Partner von:
Anzeige

“Das Land darf sich nicht hysterisieren lassen”: Wie Leitmedien den AfD-Erfolg kommentieren

Leitartikler Berthold Kohler (FAZ), Georg Löwisch (taz), Heribert Prantl (SZ)
Leitartikler Berthold Kohler (FAZ), Georg Löwisch (taz), Heribert Prantl (SZ)

Die Prognosen der Meinungsforscher waren alarmierend genug, doch die Ergebnisse der drei Landtagswahlen am "Super-Sonntag" gerieten noch dramatischer: Aus dem Stand holte die AfD in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt zweistellige Ergebnisse, im ostdeutschen Bundesland wählte sogar jeder Vierte die Rechtspopulisten. MEEDIA hat das Medienecho zum AfD-Erfolg zusammengestellt.

Anzeige
Anzeige

Sebastian Fischer bei Spiegel Online: “Das Vehikel für den Aufstieg dieser Partei (Anm. d. Red: die AfD), die nun in acht Landtagen vertreten ist, war fraglos die Flüchtlingskrise. Aber der rechtspopulistische Spuk wird nicht vorbei sein, wenn die Krise gelöst ist. Da darf man sich nichts vormachen. Das kriechende Gift der Rechtspopulisten ist schon zu weit vorgedrungen. (…) Was tun? Die demokratischen Kräfte müssen wieder unterscheidbarer werden. Demokratie lebt ja nicht nur vom guten, pragmatischen, kompromissbereiten Regieren. Sondern doch auch vom Wettbewerb der Angebote, von politischen Erzählungen und Träumen, von harten Debatten. Es muss einen spürbaren Unterschied machen, wer regiert. Das heißt für die Kanzlerin: Sie sollte ihrer Flüchtlingspolitik einen festeren Rahmen geben. Mehr Sinnstiftung, weniger Durcheinander. Die Grenzöffnung für die Flüchtlinge im September war ein richtiger, ein humanitärer Akt; aber ihre planlos wirkende Schritt-für-Schritt-Politik seither war unglücklich; ihre mittlerweile erfolgte Kurskorrektur – die Flüchtlinge in Idomeni werden ja nicht nach Deutschland geholt – wird bislang nicht erklärt.”

Berthold Kohler, FAZ: “In keinem der drei Länder, in denen am Sonntag gewählt wurde, stand Angela Merkel zur Wahl. Und doch wurde überall auch über ihre Politik abgestimmt. (…) Koalitionstechnisch vergibt sich Merkel mit der Linksverschiebung der CDU nichts, soweit die CSU dabei mitmacht. Doch überlässt die CDU damit immer mehr politischen Raum der AfD, die ihn dankbar besiedelt. (…)  Die AfD profitiert enorm von der schwarz-rot-grünen Koalition in der Flüchtlingspolitik. Das Ergebnis in Sachsen-Anhalt rüttelt hoffentlich endlich die etablierten Parteien wach, die sich zu gerne darauf verlassen, dass Protestparteien wie bisher schon wieder verschwinden. (…) Die große Koalition bekam am Sonntag die Quittung dafür, dass ihre Flüchtlingspolitik Deutschland polarisiert wie lange nichts mehr. Wird Merkel wegen dieser Wahlergebnisse auf dem bevorstehenden EU-Gipfel ihren Kurs ändern? Da geht eher ein Kamel durch ein Nadelöhr. Wer in der CDU sollte sie dazu zwingen wollen und können? Nach diesem Sonntag hat die Partei in der Nachfolgefrage noch weniger die Wahl als zuvor.

Georg Löwisch, die tageszeitung: “Misstrauen, Angst und die Profillosigkeit der etablierten Parteien machen es der AfD leicht. Das ist die Lektion des Wahltages. (…) Die Sieger dieser Wahlen vom 13. März sind die Angst, die Ausgrenzung und das Autoritäre. Die AfD als Senkrechtstarterin ist der Grund für dieses Ergebnis, die Ursache ist sie nicht. Die Ursache ist, dass viele politische Spitzenkräfte den Glauben an sich und ihre Programmatik verloren haben. Sie misstrauen ihrer Parteibasis, sie misstrauen ihren Anhängern, sie misstrauen der Bevölkerung. Im Grunde misstrauen sie Deutschland. (…) Dabei hat zusammengerechnet nicht mal ein Fünftel der Menschen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt die AfD gewählt. Sie kippen nicht, sie stehen. Aber statt zu begreifen, dass diese starke Mehrheit kein anderes System will, haben Vertreter des Staates auch noch das Geschäft der Gegner befördert.”

