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Tagesschau-Chef Kai Gniffke: „Berichterstattung über Terroranschläge sind kein Rattenrennen und kein Schönheitswettbewerb“

Trotz der massiven Kritik ist der Chef zufrieden. Nach rund 15 Stunden Sonderprogramm zu den Terror-Anschlägen von Paris, allein am vergangenen Wochenende, zieht der ARD-aktuell-Chef Kai Gniffke eine positive Bilanz der Leistung seiner „Tagesschau“-Redaktion.

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So sagte er beim Mainzer Mediendisput, dass die Berichterstattung über Terroranschläge kein Rattenrennen und kein Schönheitswettbewerb wäre. Mitgeschnitten und transkribiert wurde der Gniffke-Vortrag von Jörg Wagner. Eigentlich wollte sich der ARD-Journalist grundsätzlich zur Auslandsberichterstattung im Ersten äußern. Dann redete er doch erst einmal ein paar Minuten über Paris und die Performance seiner Redaktion.

Grundsätzlich muss sich aber auch der Chef von ARD-aktuell die Frage gefallen lassen, ob es richtig war, am Freitag, direkt nach Bekanntwerden der Anschläge, weiter das Fußballspiel zwischen Frankreich und Deutschland zu zeigen. Gniffke verteidigt diese Entscheidung. Denn nirgendwo wäre es in diesem Moment authentischer gewesen, „den schockierten Zustand dieser Stadt zu transportieren, als in diesem Stadion“. Dort hätte die Terrorwelle ihren Anfang genommen. Zudem hätten die Nachrichten-Profis lange Zeit das Stade de France gar für den Schwerpunkt der Attacke gehalten. Auch deshalb hätte man beschlossen vor Ort auf Sendung zu bleiben. „Und ehrlich gesagt, in der ersten Stunde hätte ich gedacht, jeder, der jetzt sagt, wir müssen da abbrechen und rausgehen, den hätte ich für fast verrückt gehalten“.

Auch das weitere Vorgehen der Programm-Verantwortlichen verteidigte der ARD-Mann in Mainz. Eine kurze Sondersendung hätte erst einmal gereicht. Das hätte den Journalisten in Paris auch mehr Recherche-Zeit verschafft. Sonst hätten die immer wieder dasselbe erzählt.

Auch wenn der Nachrichten-Profi sagt, dass er alle Kritik auf sich nehme, fand Gniffke die Entscheidung richtig, nach dem Länderspiel noch mit den Fußball-Funktionären Jogi Löw, Reinhard Rauball und Oliver Bierhoff zu sprechen. Immerhin wären sie deutsche Zeugen am Ort des Geschehens gewesen. „Wir haben dann ein zweites Update geliefert im Laufe der ersten Stunde und sind dann um Mitternacht auf die lange Strecke gegangen und haben bis nachts um zwei gesendet“. Besonders erwähnt der „Tagesschau“-Chef noch einmal, dass vier Millionen Menschen bis 2.00 Uhr vor ihren Fernsehgeräten geblieben wären. „Ich glaube, es ist uns gelungen, authentisch, kompetent und vor alle Dingen jederzeit angemessen darüber zu informieren. Dazu haben auch exzellente Sportreporter beigetragen, die wie ich fand, richtig und angemessen auf die Situation reagiert haben“.

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