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Studie: Leserkommentare sind schlecht fürs Image der Medien (Hasskommentare besonders)

Die Wissenschaftler Patrick Weber, Fabian Prochazka und Wolfgang Schweiger haben die Reaktion von Nutzern überprüft.

Vor allem in Zeiten der wachsenden Anzahl von Hasskommentaren wird der Mehrwert von Kommentarspalten sowie deren Verwaltung diskutiert. Eine Studie kommt nun zu einem alarmierenden Ergebnis: Grundsätzlich wirken sich Nutzerkommentare negativ auf die Wahrnehmung der Textqualität aus – vor allem aber „unhöfliche“. Damit bestätigt die Studie auch: Trolle und Hetzer erreichen ihr Ziel, Medien unglaubwürdig wirken zu lassen.

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Kommunikationsforscher der Universität Hohenheim haben in ihrer Studie untersucht, welchen Einfluss Nutzerkommentare auf die wahrgenommene Qualität eines Textes beziehungsweise das Medium nehmen. Dazu haben die Wissenschaftler Screenshots verschiedener Nachrichtenwebsites (Spiegel Online, Focus Online sowie eine „unbekannte“ Nachrichtenwebsite) gemacht, auf denen ein „ausgewogener“ Artikel zum Thema Mariuhana zu lesen war. Darunter platzierten sie Nutzerkommentare, die entweder höflich oder unhöflich waren sowie argumentative Begründungen enthielten oder eben nicht. Eine Kontrollgruppe bekamen den gleichen Inhalt ohne Nutzerkommentare vorgelegt.

Zum einen fragten die Forscher nach der Auswirkung auf die Inhaltsqualität (Relevanz, Objektivität, Ausgewogenheit, Vielfalt), zum anderen nach der Vermittlungsqualität (Verständlichkeit, Eignung für verschiedene Lesergruppen). Die Auswertung aus Hohenheim zeigt, „dass das bloße Vorhandensein von Kommentaren im Durchschnitt sowohl die wahrgenommene Inhaltsqualität des Beitrags als auch die wahrgenommene Vermittlungsqualität verschlechtert“. Dieser Effekt trete bei bekannten und unbekannten Medienmarken auf.

In der Bewertung kommen die Forscher zu dem Schluss: „Die Ergebnisse sind für den Online-Journalismus durchaus beunruhigend.“ So würde die wahrgenommene journalistische Qualität von Onlineartikeln scheinbar „von bloßem Vorhandensein von Nutzerkommentaren als auch von ihrer Beschaffenheit beeinträchtigt zu werden.“ Es wurde aber auch deutlich, dass bei der Inhaltsqualität die Texte ohne Argumente einen deutlich negativeren Einfluss hatten als argumentative Kommentare. In der Vermittlungsqualität wurde Unhöflichkeit nochmals negativer eingeordnet als Höflichkeit. Allerdings stellten die Forscher auch fest, „dass selbst Kommentare in höflichem Ton und mit begründeten Argumenten für die Nachrichtenwebsites offensichtlich kaum einen Mehrwert bieten.“

Im Vergleich zur Kontrollgruppe, die die Texte ohne Kommentare vorgelegt bekam, hatten die positiven Kommentare auf einen Text „keinen positiven Einfluss auf die wahrgenommene journalistische Qualität eines Artikels.“ Ungeprüft in der Studie blieb, inwiefern ein Kommentarangebot überhaupt nachgefragt wird, ob das Vorhandensein der Möglichkeit zu kommentieren also als positiv oder generell als störend empfunden wird.

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