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Nennung der Herkunft von Straftätern: Presserat prüft Richtlinie gegen Diskriminierung

Beim Presserat sind im vergangenen Jahr weniger Beschwerden eingegangen

Der Deutsche Presserat stellt die Richtlinie zur Nennung der Herkunft von Straftätern auf den Prüfstand. Bei einem nicht-öffentlichen Treffen an diesem Mittwoch in Berlin steht die Diskussion über die betreffende Richtlinie 12.1 im Pressekodex auf der Tagesordnung. Unter Chefredakteuren wird der Pressekodex seit einiger Zeit diskutiert.

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Richtlinie 12.1 empfiehlt bei der Berichterstattung über Straftaten die Zugehörigkeit der Täter zu religiösen oder ethnischen Minderheiten nur zu erwähnen, wenn es einen „begründeten Sachbezug“ zu der Straftat gibt.

Die Kritik an der Richtlinie ist nach den Ereignissen in der Silvesternacht in Köln lauter geworden. Augenzeugen und Opfer hatten nach den sexuellen Übergriffen auf zahlreiche Frauen ausgesagt, die Täter seien dem Aussehen nach größtenteils nordafrikanischer oder arabischer Herkunft gewesen. Viele Medien hatten zunächst nicht über die Herkunft der Tatverdächtigen berichtet. Kritiker der Richtlinie 12.1 monieren, sie erschwere die Berichterstattung über solche Aspekte. So sagte Bild-Chefredakteurin Tanit Koch kürzlich gegenüber dem Medium-Magazin, Ziffer 12.1 stehe für „ungerechtfertigte Selbstzensur und belegt, wie unmündig Leser in den Augen des Presserats sind. Schlimmer noch: Ihre Anwendung schürt das Misstrauen gegenüber der journalistischen Arbeit – Menschen merken, wenn ihnen relevante Informationen vorenthalten werden“.

Dagegen hält unter anderem der Deutsche Journalistenverband (DJV), der an den Presserat appelliert, an der Richtlinie festzuhalten. „Dieser Diskriminierungsschutz hat sich bewährt“, sagte DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall. Es gebe keinen Grund, ihn abzuschaffen. „Dass Medien nach den Silvesterkrawallen in Köln erst spät und zum großen Teil sehr zurückhaltend berichtet haben, lag nicht am Pressekodex, sondern an der Desinformation der Kölner Polizei.“

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