dem Lesermarkt?
Zunächst. Wir wollen mit der F.A.Z Woche nicht in die Nähe von Stern, Spiegel, Focus gerückt werden, das sind klassische Magazine. Die Frankfurter Allgemeine Woche wird anders, kompakter, dichter. Dennoch haben wir als national erscheinendes Wochenmagazin zumindest den gleichen Rhythmus wie die Kollegen aus Hamburg und München.

Wir denken aber, dass es eine von den Wochenmagazinen vernachlässigte Leserschaft mit einer bürgerlichen, eher liberal-konservativen Grundeinstellung gibt. Damit sind diese Leser weder mit dem Stern noch dem Spiegel richtig glücklich. Diesen Kontakt suchen wir. Diese Leser sind klug, politisch wie wirtschaftlich interessiert, einkommensstark, ziemlich digital, dabei aber mitnichten print-avers. Viele dieser Menschen vertrauen der F.A.Z. – aber einige nutzen eben keine Zeitungen mehr. Viele dieser Leser finden schlicht keine die Zeit, Zeitungen und damit lange Texte zu lesen. Deshalb bieten wir Ihnen die Informationen und Meinung der F.A.Z. als kompaktes, wöchentliches Magazin mit nur 68 Seiten an. Ob sich diese Einschätzung im Markt bestätigt, ob es eine Nische ist oder es einen sogar etwas größerer Bedarf gibt, das wollen wir mit der Frankfurter Allgemeinen Woche testen.

Können Sie den typischen Leser der F.A.Z Woche noch näher beschreiben?
Die Frankfurter Allgemeine Woche richtet sich an Leserinnen und Leser zwischen 30 und 49 Jahren, die über ein gutes Bildungsniveau und ein überdurchschnittlich breites Interessensspektrum verfügen. Ein typischer Leser ist ca. 35 Jahren alt und ist in einer Karriere- und gesellschaftlichen Position angekommen. Er oder sie ist interessiert an dem, was die F.A.Z-Redaktion anbietet – und kann es beruflich wie privat nutzen. Das Profil des Frankfurter Allgemeine Woche-Lesers unterscheidet sich in der Grundkonfiguration gar nicht so viel von der F.A.Z. Es ist lediglich ein Stückchen jünger.

Passt sich die F.A.Z Woche sprachlich an die jüngere Leserschaft an?
Der redaktionelle Inhalt der F.A.Z Woche wird nach der F.A.Z riechen, schmecken und sich so anfühlen. Es wird eine ganz erwachsene Angelegenheit sein. Das Cover ist nüchtern gestaltet, voraussichtlich arbeiten wir mit Illustrationen. Das Magazin wird 3,50 Euro kosten, kein Printschnäppchen also.

Anzeige

Noch einmal nachgehakt. Es gilt in der Branche der Glaube, dass die junge Generation – also die Digital Natives – für Zeitungen und Zeitschriften verloren ist. Warum soll diese Zielgruppe gerade die F.A.Z Woche kaufen?
In Amerika gibt es den Ausdruck: „overnewsed – but underinformed“. Das ist ein Phänomen unserer digitalen Zeit, das es natürlich auch hierzulande gibt. Viele Menschen haben eine präferierte Webseite und springen zwischen anderen Webseiten hin und her. Sie sitzen kaum mehr lange vor einem Text und lesen ihn in Ruhe. Dennoch gibt es bei vielen Menschen ein grundsätzliches Bedürfnis, einzelne Themen zu vertiefen. An dieser Stelle setzen wir an.

