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5 Gründe, warum der Tukur-”Tatort” mal wieder genial war

Wer bin ich und wenn ja, wieviele?

Er hat es wieder getan. Ulrich Tukur und das Team des HR-”Tatort” haben es mit “Wer bin ich?” mal wieder geschafft, das sonntägliche “Tatort”-Publikum aus der 08/15-Krimi-Lethargie zu reißen. Die einen regen sich auf, dass es beim Spiel mit Realität und Fiktion keinen Mörder gab. Die anderen feiern den Film als ironische Selbst-Reflexion. Hier sind fünf Gründe, warum der Tukur-”Tatort” wirklich genial ist.

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1. Mut und Kreativität

Ulrich Tukur wird nicht müde zu betonen, wie toll er es findet, dass der Hessische Rundfunk den Mut hat, für seine “Tatort”-Filme komplett neue Wege zu beschreiten. Das kann man nur unterstreichen. Die Marke “Tatort” ist so stark, dass sie auch ein enfant terrible wie den Tukur-”Tatort” prima aushalten kann. Dies gilt für die aktuelle Folge “Wer bin ich?” umso stärker. Dadurch, dass der Film fast ausschließlich auf der Erzählebene spielt, eröffnet er für das Format die Möglichkeit, sich selbst zu hinterfragen und auf die Schippe zu nehmen. Das wirkt befreiend und tut Schauspielern, Machern und Zuschauern gut – insofern man sich darauf einlässt an einem Abend eben mal ein bisschen eine andere Geschmacksrichtung statt der gewohnten Krimi-Kost serviert zu bekommen.

2. Extra-Portion Selbstironie

Ulrich Tukur und die anderen Darsteller haben sichtlich Spaß daran, sich und ihre Rollen zu veräppeln. Der Waffen- und Witze-Tick des Frankfurter “Tatort”-Kommissars Wolfram Koch beispielsweise. Oder dass thematisiert wird, dass der Tukur dauernd Nazis spielt und dafür Preise abräumt. Oder dass Tukur fürchten muss, von Matthias Schweighöfer ersetzt zu werden. In einer Szene, in der Wolfram Koch seine blöden Witze in die Dialoge einbaut, ruft der Aufnahmeleiter genervt “Wir sind hier nicht in Münster!” Eine Anspielung auf die Klamauk-”Tatort”-Folgen aus Münster, die regelmäßig mit Monster-Quoten punkten. Darsteller, Autoren und Filmemacher hatten sichtlich Spaß an dieser heiteren Selbst-Reflexion. Auch als Zuschauer konnte man daran Spaß haben – wenn man es denn zuließ.

3. Die Qualität

Schauspieler, Kamera, Drehbuch, Regie – beim Tukur-”Tatort” ist immer alles top! Die ungewöhnlichen Geschichten und die künstlerische Freiheit spornt offenbar das ganze Team jedesmal zu Höchstleistungen an. Das war vor allem schon beim vergangenen Tukur-”Tatort” “Im Schmerz geboren” so, das war auch diesmal zu spüren. Optisch war der Film deutlich zurückgenommener aber trotzdem technisch ausgezeichnet. Die Dialoge ein Genuss. Hinterher wird gerne gemeckert, dass der Tukur-”Tatort” “nur” sieben Millionen Zuschauer hatte. Aber: Sieben Millionen, die sich einen so sperrigen, kunstvollen Film anschauen – das schafft nur die Marke “Tatort”. Gerne mehr davon!

4. Nicht alles erfordert eine Antwort

Das Leben ist oftmals nicht logisch, es gibt hunderttausend Dinge, die wir nicht erklären können. Auch in der Kunst muss es nicht immer eine rationale Erklärung für alles geben. Wer die Männer in den Schweine-Masken waren, die Ulrich Tukur entführt haben, wie das Geld des Toten in Tukurs Hotelzimmer kam, ob Martin Wuttke wirklich Geldprobleme hat – man weiß es nicht, es ist aber auch egal. Um den Tukur-”Tatort” zu genießen, sollte man sich abgewöhnen, für alles und jedes Detail eine Erklärung zu verlangen. Der Film schafft Freiräume zum Selberdenken.

5. Er sorgt für Gesprächsstoff

Zuschauer lieben oder hassen den Tukur-”Tatort” – gleichgültig lässt er fast keinen. Das ist für sich genommen schon eine eigene Qualität. Wann gibt es das noch, dass man mit Freunden und Familie leidenschaftlich über Sinn oder Unsinn eines “Tatort” diskutieren kann? Der Tukur-”Tatort” sorgt für Gesprächsstoff und regt dazu an, sich auch hinterher noch mit dem Film zu befassen. Der HR hat den nächsten Tukur-”Tatort” für Oktober 2016 angekündigt. Wir freuen uns!

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