Partner von:
Anzeige

Die Panama Papers: der „Mega-Skandal“ mit der Mini-Halbwertzeit

Die Panama Papers in der Süddeutschen Zeitung
Die Panama Papers in der Süddeutschen Zeitung

Schon etwas über eine Woche nach der Enthüllung des „größten Leaks der Geschichte“ hat sich die Aufmerksamkeit rund um die Enthüllungen der „Panama Papers“ spürbar abgekühlt. Neue Geschichten ergehen sich in aufgebauschten Details. Die Böhmermann-Erdogan Affäre hat den Papers die Schau gestohlen.

Anzeige
Anzeige

Die Süddeutsche Zeitung berichtet kontinuierlich über neue Enthüllungen aus den „Panama Papers“, jenes Datenleck der Kanzlei Mossack Fonseca aus Panama, das den Redakteuren über 11 Millionen Datensätze zu über 200.000 Briefkastenfirmen zugänglich machte. Da werden am heutigen Dienstag beispielsweise Details zur Iran-Contra-Affäre aus dem Jahr 1986 enthüllt. Kontobewegungen und Spuren deuten darauf hin, dass Geheimdienste wie der CIA und ihre Mittelsmänner Briefkastenfirmen von Mossack Fonseca nutzten. Die CIA selbst taucht, wie Putin und Assad, freilich nicht in den Papers auf.

Bildschirmfoto 2016-04-12 um 11.39.20

“Panama Papers” als Bond-Thriller. Screenshot: SZ.de

Illustriert wird die Story mit allerlei James-Bond-Kitsch, u.a. einem liegenden Geheimagenten mit gezückter Waffe, der eine gewisse Ähnlichkeit mit dem aktuellen Bond-Darsteller Daniel Craig aufweist. Überschrift der Story: „Gestatten, Goldfinger“. Der Bond-Bezug in der Geschichte:

Viele Firmennamen in den Listen Mossack Fonsecas deuten darauf hin, dass sich die Beteiligten gefühlsmäßig der Welt der Spionage annähern wollen; Gesellschaften heißen also “Goldfinger”, “SkyFall”, “Moonraker”, “Spectre” und “Blofeld”, alles Bond-Begriffe. Sind die Kunden des Offshore-Geschäfts lustig, oder sind sie nur zynisch?

Naja. Das Publikum interessiert sich offenbar nur noch sehr bedingt für diese Art der mit reichlich Storytelling angesexten Mini-Enthüllung. Ein Hinweis auf das Interesse liefern die Google-Trends, die ausweisen, wie stark Begriffe bei der Suchmaschine nachgefragt werden. Dabei wird ein Index-Wert ausgegeben. Liegt der Indexwert bei 100, so bedeutet dies, dass der entsprechende Begriff an diesem Tag der meist gefragte Begriff bei Google war. Die größte Nachfrage nach dem Begriff „Panama Papers“ bei Google gab es demnach in Deutschland am Montag, 4. April 2016, einen Tag nach der Enthüllung der „Papers“, mit einem Indexwert von 58. Danach sank das Interesse rapide ab (blaue Linie in der Grafik). Am Sonntag, 8. April lag der Indexwert bei Google Trends nur noch bei 8.

Bildschirmfoto 2016-04-12 um 11.40.37

Anzeige

Der Suchbegriff „Böhmermann“ dagegen zeigt eine ganz andere Aufmerksamkeitskurve (rote Linie). Am 1. April, als zuerst über Jan Böhmermanns Erdogan-Schmähgedicht berichtet wurde und das ZDF das Gedicht löschte, lag der Indexwert für „Böhmermann“ bei Google bei 36 (für „Panama Papers“ bei 0, zu diesem Zeitpunkt waren die Papers noch nicht enthüllt). Als die Papers enthüllt wurden, am Sonntag, 3. April, überholten sie „Böhmermann“ als Suchbegriff. Der Effekt hielt aber nur bis Mittwoch, 6. April. Hier kam „Böhmermann“ schon auf einen Indexwert von 63, „Panama Papers“ nur noch auf 27. Am Sonntag, 10. April schließlich, hat der Suchbegriff „Böhmermann“ einen Indexwert von 100, was bedeutet, es war der bei Google meist gesuchte Begriff an diesem Tag. „Panama Papers“ lag bei 8.

