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Helios-Kliniken erwirken einstweilige Verfügung gegen „Team Wallraff“

"Team Wallraff" mit Investigativ-Größe Günther Wallraff

Die Helios-Kliniken haben sich in einem Verfahren vor dem Landgericht Hamburg gegen RTL durchgesetzt und eine einstweilige Verfügung gegen eine „Team Wallraff“-Produktion erstritten. Eine Sequenz der Episode „Wenn Krankenhäuser gefährlich werden“ darf damit nicht mehr weiterverbreitet werden. Für die Folge schleuste sich eine Reporterin undercover in den Klinikbetrieb ein und machte heimlich TV-Aufnahmen.

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Das Unternehmen hatte beklagt, dass beanstandetes Material reißerisch aufbereitet worden sei und der Sender keine spezifischen Missstände sondern den allgemeinen Krankenhausalltag gezeigt habe. Darüber hinaus verletzten die Aufnahmen der versteckten Kamera, die eine als Praktikantin getarnte Reporterin gemacht hatte, Persönlichkeitsrechte von Patienten, argumentierte der Klinikkonzern.

Das „Team Wallraff“, ein Reporterteam unter Führung des Investigativjournalisten Günther Wallraff, hat sich zur Aufgabe gemacht, undercover Missständige in Unternehmen zu recherchieren und öffentlich zu machen. Die RTL-Sendung landete 2014 einen riesigen Coup, als sie über Hygienemängel und Fehlverhalten eines Burger-King-Franchisenehmers berichtete. Die Berichterstattung stürzte den Konzern in eine schwere Imgagekrise, war aber auch umstritten. Auch bei Helios wollte „Team Wallraff“ unsaubere Arbeit aufgrund hohen Kostendrucks nachweisen. Unter anderem wurde in der Sendung eine Mitarbeiterin zitiert, die aufgrund Personalmangels von Burn-Out-Gefahren sprach. Rechtsstreitigkeiten ausgesetzt sieht das „Team Wallraff“ auch gegenüber den Pflegeheim-Betreiber Marseille-Kliniken. Im Januar setzte das Unternehmen eine einstweilige Verfügung gegen das Format durch, in dem es ebenfalls „manipulative und falsche Berichterstattung sowie die mangelhafte Recherche“ sah.

Update, 16.11 Uhr:

RTL könne derzeit noch nichts dazu sagen, ob man gegen die einstweilige Verfügung vorgeht, da diese noch nicht zugestellt sei. Allerdings erklärt der Sender: „Schon jetzt sei betont, dass wir der festen Überzeugung sind, uns bei der Recherche zu der beanstandeten Sendung journalistisch und juristisch einwandfrei verhalten zu haben. Dazu verweisen wir in Bezug auf die Rechtmäßigkeit von investigativen Undercover-Aufnahmen auf das Wallraff-Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat den Einsatz mit versteckter Kamera bestätigt. Wir stellen an dieser Stelle auch klar, dass eine einstweilige Verfügung einseitig von einem Gericht erlassen werden kann, ohne dass wir als ausstrahlender Sender vorher angehört wurden. Der Erlass einer einstweiligen Verfügung ist eine vorläufige Regelung und somit keine Bestätigung für falsche Berichterstattung.“

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