Rainald Becker (SWR) in den tagesthemen: “Dieser Sonntag bedeutet eine Zäsur für Deutschland. Die Flüchtlingskrise und die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel, sie haben die Parteienlandschaft umgepflügt. Union und SPD mussten teilweise ordentlich Federn lassen, und mit der AfD hat der völkisch-nationale und rassistische Populismus die parlamentarische Bühne erobert – bis auf weiteres. (…) Sei’s drum, wenn die demokratischen Parteien sich besinnen und zusammenraufen, dann hält dieses Land auch die AfD aus – locker.”

Anzeige

Zeit Online: “Es stimmt ja, was Frauke Petry an diesem Abend in Berlin sagt: Die AfD ist in Westdeutschland angekommen. Bisher hatte sie ihre Wahlerfolge vor allem in ostdeutschen Bundesländern gefeiert. Doch es stimmt auch, dass die Partei weiterhin Schlagseite Richtung Osten hat. Dort ist sie weiterhin doppelt so stark wie im Westen. Im Osten Volkspartei, im Westen auch dabei. 77 Prozent der Wähler gaben in einer Umfrage im Auftrag des ZDF an, die AfD hauptsächlich zu wählen, um den anderen Parteien einen Denkzettel zu verpassen. Die Wahl war also eindeutig eine Protestwahl.”

Sophie Albers Ben Camo, stern.de: “Das AfD-Wähler mobilisierende Thema war ein einziges: die Flüchtlingspolitik. Das sollte man der AfD durch eine vernünftige Integrationspolitik und vor allem parteienübergreifende, entschiedene Zusammenarbeit abnehmen können. Denn auch ein Horst Seehofer sollte jetzt verstanden haben: Die Alternative zu Merkels Kurs ist nicht die CSU.”

Heribert Prantl, Süddeutsche Zeitung: “Dieser Drei-Wahlen-Sonntag wird in die bundesdeutsche Geschichte eingehen; er war und ist nämlich ein Blick in die Zukunft der deutschen Demokratie. Er zeigt, wie sich das Zerbrechen der alten Parteienlandschaft fortsetzt; und er lenkt den Blick auf die Gefahren, die der Demokratie drohen; sie tragen das Kürzel AfD; der Osten bräunelt. Der Drei-Wahlen-Sonntag zeigt aber auch, wie man den Gefahren begegnet: mit entschlossener Gelassenheit, wie sie das Kennzeichen Winfried Kretschmanns ist. (…) Diese Partei (Anm. d. Red.: die AfD) ist ein Hort der aggressiven Nostalgie und einer rohen Bürgerlichkeit. Im Westen der Republik ist sie rechts- und nationalliberal, man findet dort auch die Federn vom abgebrochenen rechten Flügel der CDU; im Osten der Republik ist die AfD radikaler, ist sie völkisch und rassistisch; sie ist dort eine revitalisierte NPD und zeigt ausgeprägte Verachtung für demokratische Regeln und Umgangsformen. Umso erschütternder ist ihr Großerfolg in Sachsen-Anhalt. Die NPD saß vor fünfzig Jahren, in ihren erfolgreichsten Zeiten, in sieben Landtagen; die AfD sitzt jetzt in acht. Sie ist gefährlicher, als es die NPD damals war, weil sie mehr bürgerlichen Anschluss hat. (…) Was tun? Das Land darf sich von der AfD nicht hysterisieren lassen.”

