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Provokation: Weltwoche-Chef Roger Köppel kürt Sepp Blatter zum „Schweizer des Jahres“

Roger Köppel: ehemaliger Welt-Chefredakteur und Macher der Weltwoche

Der ehemalige Chefredakteur der Welt und amtierende Boss der Schweizer Weltwoche, Roger Köppel, ist bekannt für seine Lust, Geschichten gegen den Strich zu bürsten, um so – angeblich existierende – Tabus zu brechen. Das macht ihn zu einem gern gesehen Gast in politischen Talkshows. Publizistisch sorgt das jedoch manchmal für verwirrende und oder überraschende Cover: Ein solcher Fall ist die neue Weltwoche, die kurzerhand Sepp Blatter zum „Schweizer des Jahres“ ernennt.

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Vorbemerkung: Köppel ist schon lange ein bekennender Sympathisant des suspendierten Fifa-Bosses. Als solcher verteidigte er Blatter noch im Frühjahr mit viel Verve beispielsweise in einer „Hart aber Fair“-Sendung.

Trotzdem bleibt die aktuelle Weltwoche eine Überraschung. Auf dem Cover fehlt schon einmal jeder Hinweis, dass es sich bei dem Titelhelden um eine umstrittene Person mit reichlich juristischen Problemen handelt. Stattdessen heißt es unter der Zeile „Schweizer des Jahres“: „Sepp Blatters dornenvoller Kampf für eine bessere Welt“. Viele Anti-Korruptionsstreiter dürften diesen Satz wie puren Hohn empfinden.

Weltwoche

Dabei ist es nur der typische gegen den mainstreamgebürsteter Weltwoche-Ansatz. Wahrscheinlich sieht sich Blatter genauso selbst. Vielleicht ist es das publizistische Experiment wirklich Wert, einmal zu versuchen, den Fußball-Boss aus dessen Warte zu betrachten und zu beschreiben. So schreibt Köppel im Teaser seines Porträts: Der größte Wunsch von Blatter sei es, „in Würde von der Bühne abzutreten. Der 79-jährige Walliser wird verkannt, sein Idealismus unterschätzt.“

Die Ermittler des FBI, die gerade beim Weltfußballverband keinen Stein auf den anderen lassen, werden das sicherlich nicht so sehen. Das gilt wohl auch für weite Teile der Öffentlichkeit. Doch so funktioniert ein typischer – provokanter – Weltwoche-Titel. Immerhin kann den Schweizern keiner vorwerfen, der vorherrschenden Konsensmeinung nach dem Mund zu schreiben.

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