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Thunder für alle: Burda will mit anderen Publishern eigenes Open-Source-CMS entwickeln

"Wir müssen wir unsere historischen Silos verlassen." Burda-Magazin-CTO Ingo Rübe (l.) und Vorstand Philipp Welte hoffen auf ein Open-Source-CMS

Publizistisch im Wettbewerb, technologisch Kooperationspartner: Burda will Publisher zur Zusammenarbeit anregen und appelliert an die Branche, gemeinsam Technologien voranzutreiben. Dazu bringt das Medienhaus ein neues Redaktionssystem auf den Markt, das es anderen Anwendern frei zur Verfügung stellt. Die Hoffnung: Verlage und Industrie sollen das Open-Source-Produkt Thunder weiterentwickeln.

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Mit seinem neuen CMS signalisiert Burda vor allem eines: Gemeinsam schafft man mehr. Oder in den Worten von Vorstand Philipp Welte: „Wir werden in der neuen Wirklichkeit der Medienwelt nur erfolgreich sein, wenn wir mit der rasanten technologischen Entwicklung Schritt halten. Das schafft kein Verlag der Welt alleine, deshalb müssen wir unsere historischen Silos verlassen, unser Wissen teilen, tradierte Grenzen überwunden und lernen, vernetzt zu arbeiten.“

Das Content-Management-System (CMS) baut auf der Technologie von Drupal 8 auf und ist eine „verlagsspezifische Zusammenstellung und Fortentwicklung verschiedener Drupal-Module“, heißt es aus dem Verlag. Verantwortlich für das Projekt ist Ingo Rübe, CTO für das nationale Magazingeschäft, der gegenüber MEEDIA sein neues Produkt im Vergleich zu bestehenden CMS als flexibler anpreist: „Die Anforderungen des Marktes ändern sich immer schneller. Digitales Publishing braucht ständig neue Features. Dies verursacht bei den klassischen Systemen häufige und teure Relaunches, die jedes Medienunternehmen bei seinem Anbieter einzeln beauftragt.“ Medienunternehmen sehnten sich nach einer günstigeren Alternative, die sie gleichzeitig aus der Abhängigkeit von einem Anbieter befreit, so Rübe. Diese Nachfrage wolle Burda mit Thunder als technische Grundlage für ein Open-Source-CMS befriedigen und gleichzeitig Innovation durch Kooperation erreichen statt in Konkurrenz zueinander zu treten. „Ein CMS ist vor allem in der Konsumentenwahrnehmung kein strategisches Differenzierungsmerkmal mehr“, meint Rübe.

Das Redaktionssystem ist deshalb frei verfügbar und kann „von jedem Nutzer“ lizenzkostenfrei ausgeführt und verändert werden. Die Erwartungen: Publisher, die neue Tools nach eigenem Anspruch und Bedarf entwickeln, geben diese ebenfalls für die Community frei. Zum Start hat Rübes Team gemeinsam mit Industriepartnern quasi ein Starter-Paket gebaut, das Anwender von Thunder die Grundlage liefern soll. So bietet Thunder unter anderem IVW-Zähltools, ein Single Sign-on sowie die Möglichkeit, Seiten responsiv auszuliefern. Zum Start zählt das Unternehmen sechs Industriepartner auf, die bisher an der Entwicklung teilgenommen haben. Aus dem eigenen Hause stammen ein Theme, die Grundlage für den development workflow sowie einzelne Tools für Thunder. Darüber hinaus wird sich das eine Handvoll große Entwickler-Team von Thunder auch um die Verwaltung, also die Koordination sowie Prüfung neuer Tools sowie den Support kümmern.

Gespräche mit interessierten Verlagen habe der Verlag eigenen Aussagen zufolge bereits geführt, wollte allerdings keine Namen nennen. Den Ansprüchen großer Sites wird Thunder zu Beginn sicherlich (noch) nicht nachkommen können. „Um die Ansprüche von vielschichtigen Seiten zu erfüllen, müssen noch einige Funktionalitäten hinzukommen. Das soll für andere Verlage aber kein Hinderungsgrund sein, mit kleineren und mittleren Websites auf Thunder zu beginnen und mit uns zu wachsen“, erklärt Rübe. Burda selbst hat bisher die Online-Auftritte von InStyle und Playboy  auf Thunder umgestellt. Weitere sollen folgen.

(ms)

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