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Schwarzer Mann bedrängt weiße Frau: SZ-Chef Wolfang Krach entschuldigt sich für Illustration

SZ-Chef Wolfang Kracht entschuldigt sich für die Grafik der Wochenendausgabe

Am Wochenende war auf der Titelseite der SZ eine kleine Schwarz-Weiß-Illustration abgedruckt, die zeigt, wie eine schwarze Männerhand einer weißen Frau zwischen die Beine greift. Die Grafik bezog sich auf die sexuellen Übergriffe in Köln. Bei Facebook wurde das Bild heftig kritisiert und als rassistisch betitelt. SZ-Chefredakteur Wolfgang Krach entschuldigte sich daraufhin.

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„Viele junge Muslime können nicht entspannt dem anderen Geschlecht begegnen. Das sind jedes Mal hochsexualisierte Situationen. Auch das ist der Boden für den Exzess von Köln.“ Dieses Zitat von dem palästinensisch-israelischem Psychologen Ahmad Mansour steht unter der Grafik.

Dieses Zitat stammt von Ahmad Mansour. Der palästinensisch-israelische Psychologe arbeitet in Berlin mit gefährdeten…

Posted by Süddeutsche Zeitung on Samstag, 9. Januar 2016

In der Ausgabe vom vergangenen Wochenende beschäftigte sich die Süddeutsche Zeitung intensiv mit den Übergriffen am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht. Dafür verwendete die Redaktion noch eine zweite Illustration: Ein Bild, das eine Faust im Kopf zeigt. Mit beiden Grafiken wollte die SZ deutlich machen, „dass sexuelle Gewalt gegen Frauen nicht nur aus physischen Übergriffen besteht, sondern meist im Kopf und Denken beginnt“, so SZ-Chefredakteur Wolfgang Krach bei Facebook. „In den begleitenden Texten haben wir so differenziert wie möglich über die Ereignisse von Köln, die Angriffe auf die Frauen, die Motive und die Hintergründe der Taten, das Versagen der Polizei und auch über die Instrumentalisierung der Taten durch rechte Demagogen berichtet.“

Die Illustration mit der schwarzen Hand sorgte jedoch bei zahlreichen Lesern für Empörung: „Das ist Brandstiftertum“ und „Wie bitte? Wer denkt sich so etwas aus? Ärgerliche Aussage und unsäglich üble Illustration. Nicht gut, Süddeutsche Zeitung!“, hieß es beispielsweise in den Kommentaren unter dem Facebook-Posting des Bildes.

Wolfgang Kracht entschuldigte sich daraufhin am Sonntag bei seinen Lesern: Die Illustration bediene stereotype Bilder vom schwarzen Mann, der einen weißen Frauenkörper bedränge und könne so verstanden werden, als würden Frauen zum Körper verdinglicht und als habe sexuelle Gewalt mit Hautfarbe zu tun. „Beides wollten wir nicht. Wir bedauern, wenn wir durch die Illustration die Gefühle von Leserinnen und Lesern verletzt haben und entschuldigen uns dafür“, schrieb Kracht.

Am Wochenende haben wir sowohl in der gedruckten Ausgabe der „Süddeutschen Zeitung“ als auch auf SZ.de ausführlich über…

Posted by Süddeutsche Zeitung on Sonntag, 10. Januar 2016

Am vergangenen Freitag sorgte auch bereits das Cover des aktuellen Focus für große Aufregung. Es zeigte eine blonde, nackte Frau, deren Körper mit dunklen Handabdrücken übersät ist. Die Reaktionen bei Twitter und Facebook reichten von „Ohne Worte“ über „Spinnt Ihr total?“ bis „Zu blöd, um es zu erfinden“. Beate Wedekind, Ex-Chefredakteurin der Bunten und der Elle, rief auf ihrem Profil sogar zum Boykott des Magazins auf:

Liebe Freundinnen und Freunde, ich rufe Euch hiermit dringend und herzlich zum BOYKOTT von FOCUS auf: NIEMAND sollte…

Posted by Beate Wedekind on Freitag, 8. Januar 2016

Focus-Chefredakteur Ulrich Reitz, sieht im Gegensatz zur Süddeutschen, keinen Grund sich zu entschuldigen und schreibt bei Facebook: „Wir sehen auch keinen Grund, uns für unser Cover zu rechtfertigen.“ Gegenüber dem Tagesspiegel betitelt er die Kritik sogar als „albern“ und betont: „Das sind Leute, die keine Ahnung davon haben, wie man Themen illustriert.“

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