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So unglücklich sind die „glücklichen“ Mitarbeiter aus dem Lidl-TV-Spot

Schon lange hat keine TV-Kampagne mehr für so viel unterschiedliche Kritik gesorgt, wie Lidl mit seinen „Woran erkennt man eigentlich…“-Spots. Nach ätzenden Parodien von Metzgern und Bäckern, nimmt sich der SWR jetzt der Frage an: Ist Lidl eigentlich ein guter Arbeitgeber, so wie es die Werbung suggeriert? Die Antwort wird den Managern des Discounters nicht gefallen.

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Ganz im Duktus der aktuellen Kampagne „Woran erkennt man eigentlich gutes Obst“ oder „gutes Fleisch“, fragt ein aktueller Image-Spot auch, woran ein guter Arbeitgeber zu erkennen ist? Natürlich liefert der Clip auch gleich die entsprechenden Antworten: „Nicht am richtigen Sitz der Krawatte oder dem exponierten Sitz der Firmenzentrale“, sondern „daran, wie wichtig ihm seine mehr als 70.000 Mitarbeiter sind, dass bei ihm jeder alles werden kann“.

Der Clip kommt zu dem Schluss, dass man einen guten Arbeitgeber dann erkennt, wenn man sich „mit ihm an einem Tisch setzen kann“. Genau an dieser Stelle, dürften die Redakteure des SWR allerdings laut „Stopp“ rufen.

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Den TV-Bericht gibt es hier zu sehen

Die Journalisten haben einige Angestellte des Discounters dazu befragt und die berichten doch weit anders. So gebe sich das Unternehmen größte Mühe, die Gründung von Betriebsräten zu verhindern. Setzt man sich wirklich zu diesem Thema mit seinen Chefs an einen Tisch, werde sofort massiv Druck ausgeübt. „Wenn Sie sich für einen Betriebsrat einsetzen, haben Sie keine Zukunft mehr in unserem Unternehmen“, solle ihn dann gesagt worden sein.

Weiter berichten die Angestellten: „Es herrscht eine Kultur der Angst – definitiv“. Die TV-Reporter kommen zu dem Ergebnis, dass deutschlandweit nur drei von 3200 Lidl-Filialen einen Betriebsrat hätten. Nach Definition von Lidl kann man also einen guten Arbeitgeber schon einmal nicht daran erkennen, dass er viel von Betriebsräten halte.

Die Kritik an der Werbekampagne ist jedoch wahrlich nicht neu. An den Spots für frisches Fleisch und Backwaren arbeiteten sich bereits die entsprechenden Innungen und Meisterbetriebe ab. Auch Greenpeace nahm sich der Kampagne schon einmal an. Laut Slogan lohnt sich Lidl für den Kunden. Doch lohnt sich diese Werbung noch für Lidl? Wahrscheinlich ist es Zeit für die Frage: Woran erkannt man eigentlich ein PR-Desaster?

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