Solche Kurven muss man immer mit einer gewissen Vorsicht lesen und es ist auch klar, dass es bei Enthüllungen immer einen Höhepunkt gibt und das Interesse wieder abflaut. Trotzdem: Offensichtlich war das Interesse des Publikums – wenn man Google zum Maßstab nimmt – zu keinem Zeitpunkt so groß wie das Interesse an der Böhmermann-Erdogan-Affäre. Das Interesse an den „Panama Papers“ hat nach dem ersten Höhepunkt zudem deutlich nachgelassen und ist auch nicht wieder aufgeflammt. Was auch an der Qualität der nachgeschobenen „Enthüllungen“ liegen mag (siehe oben).

Schlimmer wohnen statt Panama Papers

Schlimmer wohnen statt Panama Papers

Hinzu kommt, dass einige andere Medien die „Panama Papers“ mit eher spitzen Fingern anfassten. Ob aus Neid auf die Enthüller oder aus der Bewertung heraus, dass die Enthüllungen weniger bedeutsam sind, als es die Enthüllungs-PR vermuten ließ, sei dahingestellt. Der stern riss die Story auf dem Titel immerhin an, titelte aber lieber mit „Die Kraft der Seele“. Der Spiegel strafte die Story mit der größtmöglichen Nicht-Beachtung. Der aktuelle Spiegel-Titel dreht sich um bezahlbare Immobilien („Schlimmer wohnen“). Auch in der Hausmitteilung kein Wort zu den „Panama Papers“. Im Wirtschafts- und Auslands-Ressort finden sich zwei Pflicht-Stücke zum Thema. Wichtiger als die „Panama Papers“ waren der Redaktion auf dem Titel die Themen „Euro – Deutscher Aufstand gegen Draghis Niedrigzinsen“, „Islamischer Staat – Was geschieht mit den Babys der Sex-Sklavinnen?“ und „Psychologie – Der Sieg über das Unterbewusstsein“.

Die „Panama Papers“ – ein Skandal mit erstaunlich geringer Halbwertzeit.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Staatschefs treten zurück, in Malta und Island gibt es eine Regierungskrise, der deutsche Finanzminister will Gesetze ändern, Großbanken wie Sociéte Generäle geraten unter Druck, China blockiert den Zugang, Medien auf der ganzen Welt berichten über diesen Scoop und was macht Meedia?

    Stellt fest, dass erstaunlicherweise die Konkurrenten der SZ nicht so groß über die Panama Papers berichten und das Thema bei Google Trends nicht so gut läuft. Ach so, ja dann ist das natürlich alles nichts.

  2. Staatschefs treten zurück, in Malta und Island gibt es eine Regierungskrise, der deutsche Finanzminister will Gesetze ändern, Großbanken wie Sociéte Generäle geraten unter Druck, China blockiert den Zugang, Medien auf der ganzen Welt berichten über diesen Scoop und was macht Meedia?

    Stellt fest, dass erstaunlicherweise die Konkurrenten der SZ nicht so groß über die Panama Papers berichten und das Thema bei Google Trends nicht so gut läuft. Ach so, ja dann, ist das natürlich nichts.

  3. Peinlich sind die Pananama Papers….weil selektiert wird….gut das es den Kopp Verlag gibt…und man nicht nur den mainstream Mist lesen muss…..so erfährt man das Leute wie Soros & Konsorten wieder mächtig im Hintergrund agieren….peinlich die Mainstream Medien…nur noch im Arsch der Banker….übrigens Delaware in den USA hat auch geringe Steuersätze….offensichtlich gibt es eine Kampagne Geld und Köpfe in die USA zu locken….der grosse Zampanos spielt wieder vertios….Schach….und die deutsche verkommende Lügenpresse ist mit von der Partie.

    Alles aufgeklärt dank…..kritischer Nachdenkseiten……die Mainstream Medien kann man vergessen….sie sind die Huren der Superreichen und Mächtigen.

    Jeden Tag werden Menschen wach und durchschauen das Schweinesystem….das die Plutocrats installiert haben…..

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Meedia

Meedia