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Studie: Fast die Hälfte der Journalisten sind noch immer Social-Media-Muffel

Für Deutschlands Journalisten wird das Web immer wichtiger. Immer häufiger greifen die Medienmacher auf Suchmaschinen zurück und sind auf soziale Medien angewiesen, um in der geforderten Informations-Geschwindigkeit noch mithalten zu können. Zu diesem Ergebnis kommt die zweite Untersuchung zum Rechercheverhalten von Journalisten des Instituts für Organisationskommunikation der Universität der Bundeswehr München.

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Für die Forscher ist das Thema kein Neuland. So ist ihre neuerliche Untersuchung die Fortführung ihre Studie „Das Google-Dilemma“ aus dem Jahr 2013.

Neben dem Thema Google-Recherche nahm diesmal auch die Arbeit der Journalisten in den sozialen Netzwerken einen besonders breiten Raum ein. So kommen die Forscher erst einmal zu dem Schluss, dass Facebook, Twitter & Co. grundsätzlich nicht mehr aus dem Alltag der meisten Presse-Profis wegzudenken sind.

Die Analyse zeigt, dass 24 Prozent der Befragten mehrmals täglich soziale Medien nutzen. Bei 14 Prozent liegt dieser Wert noch bei mindestens einmal pro Tag. Facebook, YouTube und Twitter zählen laut Studie zu den beliebtesten Informationsquellen. Auch berufliche Netzwerke wie Xing spielen bei der Informationsbeschaffung mittlerweile eine wichtige Rolle.

Die andere Seite der Social-Media-Medaille ist aber auch, dass 45 Prozent der befragten Redakteure und Reporter nur weniger als einmal pro Woche oder nie bei den einschlägigen Web-Plattformen vorbeischauen.

Die Forscher haben sich auch angesehen, mit welcher Erwartungshaltung die Medienmacher die Online-Dienste nutzen. „Der Kurznachrichtendienst von Twitter etwa enthält viele hilfreiche Informationen, Anwendungen oder wichtige Ereignisse, die Anlass für eine weitere Recherche oder direktes Mittel zur Berichterstattung sein können“, erklärt Studienleiter Prof. Carsten Rennhak.

Grundsätzlich erhofft sich knapp jeder zweite Befragte (47 Prozent), bei Facebook & Co. neue Themen zu finden. Auch als Recherchequelle sind die Netzwerke bei rund jedem dritten Journalisten gefragt. „Die kommunikativen Möglichkeiten der Anwendungen im Web 2.0 kommen der Natur der journalistischen Tätigkeit entgegen“, meint Rennhak.

Die Nummer Eins unter den Online-Recherche-Werkzeugen sind noch immer die Suchmaschinen. Die Bedeutung – überwiegend von Google – hat im Vergleich zur Studie aus 2013 um etwa 15 Prozent zugenommen. „Bei der Nutzung zeigen sich jedoch deutlich Altersunterschiede. Je älter die Befragten waren, desto weniger nehmen sie Suchmaschinen für die Recherche in Anspruch. Gerade in der Altersgruppe 26 bis 30 Jahre ist hingegen eine stark erhöhte Nutzung zu erkennen“, erläutert Rennhak.

Die andere Seite der immer gehetzteren Web-Recherche ist, dass immer mehr Reporter und Redakteure bereit zu sein scheinen, Abstriche bei der Informationsbeschaffung zu machen. So gibt 2015 knapp jeder zweite befragte Journalist an (49 Prozent), heute weniger Zeit für die Recherche zu haben als vor fünf Jahren. „Auch für Gegenrecherchen und weiterführende Recherchen bleibt den Medienmachern weniger Zeit als noch vor fünf Jahren – eine Tendenz, die sich bereits bei der Umfrage vor zwei Jahren abgezeichnet hatte“, heißt es in einer Zusammenfassung der Ergebnisse.

Fun Fact: Mehr als jeder dritte Journalist schaut im Social-Web nach, wie seine Veröffentlichungen bei den anderen Nutzern angenommen und kommentiert wird.

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