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„Hingerotztes Pamphlet“ – Hauke Brosts öffentliche Abrechnung mit dem Bild-Buch von Peter Bartels

Hauke Brost regt sich über Peter Bartels' Bild-Buch auf, die Kanzlerin hat ausnahmsweise nicht ganz den Durchblick und Barbara Schöneberger ist in Sachen Diäten wankelmütig

Der langjährige Bild-Mitarbeiter Hauke Brost hat sich durch das Bild-Buch von Peter Bartels gekämpft und ist entsetzt. Barbara Schöneberger ist auf diversen G+J-Titelseiten einmal für und einmal gegen Diäten. Und während in Hannover die CeBIT dümpelte, waren fast alle wichtigen deutschen Medienfuzzis nach Texas geflohen, um bei der SXSW Bier und BBQ zu fröhnen. Der MEEDIA-Wochenrückblick.

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Vergangenen Freitag hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, bei MEEDIA das Machwerk des früheren Bild-Co-Chefredakteurs Peters Bartels zu besprechen. Ich finde das Buch aus vielerlei Gründen sehr schlecht. Ein noch weitaus deftigeres Urteil fällte diese Woche dann Bartels’ alter Weggefährte Hauke Brost, langjähriger Bild-Mitarbeiter, der auch unter dem Duo Hans Hermann Tiedje/Peter Bartels bei der Zeitung arbeitete. Brost veröffentlichte bei Facebook eine gepfefferte „Replik auf ein grottenschlechtes Buch“. Kostprobe:

Du schreibst immer wieder dasselbe, variierst es nicht einmal, wiederholst Dich, erzählst die selbe Geschichte drei-, vier Mal, merkst es offenbar nicht, hast vergessen, was Du schon längst schriebst, ja, sag mal, warst Du beim Schreiben dauer-besoffen? Hast Du ein Drogenproblem? Bist Du senil, debil oder beides?

Was Brost neben der ganzen Pegida-Seligkeit des Bartels-Buchs besonders aufregt, ist die handwerkliche Schlampigkeit des Druckwerks:

Lieber Peter: Jeder Praktikant hätte Dein hingerotztes Pamphlet mit über tausend Fragezeichen und Streichungen versehen. Und deshalb schreibe ich Dir diesen offenen Brief. Für BILD, für die BILD-Kollegen, für alle, die ein Herz für den Boulevard-Journalismus haben, bist Du eine Schande.

Da ist aber einer sauer. Der Text von Brost ist lesenswert, auch und gerade wegen der vielen Anekdoten, etwa wie sich Bartels und Tiedje um das alte Büro von Günter Prinz zankten. In den Kommentaren äußert sich übrigens noch Georg Streiter, ehemaliger Bild-Journalist und aktuell stellvertretender Regierungssprecher zu dem Buch:

Das ist wirklich eine neue Seuche: Ex-(Chef-)Redakteure, die sich nach dem Ende ihrer Dienstzeit langweilen und den früheren Arbeitgeber, der ihnen jahrzehntelang fetteste Gehälter gezahlt hat, mit vermeintlichen „Enthüllungen“ in den Dreck ziehen. In einer wenigstens sprachlich höheren Liga als Peter Bartels spielt der offensichtlich frustrierte Fernseh-Pensionär Wolfgang Herles, der nun behauptet, beim ZDF hole man sich seine Weisungen bei der Regierung ab. Man kann das Illoyalität nennen – ich sag einfach „Pfui“ und kriege Hautausschlag. Bäh!

So deutlich wird er in seiner Rolle als Regierungssprecher eher nicht.

Schalten wir nun kurz an den Hamburger Baumwall, zum Verlagshaus Gruner + Barbara, Verzeihung: Gruner + Jahr, muss es ja immer noch heißen. Die Personality-Zeitschrift Barbara rund um TV-Person Barbara Schöneberger ist ziemlich erfolgreich. Anfang der Woche gab der Verlag die Verkaufszahlen der zweiten Ausgabe bekannt und die waren mit 150.000 eher hoch. Hurra! Vielleicht wollten die Kollegen des ebenfalls bei G+J verlegten Billig-Titel frei! was abhaben von dem tollen Babsi-Zauber. Diese Woche zierte die Schöneberger jedenfalls auch das frei!-Cover:

Bildschirmfoto 2016-03-18 um 14.54.25

Titelthema: „So nehmen Sie wirklich ab! Plus: der große Diäten-Check“

Barbara Schöneberger und Diäten? Da war doch was. Genau:

Bildschirmfoto 2016-03-18 um 14.54.09

Ganz schön verwirrend. Das ist wohl der Titelseiten-JoJo-Effekt.

Was war noch los, diese Woche? Richtig: die South by Southwest. Diese hyper-hippe Digital- und Sonstwas-Konferenz in Austin (Texas, Baby) die ich, anders als sehr viele deutsche Medienschaffende mit immer noch dicken Spesenkonto, fast ausschließlich über den Snapchat-Account von Richard Gutjahr verfolgte. Da hätte man als oberflächlicher Snap-Gucker doch glatt den Eindruck gewinnen können, bei dieser SXSW (offizielle Messe-Abkürzung) gehe es in erster Linie um Bier, BBQs und wilde Parties. Stimmt ja gar nicht, in Wahrheit ging es um, also inhaltlich war der Trend, also äh …

Ganz schnell Themenwechsel: Während in Texas die SXSW tobte, schleppte sich in good old Germany die good old CeBIT über die Bühne. Mit tristen Hallen, einem Keynote-Speaker Jeff Jarvis (feels like 2009) und schön teurem WLAN:

Das sind die Preise der „Visitor’s Lounge“ auf einer der weltweit wichtigsten Messen für Digitalisierung. Grundsätzlich…

Posted by tagesschau on Dienstag, 15. März 2016

Kann sich irgendjemand der hier Mitlesenden noch erinnern, wann die CeBIT das letzte mal cool war? Irgendjemand? Und was bleibt uns von der CeBIT in Erinnerung? Vielleicht dieses Foto, über das sich der eine oder andere SXSW-Gänger gleich mal lustig machte:

Dieses Foto von der #Cebit auf Facebook sehen und erinnert werden, warum man zur #SXSW fährt.

Posted by Thomas Knüwer on Dienstag, 15. März 2016

Bisschen unfair! Der Apparat, den sie der Kanzlerin da in die Hand gedrückt haben, sieht aber auch wirklich komisch aus, um das Mindeste zu sagen. Hätten Sie etwa gewusst, wie man das Ding aufsetzt? Eben!

Schönes Wochenende!

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