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Sind Sie bei AdBlocker Plus Schutzgeld-Erpresser, die den Journalismus kaputt machen wollen?

Eyeo-Chef Till Faida

Seit Dienstag blockt die Bild zurück: Mit ihrer Anti-AdBlocker-Kampagne sperrt das Boulevard-Portal nun ganz offensiv Werbeverweigerer von den eigenen Inhalten aus. Zuvor hatten Springer und auch andere Publisher bereits erfolglos versucht juristisch gegen AdBlocker Plus (ABP) und Eyeo, dem Startup hinter dem PlugIn, vorzugehen. Im MEEDIA-Interview erklärt nun ABP-Chef Till Faida warum er kein Schutzgeld-Erpresser der Verlage ist und sich in der Rolle eines „disruptiven Innovators“ sieht.

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Sind Sie ein Schutzgeld-Erpresser, der den Journalismus kaputt machen will?
Ganz im Gegenteil: Wir sind der einzige Werbeblocker weltweit, der mittels Acceptable Ads” einen fairen und nachhaltigen Kompromiss zwischen Nutzern und Webseiten/Verlagen zu vermitteln versucht. Und über 90% aller Webseiten, Verlage und Journalisten müssen dafür noch nichtmal einen Cent zahlen! Nur von den sehr großen Internetfirmen werden wir bezahlt, damit wir das Programm nachhaltig betreiben können.

Sie sagen selbst, dass sie nur gegen schlechte Werbung im Web kämpfen würden. Warum glauben die Verlage ihnen das nicht?
Viele haben es mit zu viel und zu aufdringlicher Werbung übertrieben, das einzugestehen fällt nicht allen leicht. Es scheint einfach oft bequemer zu sein, gegen uns zu schimpfen, als sich wirklich einmal mit dem Acceptable Ads Konzept zu beschäftigen: Fakt ist, dass unsere Acceptable Ads-Kriterien für alle gleich gelten und die volle Unterstützung unserer Nutzer haben. Kein Werbetreibender, selbst keiner der großen Internet-Konzerne, konnte je Werbung freischalten lassen, welche nicht 100% diesen Kriterien entspricht. Und das wird auch so bleiben. Wir haben diese Kriterien für akzeptable Werbung gemeinsam mit unseren Nutzern definiert und entwickeln diese ständig weiter. Und jetzt gehen wir sogar noch einen Schritt weiter, in dem wir die Schirmherrschaft über die Acceptable Ads Initiative an ein unabhängiges Gremium abgeben.

Wenn es zu einer ernsthaften Unterhaltung zwischen den Publishern und ihnen kommen würde. Wie könnte eine mögliche Lösung des Streites aussehen?
Von unser Seite aus sehr gerne, wir führen ja bereits sehr konstruktive Gespräche und viele Publisher profitieren sehr von unseren Lösungen, wie dem Ausspielen von alternativen Werbeformaten an die Nutzer von Adblockern! Nur in Deutschland sind einige noch auf Konfrontationskurs, anstatt das Potential von nutzerfreundlicher Werbung als Chance zu begreifen. Wir haben aber nie den Dialog gescheut, denn unser Ziel ist ein Internet, von dem Nutzer, Publisher und Werber gleichermaßen profitieren. Mittels eben solcher akzeptierter Werbeformen… und selbst der IAB hat mit “LEAN” jetzt Guidelines entwickelt, die sehr an “Acceptable Ads” erinnern. Das freut uns, und wir glauben, dass wir bei der Diskussion auf dem richtigen Weg sind.

Bild.de Blocking ABP Donations

Hat Bild.de Ihnen mit ihrer Kampagne geholfen und noch mehr Aufmerksamkeit verschafft?
Die Sperrung für Nutzer von Adblockern hat uns geholfen. Am 13. Oktober war der Hashtag #Adblocker ein Trending Thema in der deutschen Twitter-Community. Wir konnten 285% mehr deutsche Seitenaufrufe verbuchen und mehr als eine Vervierfachung der Spenden:

Haben Sie Angst, dass es den Verbänden, wie dem BVDW, doch noch gelingt, die Politik gegen AdBlocker aufzuwiegeln. Immerhin wurde am gestrigen Donnerstag entsprechende Forderungen vom Verband an die Regierung gestellt?
Nein, wir sehen der Zukunft positiv entgegen. Wir möchten durch unsere Produkte zu einem Umdenken in der Online-Werbe-Industrie anregen und zu einer Diskussion animieren. Unsere Rolle ist dabei die eines disruptiven Innovators, da immer mehr Nutzer Adblocker installieren und damit die Notwendigkeit von besserer Werbung signalisieren. Am Ende geht alle Macht vom Nutzer aus, das hat die Politik schon sehr viel besser verstanden als ein innovationsfeindlicher Lobbyverband wie der BVDW.

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