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Böhmermann-Satire-Streit bei „Anne Will“: „Kanzlerin hat Grundrechte auf dem Silbertablett serviert“

Talk bei Anne Will zum Satire-Streit um Jan Böhmermann

Bei der „Anne Will“-Sendung zum Thema Satire-Streit um Jan Böhmermann und den türkischen Präsidenten Erdogan war vor allem prägnant, was fehlte: Jan Böhmermann nämlich. Gerne hätte man gehört, was der ZDF-Komiker zu seiner Sache zu sagen hat. So aber debattierte eine B-Besetzung unter fachkundiger Leitung von Anne Will.

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„Kuscht die Bundesregierung vor der Türkei?“ war die „Anne Will“-Sendung überschrieben und wenn man das gewollt hätte, hätte man sich es sehr einfach machen können und „Ja“ sagen. Der türkisch-stämmige Kabarettist Serdar Somuncu sagte bereits am Anfang der Sendung „Wir sind ja nicht doof“ und verwies auf den offensichtlichen Zusammenhang zwischen dem Herumeiern der Regierung und dem fragilen Deal mit der Türkei in Sachen Flüchtlingskrise.

Während Jan Böhmermann von seinem Sender ZDF offenbar so eine Art Maulkorb bekommen hat, eingeladen worden war er nämlich, schickte die Regierung mit dem CDU-Europapolitiker Elmar Brok einen Plauderhansel aus der dritten Reihe. Der sagte Sachen, wie dass die Kanzlerin auch ein Recht auf ihre Meinung habe und ein Politiker Recht auf seine Würde. Soweit, so platt. Es war vor allem an Somuncu, die Lage der Dinge in dieser Sendung auf den Punkt zu bringen: „Die Kanzlerin hat unsere Grundrechte auf dem Silbertablett serviert.“

Eine schlechte Figur machte programmgemäß auch der Erdogan-Verteidiger Fatih Zingal von der Union Europäisch Türkischer Demokraten, die als verlängerter Arm der Erdogan-Partei AKP in Deutschland gilt. Sein Beharren darauf, dass man in der Türkei „selbstverständlich“ auch als Journalist genauso Rechtssicherheit genieße wie in Deutschland, zeigte zumindest einmal mehr die Klasse von Anne Will als Moderatorin. Mehrfach hakte sie nach und ließ Zingal nicht von der Angel, bis glasklar herausgearbeitet war, in welchem Widerspruch dessen Aussage im Vergleich zu den via Einspieler gezeigten Fakten standen, nämlich dass die Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei eben in keiner Weise gegeben ist. Man bekommt einen wohligen Grusel, wenn man sich vorstellt, Günther Jauch hätte ein solches Thema bearbeiten müssen.

Wenn er nicht gerade von einem Satire-Schmäh-Zwitter-Hybriden schwafelte, machte auch Medienprofessor Bernhard Pörksen einen Punkt, als er sagte, dass Böhmermann nachträglich recht bekommen habe: „Er hatte eine Botschaft. Wir reden hier über die Grenzen der Satire.“ Genauso so ist es wohl. Wobei die Botschaft, die vom Böhmermann’schen Schmähgedicht ausgeht, sehr unbehaglich ist. Am heutigen Montag muss die Regierung nun also entscheiden, ob sie einem Strafverlangen der Türkei in Sachen Böhmermann-Gedicht nachgeht. Dass man sich nicht hundertprozentig sicher sein kann, wie die deutsche Regierung hier entscheidet, das ist unheimlich. Dies herausgearbeitet zu haben, ist das Verdienst von Jan Böhmermann und seinem Beitrag.

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