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Angriff auf Check24 & Co.: Finanzen-Chef Werners ehrgeizige Digitalpläne

Börsennews.de im Blick: Finanzen Verlag-Macher Frank Werner denkt laut über einen Erwerb des Unister-Portals nach
Börsennews.de im Blick: Finanzen Verlag-Macher Frank Werner denkt laut über einen Erwerb des Unister-Portals nach

Der Finanzen-Verlag plant, sich breiter aufzustellen. Das Münchener Verlagshaus erwägt, auf dem hart umkämpften Markt der Vergleichsportale Fuss zu fassen. Geplant ist ein Webdienst, der mit einem neuen innovativen Geschäftsmodell Konkurrenten wie Check24 Paroli bieten soll.

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Finanzen-Verlagschef Frank B. Werner will mit digitalen Produkten jenseits der Print-Produkte Euro, Euro am Sonntag und Börse Online weiter wachsen. „Wir prüfen derzeit, uns an einem Vergleichsportal zu beteiligen, das sich auf die Themen Versicherungen und Energie fokussiert“, erklärt der Geschäftsführer. Das Online-Portal soll sich allerdings in seinem Geschäftsmodell von Vermittlungsportalen wie Check24 deutlich unterscheiden. So sei eine Option, dass die Nutzer ein Honorar zahlen, wenn sie einen Vergleich beispielsweise von Haftpflichtversicherungen wünschen. Sollte Werner das Vorhaben mit Partnern umsetzen, könnte es noch in diesem Jahr starten. „Wir würden das Startup mit der Kraft unserer Marken bekannt machen, und uns in die kundenfreundliche Ausgestaltung des Produkts einmischen“, betont der gebürtige Niedersachse.

Damit würde ein neuer Wettbewerber auf den Markt der Vergleichsportale treten, der sich über Honorare der Nutzer finanziert. Konkurrenten wie Check24, einer der größten Vergleichsportale auf dem Markt, verfolgt hingegen ein anderes Geschäftsmodell. Der Webdienst finanziert sich darüber, indem er für jeden vermittelnden Kunden an eine Versicherung eine Provision kassiert. Den klassischen Versicherungsmaklern ist dies seit geraumer Zeit ein Dorn im Auge. Sie haben daher das Unternehmen jüngst verklagt, weil es aus ihrer Sicht nicht eindeutig darauf hinweist, dass es für die Vermittlung von Versicherungen genau wie andere Makler Provisionen verlangt.
Check 24 wurde vor 17 Jahren als Startup gegründet. Heute setzt der größte Anbieter von Preisvergleichen für Versicherungen, Reisen und andere Produkten mehr als 300 Millionen Euro um.
Check 24 und Verivox sind nicht die einzigen Anbieter. Immer mehr Unternehmen streben in den lukrative Segment der Preisvergleiche im Internet, das in Deutschland mittlerweile zu einem Art Volkssport avanciert ist. So will auch der US-Gigant Google hierzulande auf dem Markt mitmischen.

Konkret ist bereits ein anderes Digitalprojekt, um die Erlössituation des Münchener Finanzen-Verlags weiter zu verbessern. So hat das Medienunternehmen einen Minderheitsanteil an dem Webdienst unavailable.org. erworben. Das Portal bringt Künstler, die an Akademien ausgebildet werden, mit Galerien und Kunstsammlern zusammen. „Mitunavailable.org haben geschäftstüchtige Kunstinvestoren die Chance, Verbindung zu talentierten Künstlern aufzunehmen, die noch nicht am Markt sind“, erklärt Werner. Sie sind dadurch in der Lage, die jungen Künstler bekannt zu machen und zu vermarkten.