Der Markenname Woche hat nicht den besten Lauf in der publizistischen Historie. Die Woche von Manfred Bissinger wurde eingestellt, der Welt-Chefredakteur Stefan Aust hat lange Zeit an einem gleichnamigen Magazin gearbeitet. Warum haben Sie ausgerechnet diesen Namen gewählt?
Diese Ereignisse sind längst aus den Köpfen der normalen Menschen gewichen, nur ältere Medienschaffende entwickeln diese Assoziation noch. Manfred Bissiger wollte mit seiner Woche eine Zielgruppe erreichen, die wir nicht anpeilen. Und Stefan Aust hat lange entwickelt, ist aber mit dem Produkt nie auf den Markt gekommen. Von daher hat er auch keine Schleifspuren hinterlassen. Es gab mehrere Namen, Testleser haben uns die Entscheidung aber ganz leicht gemacht. Wir wollen mit der Frankfurter Allgemeinen Woche den Versuch starten, mit der Kombination einer markanten, vertrauensvollen Marke und einer deskriptiver Ergänzung redaktionelle Inhalte in relativer Kürze anzubieten. Die Zeitschrift ist praktisch eine Gegenposition zur Zeitung, die bekanntlich eher mit langen Stücken arbeitet. Die Markforschung hat gezeigt, dass unsere Zielgruppe die Idee sofort versteht.

Die Druckauflage bewegt sich bei 200.000 Exemplaren. Ab welcher Auflage schreiben Sie schwarze Zahlen?
Die Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Woche ist klein. Sie kann auf die Arbeit der großen F.A.Z-Redaktion und ihr Korrespondentennetzwerk zurückgreifen. Wir fangen jetzt mal an und schauen dann; es ist keine Investition, die uns schlaflose Nächste bereitet. Deswegen benötigen wir auch keine exorbitante Auflage, um den Break Even zu erreichen.

Haben Sie bestimmte Anzeigenkunden im Visier?
Wir möchten die klassische Anzeigenklientel der Zeitungen, Wochenzeitungen und -magazine erreichen, also die Finanz-, Automobil-, Dienstleistungs- sowie Technologieunternehmen. Selbstverständlich natürlich auch die Werbungtreibenden aus dem Luxus & Lifestyle – im Grunde haben wir keine spezielle Branche im Fokus, sondern richten uns einfach an den Kundenkreis für den unsere Zielgruppe spannend ist.

(ga/gl)

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Die FAZ macht also jetzt eine Wochenzeitung für bürgerliche Leser, mit eher liberal-konservativen Einstellungen? Dann müsste die ja ein ganz anderes Profil haben, als die Tageszeitung. Denn dort betteln sie ja förmlich um die Kündigung von Lesern, die nicht schnell genug mit der “modernen” Zeit gehen – also, nach Meinung der mittig-alternativlosen Politikredaktion, die ja gar nicht genug von der Merkelei bekommen kann. Heute darf Herr Tauber seine Märchen ungefiltert der Leserschaft anpreisen: Temporäre Aufnahme von Flüchtlingen, die trotzdem so schnell wie möglich vollständig integriert werden sollen. Was soll diese Beleidigung des gesunden Menschenverstandes am frühen Morgen (leider eine rhetorische Frage)? Muss ich mir das antun? Eine Unsitte müsste man freilich auch bei der FAZ endlich abstellen, Ellenlange Texte mit dem Inhalt von Kurzartikeln. Nicht die Länge ist aber das Problem, sondern der Mangel an Subatanz und analytischer Durchdringung gerade bei langen Stücke. Überall nur Füllmaterial, obwohl offenbar Platz für mehr gewesen wäre. Wenn man nur die nutzlose Schwafelei streichen würde, wäre viel Platz für anderes. Der Konjunktiv ist natürlich kein Zufall. Die Redaktion gibt es einfach nicht her. Es fehlt aber auch der Wille, eine gute Zeitung zu machen.