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. “Das Land darf sich nicht hysterisieren lassen…”, ein gutes Thema !!
    Doch was machen Leute wie Kohler(FAZ), Löwisch (taz), Prantl (SZ), S. Fischer (SpOn), R.Becker (SWR), Sophie Albers Ben Camo (stern.de) an dieser Stelle daraus ?
    Ein beängstigen Wortsalat zum Wohle einer linksradikalen, verlogenen Medien-
    landschaft, die sich sehrwohl bereits seit längerer Zeit einem Vokabular der un-
    seligen SED-Zeiten bedient; die eine rechtswidrig und demokratiefeindliche agie-
    rende Bundeskanzlerin hoffiert – kurz und gut – das deutsche Staatsvolk permanent BELÜGT mit Billigung -wahrscheinlicher- im Auftrag dieser
    sogenannten Bundeskanzlerin.
    Wie umschrieb vor 500 Jahren ein deutscher Mann der Kirche die damalige
    Situation: erhabe “dem Volk auf´s Maul geschaut” und dann die Bibel ins
    DEUTSCHE übersetzt.
    Von dieser Fähigkeit ist den am Eingang aufgeführten Schmierfinken (ein
    anderer Schluss ist einfach nicht möglich nach dem Lesen der Ungeistpro-
    dukte dieser Speziees) nichts aber auch gar nichts übrig geblieben.

    1. … stimme Dir bedingungslos zu.
      Allein schon “hysterisiertes Land” entlarvt den selbstgerechten, missachtenden Blick dieser sog. Leitmedien auf die Gesellschaft. Die Gesellschaft, der sie eigentlich dienen müssten, die ihre Kundschaft bildet.

  2. Es kann dahinstehen, ob und was “Leitmedien” zu den Wahlergebnissen in drei deutschen Bundesstaaten und den Deutungsmöglichkeiten sagen. Es ist schlicht gleichgültig. Die “Leitmedien” haben sich längst marginalisiert bis überflüssig gemacht. Aus ihren alternativlos meinungsmachenden Gurus, denen ein gläubiges Volk ergriffen zu Füßen saß, sind bedeutungs- und echolose Me-too-Krakeeler geworden, die nicht begreifen wollen, dass sie Teil des Problems und nicht Inhaber der Lösung sind. Es wird wohl weiter Journalisten geben, aber eben solche mit “Fakten, Fakten, Fakten” und ohne angemaßte Pädagogik wie in “Prantls Volkserziehungsanstalt” SZ oder beim “Reschke-TV”, für das mit der Flinte kassiert wird.

    Am eindrucksvollsten ist die intellektuelle Erbärmlichkeit bei Prantl, Reschke und Genossen, die eine plan- und ideenlose geistige Leere und sich selbst als pfründenorientierte “Hohlkörper” offenbaren. Im “Land der Dichter und Denker” zeigen sich die “Leitmedien” als blamierte Nachplapperer einer parasitär-bevormundenden Classe Politique im Pöstchenkampf – keine Spur mehr von Kant, Hegel oder Schopenhauer, dafür Nazi-, Rassismus- und Idioten-Keulen. Die kognitiven Minderleister in der Gesinnungspresse sind die nackten Kaiser aus Andersens wundervollem Märchen …

    Warum sollten sich vernünftige anständige Zeitgenossen um die interessegesteuerten Hervorbringungen von Medienleuten kümmern, die erkennbar dümmer als ihr Publikum sind?

      1. Würde eher sagen: sich an seinen Worten selbst ergötzend und weit übers Ziel hinausschießend. “Alternativlos meinungsmachende Gurus”, “blamierte Nachplapperer einer parasitär-bevormundenden Classe Politique” und “kognitive Minderleister in der Gesinnungspresse” – das ist verschwurbelter Quark eines scheinbar tief frustrierten, verhinderten DJV-Funktionärs.

  3. Was die Leithammel der sterbenden Holzpresse meinen, juckt keinen toten Hund in Prantlhausen. Nie war soviel Diffamierung, Verleumdung und Manipulation in der Mainstreampresse zu finden wie seit Beginn der Masseneinwanderungskrise und dem Widerstand von AfD und Pegida dagegen. Genutzt hat es trotzdem nichts, die ehemalige “Massenmedien” erreichen die Masse nicht mehr.
    Mittlerweile lachen sich alle scheckig über die Fotoauswahl und Wortverdrehungen, mit denen mehrheitlich linksgrüne Meinungsbildner ihre gewohnte Volkspädagogik betreiben wollen.
    Ich empfehle zukunftsorientierten Medienschaffenden, über eine Umschulung in einen sinnstiftenden Beruf nachzudenken.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Meedia

Meedia