Dass sich Werner stärker um neue verlegerische Projekte kümmert, liegt auch an einer veränderten Aufgabenteilung. So war der Journalist jahrelang in Personalunion Chefredakteur, Geschäftsführer und Herausgeber beim Finanzen-Verlag. Anfang 2014 gab er die Chefredaktionen von Börse Online und Euro am Sonntag ab. Seither konzentriert er sich stärker auf das operative Geschäft. Und dies nicht ohne Grund: Denn das Segment der Wirtschaftspresse ist seit der Finanzkrise, ausgelöst durch die US-Investmentbank Lehman, weiter massiv unter Druck. Vor allem das Anzeigengeschäft bereitet der Branche der Wirtschaftstitel weiterhin massive Probleme.

Davon blieb auch der Finanzen-Verlag im vergangenen Jahr nicht verschont. „Das Anzeigengeschäft war 2015 ein ziemliches Desaster. Wir mussten einen Rückgang von 10 bis 15 Prozent hinnehmen“, sagt der Verleger. Dabei nennt er mehrere Gründe. „Die Hersteller von Markenartikeln haben deutlich weniger Anzeigen geschaltet“, betont er. Außerdem kämen noch Markteffekte hinzu. So habe der Preisdruck der Mediaagenturen im Vermarktungsgeschäft deutlich zugelegt. „Das Anzeigengeschäft wurde durch die Gattungen TV und Online in den vergangenen Jahren versaut. Die Mediaagenturen fordern riesige Rabatte“, meint er.

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Unter anderem das rückläufige Anzeigengeschäft hat im vergangenen Jahr in der Ertragsrechnung des Finanzen-Verlags seine Spuren hinterlassen. „Ich gehe davon aus, dass wir das Jahr 2015 nicht mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen haben“, erklärt der Geschäftsmann. Nähere Angaben zum Ergebnis will er nicht machen. 2014 hatte das Verlagshaus einen Jahresüberschuss von 217.000 Euro erwirtschaftet.

2016 soll nun die Wende kommen. So rechnet Werner für dieses Jahr damit, dass das Unternehmen unter anderem durch bessere Vermarktungserlöse wieder in die Gewinnzone zurückkehrt. „Unser Anzeigengeschäft hat sich in den ersten drei Monaten gut entwickelt. Ich rechne damit, dass wir hier gegenüber dem Vorjahr um 5 bis 15 Prozent zulegen“. Anlass für seinen Optimismus ist die weiter andauernde Niedrigzinspolitik, die durch die Europäische Zentralbank (EZB) ausgelöst wurde. Sie führt dazu, dass die Finanzindustrie wieder stärker für ihre Produkte trommelt. Werner: „Zu unseren wichtigsten Anzeigenkunden gehören große Fondsgesellschaften und Zertifikateemittenten, die über Sparkassen, Volksbanken sowie freie Vermittler mehr für ihre Produkte werben als in der Vergangenheit“.

Auch das Vertriebsgeschäft der Münchener werde durch das gegenwärtige Zinsumfeld beflügelt. Denn jetzt schlage die Stunde für nutzwertigen Journalismus. So seien die Bürger angesichts drohender Negativzinsen auf ihren Sparkonten sehr daran gelegen, ihr Vermögen ertragsbringend anzulegen. „Wir stehen auf dem Trittbrett der EZB-Politik. Ob in gedruckter Form, als Epaper oder Online – ich glaube, dass sich die Nachfrage nach dem Informationsangebot, wie wir ihn präsentieren, zunehmen wird“, meint Werner. Erste Anzeichen hierfür sieht er im weiter  steigendem Einzelverkauf der drei Titel. Positiv auf die Vertriebserlöse wirke sich zudem 2016 aus, dass der Verlag zum Jahreswechsel den Copypreis bei Euro von 6,50 auf 8,00 Euro, und bei Euro am Sonntag von 3,90 auf 4,50 Euro angehoben habe.

Zusätzliche Erlöse im Anzeigenbereich beschert dem Verlagshaus zudem einen neues Fachmagazin Trends in Asset Management (kurz TIAM), das Werner im vergangenen Jahr übernommen hat. Das ausschließlich werbefinanzierte Produkt richtet sich an institutionelle Anleger wie Family Offices, Versorgungswerke und Pensionskassen und erscheint in einer Auflage von mehr als 10.000 Exemplaren.

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