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Presserat rügt Focus Online wegen Schleichwerbung, Bild für Verstoß gegen Opferschutz

Vom Presserat gerügt: Focus Online um Chefredakteur Daniel Steil (m.), sowie die Bild-Medien um die Chefredakteure Tanit Koch (l.), Marion Horn und Julian Reichelt
Vom Presserat gerügt: Focus Online um Chefredakteur Daniel Steil (m.), sowie die Bild-Medien um die Chefredakteure Tanit Koch (l.), Marion Horn und Julian Reichelt

Drei Tage saßen die Gremien des Deutschen Presserates zusammen, um zum einen über die Richtlinie 12.1 des Pressekodex und zum anderen über etliche Beschwerden gegen deutsche Medien zu diskutieren. Am Ende der Woche stehen elf öffentliche Rügen zu Buche – vor allem gegen die Bild-Gruppe, aber auch Focus Online, die Abendzeitung und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.

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Das prominenteste Thema in den Sitzungen des Beschwerdeausschusses war die Berichterstattung über die Silvestervorfälle in Köln. Wie bereits am Donnerstag berichtet worden ist, schmetterte der Presserat 14 Beschwerden gegen das Focus-Magazin ab. Ex-Chefredakteur Uli Reitz hatte nach der Silvesternacht die Titelseite “Frauen klagen an” mit einer von schwarzen Handabdrücken übersäten weißen Frau illustriert. Das Cover sorgte für harsche Kritik, wurde als sexistisch und rassistisch gewertet. Der Presserat hielt die Beschwerden für unbegründet und sah das Cover durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Auch weitere Köln-Beschwerden über insgesamt drei Berichterstattungen lehnte der Rat ab. In diesen Fällen ging es um Fragen der journalistischen Sorgfaltspflicht. Insgesamt lagen dem Presserat 31 Beschwerden zu den Vorfällen von Köln vor. Elf Beschwerden waren bereits im Vorverfahren als offensichtlich unbegründet bewertet worden.

Ebenfalls als wichtiges Thema in den Diskussionen nannte der Presserat die Berichterstattung über das Zugunglück in Bad Aibling. Mehrere Medien, unter anderem die “Tagesschau”, griffen in ihrer Berichterstattung ein Video auf, das unmittelbar nach dem Zugunglück aufgenommen worden war. Darin waren unter anderem Verletzte zu sehen und Schreie zu hören. Beschwerden gab es gegen die Münchener Abendzeitung, deren Berichterstattung zum Unglück nun als “unangemessen sensationell” gerügt wird. Andere Beschwerdefälle (zum Beispiel gegen Medien, die Standbilder aus dem Video gezeigt hatten) wurden bereits im Vorverfahren aussortiert. In einem weiteren Fall gab es lediglich eine Missbilligung, weil ein Online-Portal das Video zwar gezeigt, aber rasch wieder gelöscht hatte.

Paris-Attentate: Opferdetails waren “schwerwiegender Verstoß”, Leichenfoto aus Bataclan war in Ordnung

Spitzenreiter der Rügen aus der Sitzungsrunde sind die Bild-Medien. Zum einen rügt der Presserat Bild.de für die Darstellung der Opfer des Paris-Attentates. Die Redaktion hatte Porträtbilder der Getöteten veröffentlicht und auch persönliche Details genannt. Die Ethik-Experten haben hier kein öffentliches Interesse feststellen können und sehen einen “schwerwiegenden Verstoß gegen den Opferschutz”. In diesem Fall lagen drei Beschwerden gegen Bild.de vor.

Beschwerden über die Veröffentlichung eines Fotos aus dem Konzertsaal des Clubs Bataclan wies der Rat hingegen zurück. Das Foto entstand nach dem Attentat, darauf zu sehen sind unter anderem Leichen inmitten von Blutlachen. “Der Ausschuss kommt zu dem Schluss, dass die Aufnahme schockierend ist. Das öffentliche Interesse an dem Terroranschlag und seiner schrecklichen Folgen ist hier in der Gesamtschau jedoch höher zu bewerten als der Persönlichkeitsschutz der Betroffenen. Die Mitglieder des Ausschusses machen deutlich, dass es sich bei dem Foto um einen Grenzfall handelt. Die politische Dimension der Tat und das damit einhergehende Informationsinteresse der Leser rechtfertigen aber im vorliegenden Fall diese Form der Abbildung”, so die Begründung. Das Foto sei ein “Dokument der Zeitgeschichte”. Insgesamt lagen hier 64 Beschwerden gegen Bild wie auch Bild.de vor.

Rügen gab es dafür in der Berichterstattung über die Mordfälle Elias und Mohamed. Bild wie Bild.de zeigten Fotos der Jungen, die im Rahmen der Suche nach den Kindern zu sehen waren. “Der Ausschuss sieht kein überwiegendes öffentliches Interesse an der erneuten Veröffentlichung der Fotos nach Abschluss der Fahndung. Der Schutz der Persönlichkeitsrechte der minderjährigen Verbrechensopfer wird verletzt.” Der Entscheidung liegt die Richtlinie 8.2 zum Opferschutz zugrunde.