  2. Die FAZ in ihrer jetzigen Form ist erstarrt und ihr fehlt, wie richtig angemerkt, die Substanz. Der überraschende Tod von Herrn Schirrmacher, kann als Initialzündung angesehen werden, für eine Entwicklung die natürlich schon vorher sichtbar war (sinkende Abos oder Auflagen). Nun fehlen aber die Leute, die wirklich eine gute, schöne Zeitung machen wollen. Man hat oft den Eindruck, die Macher der Zeitung haben sich ergeben und beharren einfach darauf, dass es schon jemand richten wird. Zur Not wird eben “mal was entwickelt”; wie dieses neue Magazin (siehe oben) oder auch neue Beilagen oder wie überall, der Preis angehoben. Allein am Wandel des Feuilletons ist ersichtlich, wie stark die FAZ sich verändert hat. So gut wie garkein Impuls geht da mehr aus. Es ist schlicht langweilig und auch belanglos geworden. Ich glaube viele Leser sind zur ZEIT gegangen; sie ist mit dem FREITAG die einzige Wochenzeitung die noch zulegt. Ansonsten wandert das Publikum einfach ins Gratissegment ab oder hat digitale Abos. Es wird nicht mehr lange dauern, bis die FAZ die Grenze der 100000er Auflage erreichen wird.

  3. Will man die Tageszeitung FAZ nun einstellen, weil sie keine Leser mehr findet, abgesehen von Flugpassagieren und die nur mangels Alternativen?

    Jungs, es kommt auf den Inhalt an!!
    Nicht auf die weniger häufig beabsichtige Erscheinung.
    Ob sich der Inhalt in dem neuen Format ändert wird – man darf es getrost bezweifelt.
    Die FAZ hat über ihren angepassten und unsachlichen Stil ihre anspruchsvollen Leser verloren. Dümmliche Polemik kann man mittlerweile auch im Internet kostenlos erhalten oder man liest die SZ, die Zeit oder den Spiegel.

  4. Super, genau darauf habe ich gewartet! Ein konservatives (=vernüntiges) Druck-Magazin, dass die wichtigsten Ereignisse der Woche relativ kurz und möglichst sachlich zusammefasst. Die Informationsflut in Internet und Tageszeitungen vermittelt ja oft kein Wissen, sondern eher Information.

    Vielleicht ist die FAZ etwas nach links gerückt in letzter Zeit (AfD-Bashing), aber es gibt im Internet ja genug Möglichkeiten andere Meinungen zu lesen (z.B. Tichy-Blog).

    Ich wünsche auf jeden Fall viel Erfolg mit der Woche.

  5. Die FAZ war vor 30 Jahren die beste Zeitung in Deutschland. Liberal und konservativ, aber vor allem ohne Ideologie mit super Hintergrundinformationen. Der Abstieg begann mit Frank Schirrmacher. Es gab den Hickhack um die neue Schlechtschreibung und ein verschlimmbessertes Layout. Inzwischen kann man die Zeitung vergessen. Es schreiben Leute, die keine Ahnung haben, die Zeitung ist nicht mehr liberal, sondern links und der Leser wird politisch korrekt indoktriniert. Viele gute Autoren haben die Zeitung verlassen. Bei den Online Kommentaren wird radikal zensiert, man bracht dazu gar nicht beleidigen, es reicht, auf unbequeme Tatsachen hinzuweisen. Anscheinend stehe ich da inzwischen auch auf der schwarzen Liste. Die Kommentare sind trotzdem fast immer besser als die Artikel. Vor zwei Jahren habe ich das Abo gekündigt, weil ich keine Zeit mehr hatte, ich hätte die Zeit wieder, aber es lohnt sich einfach nicht mehr. Die FAZ kommt mir vor wie die Blockparteien: Die Zustimmung sinkt dramatisch, aber der Leser/Wähler ist schuld.

  6. Die einst renommierte FAZ ist zu einem niveaulosen Mainstreamblatt degeneriert. Viele ehemalige Abonnenten und Leser aus meinem Bekanntenkreis haben sich von diesem “Junk” explizit distanziert.

  7. Habe die Ausgabe 14. Okt. erhalten und studiert. Gefällt mir gut. Habe versucht über http://www.fazwoche.de mich an der Umfrage zu beteiligen, um einige Vorschläge zu machen. Leider funktioniert es nicht, diese Seite aufzurufen.

    Was könnte die Ursache sein?

    Mit freundlichen Grüßen
    Gerhard Krumm

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Meedia

Meedia