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Dummchen, Macho, Aggro-Mum: Gender-Gruppentherapie bei „Hart aber fair“, die Zweite

Ampelmännchen reloaded bei "Hart aber fair"

War es eigentlich eine gute Idee, die „Hart aber fair“-Sendung zum Thema Genderforschung und Gleichberechtigung nach massiver Kritik mit denselben Gästen zu wiederholen? Nein, es war natürlich eine ausgemachte Eselei. Die Ampelmänchen-Reloaded-Farce war mindestens genauso unaufgeräumt wie die erste Auflage. Aber wenigstens war es nicht langweilig.

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Da saßen sie also wieder in ihren zugeordneten Rollen: FDP-Politiker Wolfgang „Macho-Man“ Kubicki , Schauspielerin Sophia „Dummchen“ Thomalla, die Netz-Feministin Anne „Stress-Braut“ Wizorek, Grünen-Politiker Anton „Faktenhuber“ Hofreiter sowie Buch-Autorin Birgit „Aggro-Mum“ Kelle. Als Bonus-Gäste begrüßte Frank Plasberg den WDR-Fernsehdirektor Jörg „Ich muss weg“ Schönenborn, der mehrfach und lange zu erklären versuchte, warum der Sender die erste Ampelmännchen-Sendung zuerst nach Protesten aus der Mediathek geschmissen und sie nach weiteren Protesten, diesmal von anderer Seite, wieder online gestellt hat. Es gelang ihm nicht. Der Hofreiter Toni brachte es auf den Punkt, indem er das Verhalten des Rundfunkriesen als „ungewöhnlich ungeschickt“ bezeichnete“. Wobei … so ungewöhnlich war das dann auch wieder nicht.

Gleich zu Beginn wurde dankenswerterweise deutlich gemacht, wie bescheuert die Idee mit der Sendungs-Wiederholung ist, als Frau Wizorek mit einem Statement aus Sendung 1 eingeblendet wurde, in dem sie monierte, dass keine Gender-Professorin anwesend ist, mit der man mal echt fachlich über das Thema diskutieren könnte. Und siehe: Auch diesmal war keine Gender-Professorin zugegen, sondern wieder bloß Sophia Thomalla, die sich selbst im Laufe der Show sogar als „doofe Frau“ bezeichnete. Auto-Aggression im Gender-Rausch.

Oder wie es Wolfgang Kubicki formulierte: „Wenn eine Kritik an der Sendung war, dass unseriöse Menschen eingeladen wurden, dann frage ich mich, warum wir wieder hier sitzen.“

Ja, warum? Na, damit wir ein ums andere mal hören können: „Aber das haben Sie doch schon in der ersten Sendung behauptet!“ „Herr Kubicki!“ „Frau Kelle!“ „Herr Plasberg!“ „Frau Mattfeldt-Kloth!“ Hoppla, Mattfeldt-Kloth? Die Dame mit dem Loriot-mäßigen Doppelnamen ist die stellvertretende Vorsitzende des Landfrauen…, Pardon: Landesfrauenrates Niedersachsen, nur eine von offenbar unermesslich vielen Institutionen, die sich wegen der ersten Gender-Gaga-Sendung (zufällig heißt so auch ein Buch von Birgit Kelle) offiziell programmbeschwerten. Natürlich vergeblich.

Frau Mattfeldt-Kloth erwies sich durchaus als Talk-tauglich indem sie sowohl über Frau Thomalla als auch Herrn Kubicki herzog. Die Waffen einer Frau sind in Gender-Zeiten erstaunlich robust. Zwischendurch murmelte der Hofreiter Toni was von „Fakten“, Jörg Schönenborn machte es wie ein Hollywoodstar bei „Wetten dass..?“ und verabschiedete sich, weil er vermutlich noch den Flieger nach Düsseldorf erwischen musste. Und in einem ganz kurzen Moment blendete die Redaktion sogar ein paar sinnvolle Beispiele für Gender-Mainstreaming ein (z.B. Nachttaxis), die man in der ersten Sendung vor lauter röhrenden Hirschen, Ampelmännchen und Unisex-Klos doch glatt vergessen hatte zu erwähnen.

Der kurze Moment der Besinnung blieb aber auch wirklich nur ganz kurz und dann wurde wieder fröhlich aufeinander losgekeift in der gebührenfinanzierten Gender-Gruppentherapie. Frau Mattfeldt-Kloth legte sich sogar mit Plasberg an, indem sie „Hart aber fair“ als – shocking! – „Unterhaltungssendung“ geißelte. Plasberg plötzlich knallhart: „Darf ich Sie korrigieren: Es ist keine Unterhaltungssendung.“

Dafür, dass es keine Unterhaltungssendung war, geriet die Neuauflage des Gender-Talks aber ziemlich unterhaltsam, was nicht das schlechteste ist, was man heutzutage über eine Talkshow sagen kann.

Klären wir zum Ende hin noch schnell die wesentlichen Fragen zur wiederaufgelegten Gender-Show.

Gab es neue Erkenntnisse zum Thema Gender-Forschung? Natürlich nicht, es waren ja auch diesmal keine Gender-Professorinnen da!

Warum wurde die Show zuerst aus der Mediathek geschmissen und dann wieder reingestellt? Keiner weiß es, auch nicht Jörg Schönenborn.

Ist dieser ganze Genderkram jetzt kompletter Quatsch oder wahnsinnig wichtig? Schwer zu sagen. Vielleicht sollte man das Thema noch einmal in einer dritten Sendung vertiefen.

Dann aber bitte, bitte mit Gender-Professorinnen. Kubicki kann bleiben, die Frau mit dem Doppelnamen auch. Die war lustig. Und noch unbedingt diesen Biologie-Professor aus Kassel einladen, der sagt, dass Männer bloß doofe Frauen wolle, die gut aussehen und kochen können. Ich freu mich schon.

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