Einen Verstoß gegen Persönlichkeitsrechte nach Ziffer 8 stellt der Presserat in einem Fall der Bild am Sonntag fest. Das Blatt hatte unter der Überschrift „Schwangere erschlagen, in Donau geworfen“ über eine schwangere Frau berichtet, die ermordet worden war. Dabei wurden Fotos verwendet, die von ihrem Facebook-Profil stammten. Dagegen hatte sich die Mutter der Verstorbenen beschwert. “Der Ausschuss sieht im Abdruck der Bilder einen Verstoß gegen den Opferschutz (Richtlinie 8.2). Danach können Fotos und Namen nur veröffentlicht werden, wenn die Angehörigen zugestimmt haben. Allein der Umstand, dass die Fotos auf Facebook verfügbar waren, rechtfertigt nicht die Verwendung in der Berichterstattung.”

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Focus Online wird erneut wegen Schleichwerbung gerügt – auch FAS verstößt gegen Werbe-Richtlinie

Die mangelnde Trennung von Werbung und Redaktion stellte der Presserat bei Focus Online fest. So wurde zum einen ein Video gerügt, in dem die Redaktion über Technik-Sonderangebote eines Discounters berichtet hatte. Zur Veranschaulichung wurden auch die originalen Werbeanzeigen des Unternehmens gezeigt. “Vor dem Hintergrund, dass der Beitrag zum sogenannten Black Friday erschien, an dem zahlreiche Unternehmen mit Sonderangeboten auf sich aufmerksam machen, bewertet der Ausschuss das Präsentieren ausschließlich der Angebote dieses Discounters als Schleichwerbung im Sinne von Richtlinie 7.2 des Pressekodex.”

Gleiches gilt für ein Video, in dem Focus Online die Wirkungsweise eines Erkältungsmedikament besprochen wurde. “Durch die werbliche Sprache und Bildgestaltung und die Beschränkung auf das Präparat eines bestimmten Herstellers entsteht ein Reklameeffekt, der über das Informationsinteresse der Leser hinausgeht. Die Grenze zur Schleichwerbung wird überschritten (Richtlinie 7.2)”, so der Rat. Die Redaktion um ihren Chef Daniel Steil fiel bereits mehrfach wegen solcher Berichterstattung auf. Im September rügte der Presserat das Portal, weil es in einem Bericht über eine Drogeriekette “jegliche Distanz” vermissen ließ

Zu werblich war nach Ansicht des Gremiums auch die Berichterstattung der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, die einen Füllfederhalter thematisierte. “Unter der Überschrift ‘Schönschreiben mit Federhaltern’ war über die Produkte eines Herstellers von Füllfederhaltern berichtet worden. Der Ausschuss wertet die ausführliche und ganz überwiegend positive Besprechung der Fabrikate eines einzigen Herstellers ohne ersichtliche Alleinstellungsmerkmale als Schleichwerbung.”

Wegen Schleichwerbung gerügt wurden auch das Portal Netmoms.de sowie die TV Hören und Sehen, die über ein Abnehmpräparat berichtet hatte.

Die Bilanz der dreitägigen Presseratssitzungen: Das Gremium sprach insgesamt 11 öffentliche Rügen aus, 14 Missbilligungen und 39 Hinweise. 25 Beschwerden wurden als begründet bewertet, auf eine Maßnahme hingegen verzichtet. 156 Beschwerden wurden als unbegründet erachtet. “Lagen mehrere Beschwerden gegen eine Veröffentlichung vor, wurde nur eine Maßnahme ausgesprochen.”

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Alle Kommentare

  1. Es ist hoch an der Zeit, diese überflüssigen Zensurausschüsse der Political Correctness in Deutschland ersatzlos abzuschaffen. Der deutsche Medieneinheitsbrei, der dadurch herauskommt, verliert täglich Zuschauer/Leser. Deutsche Medien werden nämlich zunehmend überflüssig, wenn man gleich beim Bundespresseamt nachfragen kann, welche Meldungen erwünscht sind. Die unerwünschten holt man dann im Internet und muss dann versuchen, einigermaßen daraus die Wahrheit herauszudestilieren. Der wertvolle Service des guten Journalismus, nämlich unterschiedliche Meldungen/Meinungen als solche zu berichten, sie sauber zu analysieren und zu bewerten und sie schließlich zu kommentieren, ist in Deutschland leider weitgehend verloren gegangen. Wobei für den Leser erkennbar sein muss, wie die Zuordnung erfolgte. Was wir heute haben ist ein unsinniger Mischmasch von allem mit dem Ziel beim Leser eine politische erwünschte Meinung zu erzeugen. Presserat und willfährige Journalisten sind also nicht eine vierte Gewalt, sondern überflüssige Mitläufer und werden zunehmend als Verkünder ihrer Pseudomoral auch als solche erkannt.

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