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Böhmermanns sarkastische Entschuldigung: „Sollte ich Gefühle eines lupenreinen Demokraten verletzt haben, bitte ich ergebenst um Verzeihung“

Jan Böhmermann, Erdogan-Schmähkritik bei "Neo Magazin Royale": Gericht verbietet Teile des Gedichts

Jetzt äußert sich auch Jan Böhmermann zur Löschung seines Schmähgedichtes über Erdogan: „Ich denke, wir haben heute am 1. April 2016 gemeinsam mit dem ZDF eindrucksvoll gezeigt, wo die Grenzen der Satire bei uns in Deutschland sind. Endlich!“, schreibt er bei Facebook.

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Weiter heißt es in dem Posting: „Sollte ich bei der gebührenfinanzierten Erfüllung meines pädagogischen Auftrags die Gefühle eines lupenreinen Demokraten verletzt haben, bitte ich ergebenst um Verzeihung.“

Zuvor hatte sich bereits der ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler gegenüber dem Spiegel geäußert: „Wir sind bekannt dafür, dass wir bei unseren Satire-Formaten breite Schultern haben und den Protagonisten große Freiräume geben“, sagte Himmler. „Aber es gibt auch Grenzen der Ironie und der Satire. In diesem Fall wurden sie klar überschritten. Deswegen haben wir in Absprache mit Jan Böhmermann beschlossen, die Passage aus der Sendung herauszunehmen. Das betrifft das Sendungsvideo in der Mediathek, Clips auf YouTube, sowie Wiederholungen.“

Das heißt aber auch: Böhmermann hat der Löschung zugestimmt.

Was war geschehen? Der Moderator nahm in der jüngsten Ausgabe des „Neo Magazin Royale“ Bezug auf den Eklat rund um die Einbestellung des deutschen Botschafters in der Türkei wegen eines satirischen Witzfilmchens der NDR-Sendung „extra 3“. Im „Neo Magazin Royale“ erklärte Böhmermann, assistiert von Ralf Kabelka, den Unterschied zwischen hierzulande erlaubter Satire und auch in Deutschland verbotener Schmähkritik.

Um den Unterschied für Herrn Erdogan zu veranschaulichen, verlas Böhmermann dann ein Ge-dicht mit Namen „Schmähkritik“, in dem Erdogan auf obszöne Weise beleidigt und verunglimpft wurde. Böhmermann und Kabelka gaben im Anschluss Tipps, wie Erdogan gegen eine solche Schmähkritik vorgehen kann: Er müsse sich einen Anwalt nehmen, Böhmermann empfahl „unse-ren Scherzanwalt Dr. Witz aus Berlin“, und dann zu einem Gericht gehen. Dann könne solch eine Schmähkritik aus der Mediathek entfernt werden, so Kabelka.

Die Folge war die tatsächliche Entfernung der Sendung aus der Mediathek durch das ZDF. Ein Sendersprecher erklärte gegenüber MEEDIA dazu: „Die Parodie im ‚Neo Magazin Royale‘ vom 31. März zum Umgang des türkischen Ministerpräsidenten mit Satire entspricht nicht den An-sprüchen, die das ZDF an die Qualität von Satiresendungen stellt. Aus diesem Grund wurde die Passage aus der Sendung entfernt.“

Tatsächlich stellt sich die Frage, ob in Mainz niemand die Show, die bereits Mittwoch aufgezeichnet wird, vorher einmal ansieht. Offenbar geschah dies nicht – bislang.

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